FP-Wagner(2): Umfassende Kontrolle der Flächenwidmung sind Gebot der Stunde!

Wien, 07-03-2002 (fpd) - Die vom Kontrollamt bei der Prüfung der MA 21B getroffene Feststellung, dass "stadtplanerische Leitlinien vernachlässigt wurden, um Freunde zu bedienen", trifft im Fall Praterstraße 20 auch auf die MA 19 im kulturellen Bereich zu. Diese sorgt mit ihrer Zustimmung zum "Siegerprojekt" nicht für den bestehenden Ensembleschutz, sondern für den Widmungsgewinn des Hauseigentümers und zerstört dadurch das kulturell wertvolle Stadtbild auf der einstigen Kulturmeile Praterstraße.

Kubik und Muzicant konnten nicht überzeugen

Bezirksvorsteher Kubik und Dr. Muzicant als Vertreter der Hauseigentümerin waren am Dienstag anlässlich der Präsentation des "Siegerprojektes" von Architekt Krischanitz wenig überzeugend. Sie mussten scharfe Kritik und schwere Vorwürfe von Anrainern, Kaufleuten der Praterstraße und Bezirkspolitikern einstecken. Diese kündigen breiten Widerstand gegen das Bauprojekt und rechtliche Schritte an und verlangen eine genaue Kontrolle der Vorgänge beim Widmungsverfahren.

Kontrollen bereits eingeleitet

Ein von Gemeinderat Josef Wagner in der Sitzung des Gemeinderates eingebrachter Antrag auf Prüfung durch das Kontrollamt und eine umfangreiche Anfrage an Planungsstadtrat Schicker sollen Aufklärung über die nachträgliche Planänderung bringen. Auch die bereits beschlossene Untersuchungskommission wird sich mit dem Fall Praterstraße 20 beschäftigen. Dabei wird die Frage zu klären sein, wer die von Dr. Muzicant verlangte Bauklasse V nachträglich in das Plandokument Nr. 7320 eingetragen hat. Erleichtert wurden diese vom Kontrollamt in anderen Fällen als Verstoß gegen die Bauordnung festgestellten nachträglichen Änderungen in einem Plandokument auch dadurch, dass weder Gründruck noch der für Stellungnahmen öffentlich aufgelegte Rotdruck ein Datum aufweisen! Diese Vorgangsweise der MA 21 - ob beabsichtigt oder nicht wird noch zu klären sein - ermöglicht natürlich Manipulationen an Plandokumenten und erschwert die Kontrolle.

Vom Schmuckstück zum Spekulationsobjekt

Bei der Aufklärung des Widmungsskandals spielt auch die Vorgangsweise des Hauseigentümers eine Rolle. Dieser hat in den letzten 10 Jahren das von der MA 21A als schützenswerte Bausubstanz und als ein sehr qualitätsvolles Beispiel aus der Zeit des Romantischen Historismus bezeichnete Haus Praterstraße 20 dem Verfall preisgegeben. Im Bezirk erinnert man sich noch gut an Polizeieinsätze gegen illegale Mieter und sanitäre Übelstände. Inzwischen steht das Haus nach jahrelangen Prozessen - bis auf eine Pizzeria, die Ende März auszieht - leer und der Eindruck verstärkt sich, dass es dem Hauseigentümer gar nicht um die Erhaltung des Hauses geht. Nach einem Käufer für die Liegenschaft wird bereits gesucht, womit nach bestellter und durchgeführter Änderung auf Bauklasse V ein fetter Widmungsgewinn in Millionen Euro gemacht werden kann.

Ensembleschutz hat Vorrang vor Widmungsgewinnen

Im Gegensatz dazu stehen die Bestrebungen von Bezirksbewohnern und Oppositionspolitikern, das Ensemble Praterstraße zu schützen und die einstige Kulturmeile aufzuwerten. Das "Siegerprojekt" mit seinem Glaskubus bis 26 Meter Höhe steht im Gegensatz dazu und wird daher von einer großen Mehrheit abgelehnt. Wir verlangen ein Umdenken des Hausherrn und eine Rücknahme der unter Mißachtung des § 2 der Bauordnung erfolgten Flächenwidmung, schloß Wagner. (Schluß) jen

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