Wien startet Technologiekooperation mit NRW

Gemeinsames Vorgehen sichert EU-Milliarden

Wien, (OTS) "Im Gleichschritt mit der Globalisierung der Wirtschaft muss es auch zu einer Globalisierung des Wissens kommen", betonte am Donnerstag Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder im Anschluss an eine offizielle Reise nach Nordrhein Westfalen auf Einladung des dortigen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. "Wir kamen in Düsseldorf überein, künftig in Fragen der Technologieentwicklung intensiv und auf Basis einer schriftlichen Vereinbarung zusammenzuarbeiten. Konkret betrifft dies den gemeinsamen Auftritt in Brüssel im Rahmen von EU-Forschungsprojekten, den Bereich Energiewirtschaft samt neuer Energieformen, Clusterbildung im Biotech-Bereich, Qualifizierungsmaßnahmen, Kommunikation im Wissenschaftsbereich, Nano- und Mikrotechnologie sowie die gegenseitige Unterstützung bei Großprojekten."

"Diese Kooperation wird natürlich durch die räumliche Distanz zwischen Wien und Nordrhein Westfalen erleichtert, da man bei konkreten Projekten nicht als direkter Konkurrent auftritt. In unsere Kooperation mit einbezogen werden soll im Rahmen der Vienna Region natürlich auch Niederösterreich. Ich werde in den nächsten Tagen mit den dortigen Verantwortlichen einen diesbezüglichen Kontakt herstellen. Ebenso hoffen wir, die Wiener Hochschulen in die Kooperation einbinden zu können", erklärte Rieder.

Schon kommende Woche würden sich, so Rieder, die ersten Arbeitsteams zu den einzelnen Fachbereichen konstituieren. Im Spätsommer bzw. Frühherbst soll es dann zur Unterfertigung einer schriftlichen Vereinbarung über die Zusammenarbeit kommen.

An der offiziellen Reise nach Düsseldorf nahmen neben Rieder auch der Vorsitzende des Finanz- und Wirtschaftssausschusses und Vizepräsident der Wirtschaftskammer, KR Fritz Strobl, der Geschäftsführer des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds, DI Dr. Bernd Rießland, sowie der Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, DI Dr. Knut Consemüller, teil.

Für Consemüller nimmt der künftige Kooperationsvertrag eine österreichweite Entwicklung im Technologiebereich vorweg: "Die Kooperation Wiens ist ein wichtiger Teil der gesamtösterreichischen Strategie, Wissen auszutauschen und zu globalisieren. In diesem Sinne dient die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg auch als Katalysator etwa für Niederösterreich oder die Universitäten, die ja in Österreich im Gegensatz zu Deutschland Bundessache sind." Die Vorreiterrolle Wiens etwa im Bereich Biotechnologie erkennend, so Consemüller, habe der Rat für Forschung und Technologieentwicklung bereits mehr als 70 Mio. Euro in die Förderung der Biotechnologie in der Vienna Region investiert.

Dr. Bernd Rießland: "Die Erschließung von Forschungsmitteln aus den großzügigen EU-Budgets, vor allem im Bereich der Life Science, ist nach dem 6. Rahmenprogramm nur in Kooperation mit mehreren Regionen aus dem EU-Bereich umzusetzen. Die Kooperation mit NRW ist ein wesentlicher Baustein dafür, den österreichischen Anteil an diesen Mitteln entsprechend unserer wissenschaftlichen Potenz zu maximieren."

NRW: ähnliche wirtschaftspolitische Ziele wie in Wien

Bei allen Gegensätzen der Dimensionen, NRW ist mit 18 Mio. Einwohnern das größte Bundesland der Bundesrepublik, ähneln sich die grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Zielsetzungen: Schwerpunkt der Aufgabe der öffentlichen Hand ist der langfristige Invest-Bereich, also Ausbildung, Infrastruktur und Technologieentwicklung. Schwerpunkt des privaten Sektors ist natürlich die effiziente wirtschaftliche Umsetzung und Ertragsoptimierung.

Dabei ergeben sich beispielweise folgende Aktionsfelder an der Schnittstelle zwischen "öffentlich" und "privat":

o Keine Abwanderung von Spitzenkräften.
o Wirtschaftliche Verwertung von Patenten.
o Kooperation Klein- und Mittelbetriebe und Hochschulen.

Das 6. Forschungsrahmenprogramm der EU

Dafür stehen von Herbst 2002 bis 2006 insgesamt 17,5 Mrd. Euro zur Verfügung. Voraussetzung für die Lukrierung der Mittel ist die Zusammenarbeit von drei EU-Regionen mit dem Ziel, die "Zersplitterung" der europäischen Forschungstätigkeit zu reduzieren. Die administrative Abwicklung wird, abweichend vom 5. Rahmenprogramm, dezentral effizienten Forschungsgruppen übergeben, die nach Qualität ausgewählt werden. Dementsprechend ist die Kooperation mit Partnern wie NRW so wichtig, um bei der Steuerung der Vergabe der Forschungsmittel maßgeblich beteiligt zu sein.

Ein weiterer Partner Wiens im 6. Forschungsrahmenprogramm wird u.a. Berlin sein.

Energiewirtschaft und alternative Energieformen

Auch NRW hat in der Energieerzeugung einen traditionellen Schwerpunkt bei kalorischen Kraftwerken, wobei man im Gegensatz zu Wien vor allem auf die im Land vorhandene Braunkohle setzt. So liefern in NRW vier Braunkohlekraftwerke 18 Prozent der gesamten deutschen Stromproduktion.

Gleichzeitig hat sich NRW als Vorreiter bei der Erforschung und Entwicklung alternativer Energieformen etabliert. Hier wird es zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Wien und NRW kommen.

Nano-Mikrotechnologiebereich

Zu den technologischen Schwerpunkten sowohl Wiens als auch NRWs zählt die sogenannte Nano- bzw. Mikrotechnologie. Hier geht es vor allem um die Materialverarbeitung und Werkstoffentwicklung in winzigsten Bereichen. Dieser Technik kommt beispielsweise im automobilen Sektor besondere Bedeutung zu. Eines der international bedeutendsten wissenschaftlichen Zentren in diesem High-Tech-Bereich ist die Technische Universität Wien. (Schluss) mmr/nk

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