Noch so schön inszenierte Klausuren sind zu wenig von Gerhard Marschall

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Integrationspaket allein der Name ist im Lichte des soeben stattfindenden Prozesses rund um den zum Abtransport verschnürten und schliesslich zu Tode gekommenen Schubhäftling Omofuma verdächtig. Dieses Paket enthält auch eine Neuregelung für Saisonniers, die künftig in allen Wirtschaftszweigen engagiert werden dürfen. Das kann für bestimmte Regionen und Branchen sinnvoll sein, taugt aber nicht als Generalrezept. Kernproblem der aktuellen
hohen Arbeitslosigkeit sind fehlende Qualifikation und mangelnde Mobilität. Vorübergehend Ersatz aus dem Ausland zu importieren, löst dieses Problem gewiss nicht.

Vor allem aber ist das bloss ein Teilaspekt. Nicht nur aus wirtschaftlicher Warte betrachtet, sieht die Welt denn doch etwas anders aus. Sie ist nun einmal komplexer und damit auch komplizierter, als es jene politischen Marktschreier darstellen, die für alles die einfache Lösung parat haben. Es ist der Geist hinter solchen Gesetzen, der zu denken gibt. Menschen nur auf ihre Arbeitskraft zu reduzieren, ist nicht nur in humanitärer Hinsicht engherzig, sondern auch ökonomisch kurzsichtig. Wer gute Arbeit leisten soll, braucht auch, was sich unter Lebensglück zusammenfassen lässt. Dazu gehört das Anrecht auf Familienleben. Das wissen Unternehmer, die zum weitaus überwiegenden Teil integrativer denken und handeln, als sich das eine Politik traut, die Angst vor den zuvor von ihr geschürten Ängsten hat.

Dieses Verhaltensmuster ist durchgängig. Der schwarz-blauen Koalition mangelt es nicht am Reformwillen, ihr grosses Defizit liegt im Konstruktiven. Sie definiert sich in hohem Masse über den Widerstand, gegen den sie entstanden ist und der sie seither begleitet. Deswegen braucht sie ständig eine gesellschaftliche Gruppe, gegen die es gerade geht: "die Tschechen" oder "die Verfassungsrichter", "die Lehrer" oder insgesamt "die Beamten", "die Sozialschmarotzer" oder "die in Brüssel" und immer wieder "die Ausländer".

Ausfluss dessen ist nicht Integration, sondern Polarisierung. Dementsprechend sind die Ergebnisse, demnächst auch bei der Steuerreform: Wenn die einen etwas kriegen, müssen die anderen ebenfalls etwas bekommen. Das ist auch Politik, nur halt keine problem- und zukunftsorientierte. Und noch so viele, noch so schön inszenierte Klausuren können das nicht kaschieren. (Schluss) mar

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