Alpen in Not!

Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde präsentieren Forderungspaket zum Internationalen Jahr der Berge 2002

Wien (OTS) - Das Jahr 2002 wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der Berge und zum Jahr des Ökotourismus ausgerufen. In zahlreichen Staaten sind bereits umfangreiche Informations- und Diskussionsprogramme angelaufen. Die Berge bedecken ein Fünftel der Erdoberfläche und sind Lebensraum für etwa ein Zehntel der Menschheit. In Österreich zählen knapp zwei Drittel der Staatsfläche zum Alpenraum, in welchem gut 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben.

Alle diese verschiedenen Bergregionen der Erde haben ihre ganz charakteristischen Eigenschaften und Probleme: In Osteuropa und Zentralasien geht es in erster Linie darum, den Grundbesitz gesetzlich zu sichern; in Lateinamerika ist niemand in der Lage, die Anwendung bestehender Gesetze im Berggebiet auch zu überwachen; in Europa macht man sich ganz abgesehen von den ungelösten Problemen der Über- und Unternutzung große Sorgen, wie lange etwa das System der Ausgleichszahlungen Bestand haben wird. Diese Fragen werden regionsspezifisch nicht nur in Österreich, sondern weit darüber hinaus auch in anderen Staaten mit unterschiedlicher Intensität diskutiert.

Alle Berggebiete haben als gemeinsame Klammer die anerkannte Besonderheit, dass sie sensible Ökosysteme mit Frühwarnfunktion darstellen, die Wasservorräte des Planeten sichern und eine große biologische Vielfalt und ein beachtliches kulturelles Erbe aufweisen. Darüber hinaus sind sie Lebens- und Erholungsraum für Millionen Menschen, die durch ungezügelte Entwicklung und Zerstörung der schutzgebenden Waldgebiete in ihrer Funktion für den Menschen bedroht sind.

Der Umweltdachverband und seine Mitgliedsorganisationen setzen im Internationalen Jahr der Berge auf Bewusstseinsbildung, handfeste Projekte und die Einleitung von Programmen zur Sicherung des Berggebietes für die nächsten Generationen.

10 PUNKTE-FORDERUNGSPAKET

1.Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde fordern im Bewusstsein der dringenden aktuellen Notwendigkeit die rasche Umsetzung der Alpenkonvention als Zukunftsvertrag für den Alpenraum und seine Bevölkerung.
2.Die österreichische Bundesregierung, Nationalrat und Bundesrat mögen unverzüglich die für den Beginn des Internationalen Jahres der Berge 2002 angesetzte Ratifizierung der 9 Ausführungsprotokolle der Alpenkonvention beschließen.
3.Noch im Jahr 2002 ist von der Bundesregierung ein mit den Ländern akkordiertes Umsetzungspaket mit einem Zeitplan und einer Prioritätenreihung der Maßnahmen vorzulegen. Für die Umsetzung ist auch entsprechende budgetäre Vorsorge zu treffen.
4.Alle Gebietskörperschaften unterstützen die Bewerbung der Landeshauptstadt Innsbruck um den internationalen Sitz des Ständigen Sekretariates der Alpenkonvention als Drehscheibe der Alpenpolitik.
5.Im Internationalen Jahr der Berge 2002 wird der Anstoß für die Ausarbeitung eines Masterplanes Alpenraum zur Rolle der Alpen im Rahmen der künftigen Raumentwicklung in Österreich und der EU gegeben.
6.Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde fordern einen Stopp des alpenweiten skitouristischen Wettrüstens, die Einhaltung des absoluten Gletscherschutzes, den Schutz aller bisher noch unerschlossenen Gletscher vor weiteren technischen Erschließungen, die Unantastbarkeit von Schutzgebieten und die Festlegung von Endausbaugrenzen der Skigebiete. Das aus dem Jahr 1978 datierende Österreichische Seilbahnkonzept ist bis Herbst 2002 den geänderten Rahmenbedingungen durch die gebietsweise Überbelastung des alpinen Raumes, durch Siedlungsdruck, Verkehr, usw. anzupassen (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie).
7.Als Gegensteuerung zur laufenden Ausdünnung des ländlichen Raumes in Österreichs Bergen fordern Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde die Einführung von wirtschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen (z.B. Landschaftsverbrauchsabgabe), die Förderung des Ökotourismus und die Erhaltung der Kulturlandschaft. Dem Schutz der Schönheit unserer Kultur- und Naturlandschaften muss künftig ein wesentlich höherer Stellenwert eingeräumt werden. Landschaftsschutz ist auch "Erholungs-Vorsorge". Dafür braucht es neue und vertiefte Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, Tourismus- und Freizeitwirtschaft als Partner, die einander gegenseitig brauchen. Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde fordern daher ausreichende Mittel in einem zu
schaffenden "Landschaftsfonds Österreich", der solche langfristigen Partnerschaften erst ermöglicht und etwa den Verzicht auf Erschließungen ausgleicht und Vertragsnatur- und Kulturlandschaftsschutz finanziert.
8.Im Internationalen Jahr der Berge 2002 muss ein Fortschritt im Kampf gegen die Transitlawine in den alpinen Transittälern Österreichs erreicht werden. Schon gar nicht können Rückschritte gegenüber bestehenden Regelungen (Protokoll Nr. 9 EG-Beitrittsvertrag) hingenommen werden. Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde fordern die Einhaltung der bestehenden Regelungen, eine Neufassung der Wegekostenrichtlinie unter Einbeziehung sämtlicher externer Kosten sowie weiterhin eine mengenmäßige Begrenzung der LKW-Transitfahrten. Das Prinzip der Kostenwahrheit im Verkehr muss endlich zur Anwendung gelangen. 9.Kein Ausverkauf des Wassers! Der absolute Schutz strategischer Wasserressourcen muss im neuen Wasserrechtsgesetz verankert werden.
10.Keine weitere Privatisierung des Staatswaldes - die ökologische und wirtschaftliche Substanz des Staatswaldes darf nicht geschmälert werden. Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde verlangen eine Selbstbindung der Republik, die republikseigenen Berggebiete oberhalb der Waldgrenze unter Schutz zu stellen und keine weiteren touristischen Erschließungen mehr zuzulassen.

KONKRETE FORDERUNGEN AN DIE BUNDESLÄNDER

Von allen österreichischen Bundesländern verlangen Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde im Jahr der Berge den Startschuss für die Umsetzung der Alpenkonvention jeweils im eigenen Wirkungsbereich, pro Bundesland die Einrichtung einer Alpenkonventions-Modellregion und die Unterstützung des Gemeinde-Netzwerkes "Allianz in den Alpen" zur Umsetzung der Alpenkonvention auf kommunaler Ebene. Im Hinblick auf die Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union zur Etablierung des Schutzgebiets-Netzwerkes Natura 2000 müssen die Bundesländer mit Anteil an der alpinen biogeographischen Region (alle außer Wien und Burgenland) im Jahr der Berge die Ausarbeitung von Management- und Umsetzungsplänen für die Natura 2000-Gebiete einleiten.

Darüber hinaus fordern Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde folgende konkrete Maßnahmen und Entscheidungen:

  • Wien und Niederösterreich: Grundsatzentscheidung für einen bundesländerübergreifenden Schutz des Wienerwaldes.
  • Steiermark: Beschlussfassung eines Nationalpark-Gesetzes durch den Steiermärkischen Landtag, eines Par.15a-Staatsvertrages zwischen der Republik und dem Land Steiermark und Einrichtung des Nationalparks Gesäuse.
  • Kärnten und Salzburg: Nein zur Erweiterung des Mölltaler Gletscherskigebietes durch den Nationalpark Hohe Tauern.
  • Oberösterreich: Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen im Bereich der Haller Mauern und des Warschenecks; Ausarbeitung eines Managementplanes für das UNESCO-Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut und Aufbau eines ökotouristischen Führungs- und Betreuungsprogrammes.
  • Tirol: Erstellung eines Alpenplans Tirol (Masterplan für die künftige Raumentwicklung in den Bereichen Verkehr-Tourismus-Siedlungspolitik); Einrichtung eines Nationalparks Lechtal.
  • Vorarlberg: Erstellung eines zukunftsorientierten Mobilitätskonzeptes Rheintal ohne S 18 und Letzetunnel/Feldkirch; zukunftsorientierter Abschluss der Bregenzerwaldstudie "Raumkultur und Tourismus".

Ein eigener Internet-Schwerpunkt zum "Jahr der Berge" wurde eingerichtet. Siehe dazu auch: Jahr der Berge 2002 -http://www.umweltdachverband.at

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband
Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 40 113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
http://www.umweltdachverband.at

Oesterreichischer Alpenverein (OeAV)
Mag. Peter Haßlacher
Leiter der Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz
Tel. 0512/59 547/27 od. 0664/3084654
peter.hasslacher@alpenverein.at
http://www.alpenverein.at

Naturfreunde Österreich (NFÖ)
Reinhard Dayer, Bundesgeschäftsführer
Tel. 892 35 34/29
reinhard.dayer@naturfreunde.at
http://www.naturfreunde.at

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