Greenpeace: Unverständliche Empfehlung der Bioethikkommission

Biopatentrichtlinie würde Patentierung von Leben legalisieren

Wien (OTS) - Greenpeace kritisiert den heute bekannt gewordenen Beschluss der Bioethikkommission, die Implementierung der sogenannten Biopatentrichlinie zu empfehlen. "Die Aussage des Vorsitzenden der Kommission Huber, dass die Richtlinie die Patentierung des menschlichen Körpers oder Teilen davon ausschließt, ist bestenfalls auf Unkenntnis der gängigen Praxis zurückzuführen," kritisiert Greenpeace Gentechnik-Experte Thomas Fertl. Die Richtlinie schafft die rechtliche Grundlage um Lebewesen oder Teile davon patentieren zu können: Aktuelles Beispiel ist das vom Europäischen Patentamt bereits erteilte Brustkrebsgenpatent, gegen das sich eine breite Allianz gebildet hat. Vor wenigen Tage hat das Luxemburger Parlament nach einer entsprechenden Empfehlung des nationalen Ethikrates die Umsetzung der Bioethikrichtlinie auf Eis gelegt. "Die Entscheidung der Bioethikkommission kommt der Empfehlung gleich, die Patentierung von Lebewesen zu legalisieren", so Fertl.

"Greenpeace fordert die Bioethikkommission auf, diese Entscheidung zu überdenken und von der Politik die umstrittenen Richlinie neuzuverhandeln anstatt sie umzusetzen. Alles andere wäre ein Affront gegen die 1,2 Millionen Österreicher, die sich im Rahmen des Gentechnik-Volksbegehren gegen die Patentierung von Leben ausgesprochen haben", so Thomas Fertl heute. Dass die Biopatentrichtlinie die Grundlage für die Patentierung von Leben bildet, beweist das Europäischen Patentamt (EPA) in München: Das EPA erteilt seit Jahren auf Grundlage der Biopatentrichlinie Patente auf Leben oder Teile von Lebewesen. Es wurden bereits hunderte Patente auf Pflanzen, Tiere, Mensch-Tier-Mischwesen, menschliche Organe und Gene erteilt. So wurden der Firma "Myriad Genetics" zwei Patente auf das sogenannten Brustkrebsgen zuerkannt. Greenpeace hat gegen dieses Patent Einspruch erhoben und wird dabei unter anderen unterstützt von der Deutschen Ärztekammer, der evangelischen und katholischen Kirche und Patientenorganisationen. Sie alle befürchten, dass dieses Patent die medizinische Forschung behindert und letztendlich auf Kosten der Brustkrebspatienten geht. Das Wissenschaftsmagazin Nature publizierte vor kurzem eine Studie, die diese Befürchtungen untermauert: Ein Patent auf das Haemochromatose-Gen hat zu einem Rückgang der Forschung über die Bekämpfung dieser Krankheit geführt.

Die "Richtlinie zum Schutz biotechnologischer Erfindungen" (kurz Biopatentrichlinie) wurde 1998 vom Europäischen Parlament beschlossen und hätte in der Folge bis zum Sommer 2000 in den Eu-Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Gegen diese Richlinie gab es von Anfang an großen Widerstand, daher haben bislang nur fünf der 15 Staaten (Irland, England, Dänemark, Finnland und Griechenland) die Richtlinie umgesetzt.

Hintergrundinformationen über die Biopatentrichlinie sowie das Brustkrebsgenpatent finden Sie im Internet unter:
http://www.greenpeace.at/umweltwissen/gentech/patente/index.htm

Rückfragen & Kontakt:

Axel Krotz,
Pressesprecher,
Tel.: 01-5454580-33 od. 0664-2407075
Mag. Thomas Fertl,
Gentechnik-Experte Greenpeace,
Tel.: 01/5454580-24 oder 0664/4904986

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS