Multiple Sklerose: Berechtigte Hoffnung auf ein besseres Leben

Wien (OTS) - Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der in Österreich rund 8.000 Menschen (davon 60% Frauen) betroffen sind. Gefürchtet ist die MS vor allem wegen der motorischen Beeinträchtigungen - bis hin zum Verlust der Gehfähigkeit. Dank neuer Behandlungsmethoden, insbesondere dem Interferon beta-1a, haben sich die Aussichten für MS-Patienten aber wesentlich verbessert, erklärten Experten anlässlich eines internationalen Symposiums, das am 2. März 2002 in München stattfand. Als gänzlich neuer Trend zeichnet sich ab, dass Interferon beta-1a nun vermehrt in einem sehr frühen Stadium eingesetzt wird, um damit den vollen Ausbruch der Krankheit zu verzögern.

Bei den meisten Patienten verläuft die MS zunächst schubförmig, d.h. die meist plötzlich auftretenden Beschwerden bilden sich nach kurzer Zeit wieder zurück. In weiterer Folge (in der Regel nach Jahrzehnten) kommt es bei einem Großteil der Erkrankten zu einer zunehmenden Verschlechterung der Symptome (= sekundär progrediente Form). Eine Behandlung sollte daher in beiden Phasen der Erkrankung wirksam sein.

Mit Interferon beta-1a (Avonex(R)) steht MS-Erkrankten eine Behandlungsmethode zur Verfügung, die sich durch eine überzeugende klinische Datenlage und eine patientenfreundliche Anwendung auszeichnet, erläuterte Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Düsseldorf, am Symposium in München. Klinische Studien haben gezeigt, dass Avonex(R) in allen Stadien der Multiplen Sklerose wirksam ist. Sowohl bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose, als auch bei Patienten mit sekundär progredienter MS wurde ein sehr guter Behandlungserfolg erzielt.

Erfolgversprechende Behandlungswege im Frühstadium

Besondere Aufmerksamkeit haben die Ergebnisse der kürzlich beim Symposium in München vorgestellten CHAMPS-Studie gefunden. Diese Untersuchung hat erstmals gezeigt, dass Interferon beta (in diesem Fall Avonex(R)) auch in einem sehr frühen Stadium der MS wirksam ist und das Risiko für einen vollen Ausbruch der Krankheit senken kann. Für Betroffene hat Interferon beta-1a zudem den Vorteil, dass die Injektion im Gegensatz zu anderen Interferon beta - Präparaten nur einmal wöchentlich erfolgen muss.

Therapieerfolg durch Antikörper gefährdet?

Aufgrund der bislang vorliegenden Studien ist davon auszugehen, dass alle am Markt befindlichen Interferon beta-Präparate gleich gut wirksam sind. Es gibt zwar Vergleichsstudien, die einen Vorteil für die eine oder andere Substanz signalisieren, doch handelt es sich hierbei um Studien mit kurzer Beobachtungsdauer, sodass eine endgültige Beurteilung nicht möglich ist.

Es kommen nun aber Zweifel auf, ob die verfügbaren Präparate für eine Langzeittherapie (über viele Jahre bis Jahrzehnte) gleich gut geeignet sind, erklärte Dr. Antonio Bertolotto, Orbassano, Italien. Jüngsten Erkenntnissen zufolge könnte nämlich der Behandlungserfolg durch die Entwicklung neutralisierender Antikörper (diese blockieren die Andockstelle für Interferon beta an der Zelloberfläche) gefährdet werden. Und in dieser Beziehung bestehen offensichtlich relevante Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten. Unter der Therapie mit Interferon beta-1b waren nach 18 Monaten bereits bei einem Drittel der Patienten neutralisierende Antikörper nachzuweisen. Im Rahmen einer Therapie mit Avonex(R) war dies im gleichen Beobachtungszeitraum nur bei 2% der Fall. Es ist noch nicht im Detail geklärt, welche klinische Bedeutung diesem Phänomen beizumessen ist.

"Aber es ist festzuhalten, dass es sich hier um ein ernstzunehmendes Problem handelt", so die Schlussfolgerung von Hartung. Aufgrund der bislang vorliegenden Daten mit Interferonen bei anderen Indikationen ist jedenfalls gesichert, dass der therapeutische Effekt durch neutralisierende Antikörper eingeschränkt oder vollständig unterbunden wird. Bei MS-Patienten gibt es ebenfalls erste Hinweise, dass die Antikörper die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Multiple Sklerose - nicht nur eine motorische Störung

Die am meisten gefürchtete Auswirkung der Multiplen Sklerose ist die Einschränkung der motorischen Funktionen, insbesondere der Gehfähigkeit.

Bei bis zu zwei Drittel der Patienten wird die Lebensqualität zusätzlich durch eine Störung der kognitiven Funktionen (z.B. verbale Ausdrucksfähigkeit, Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Rechenleistung u.a.) beeinträchtigt, berichtete Dr. Volker Limmroth, Essen.

Die Störung der kognitiven Funktionen kann schon relativ früh im Verlauf der Krankheit auftreten, ist also keineswegs als Ausdruck einer weit fortgeschrittenen Erkrankung zu verstehen. Bislang wurde die Bedeutung der kognitiven Störungen unterschätzt, was wohl auch damit zusammenhängt, dass keine wirksame Therapie zur Verfügung stand.

Aufgrund der guten Erfolge mit Interferon beta-1a in der Behandlung und Prävention der motorischen Symptome der MS erschien es denkbar, dass mit diesem Behandlungsprinzip auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflusst werden kann. In einer klinischen Studie konnte dies dann auch tatsächlich nachgewiesen werden. In der Placebogruppe kam es im Verlaufe von zwei Jahren bei 37% der Patienten zu einer Verschlechterung der Rechenleistung (Paced Auditory Serial Addition Test), in der Avonex(R) - Gruppe hingegen nur bei 20%. Diese Ergebnisse sprechen also dafür, dass Avonex(R) einen umfassenden Schutz für MS-Patienten bietet, der nicht nur die motorische, sondern auch die kognitive Komponente der Erkrankung erfasst.

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