SCHÜSSEL: LUDWIG STEINER WAR IMMER EHER EIN MANN FÜRS HEIKLE

Feierstunde zum 80. Geburtstag von Ludwig Steiner im Parlament

Wien, 7. März 2002 (ÖVP-PK) "Ludwig Steiner war immer eher ein Mann fürs Heikle, - dort, wo Fingerspitzengefühl, Diplomatie, Geduld, Zielstrebigkeit und Zähigkeit gefragt waren, aber auch ein Höchstmaß an persönlicher Vertrauenswürdigkeit vonnöten sind." Mit diesen Worten würdigte gestern, Mittwoch Abend, Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel den Botschafter Dr. Ludwig Steiner anlässlich dessen 80. Geburtstags am 14. April bei einer Feierstunde im Parlament. Als Schüssel den Botschafter vor 15 Monaten fragte, ob er Vorsitzender des Komitees des österreichischen Versöhnungsfonds für Zwangs- und Sklavenarbeiter des NS-Regimes werden wolle, habe dieser ohne langes Zögern zugestimmte. "Glücklich ist, wer in einer solchen Situation einen Ludwig Steiner fragen und ersuchen kann, diese Aufgabe zu übernehmen", so der Bundeskanzler weiter, der dem Jubilar als Geschenk drei Kupferstiche aus Wien überreichte. ****

Schüssel ging in seiner Laudatio auf den Werdegang des Botschafters, der 1941 zur Wehrmacht einberufen und 1943 schwer verwundet wurde, ein und erinnerte, dass Steiner als 23jähriger diese Republik mit aus den Trümmern gehoben habe. In den Kriegsjahren schloss er sich einer Tiroler Widerstandsgruppe an, die es zustande brachte, im Frühjahr 1945 das deutsche Oberkommando auf der Innsbrucker Hungerburg außer Gefecht zu setzen und in Tirol eine provisorische Landesregierung zu etablieren. Schüssel: "Auf diese Weise wurde ein weiteres Bombardement von Innsbruck vermieden und viele Menschenleben gerettet". Aufgabe Ludwig Steiners war es dann, am Zierler Berg Verbindung mit der heranrückenden amerikanischen Armee aufzunehmen und ihr glaubwürdig klarzumachen, dass sie ohne weitere Kampfhandlungen Tirol und Innsbruck besetzen konnte.

Steiner war Diplomat, Sekretär von Bundeskanzler Julius Raab, und in dieser Funktion auch Mitglied der Regierungsdelegation bei den abschließenden Staatsvertragsverhandlungen in Moskau im April 1955. Er hat die berühmten und historischen Worte von Julius Raab über den endgültigen Verhandlungserfolg "Österreich wird frei! Wir bekommen unseren Heimatboden in seiner Gänze zurück..." geschrieben, so Schüssel, der darauf verwies, dass Ludwig Steiner der letzte lebende Zeuge der Staatsvertrag-Verhandlungen sei.

1958 bis 1961 war Steiner Leiter der Gesandtschaft in Sofia, 1961 übernahm er unter der Regierung Gorbach das Amt des Staatssekretärs im Außenministerium, das damals von Bruno Kreisky geleitet wurde. Ende 1964 ging er nach Athen, wo er fast acht Jahre lang Botschafter in Griechenland und Zypern war. Auch Athen erwies sich sehr bald als sehr heikler und schwieriger Posten, denn 1967 wurde durch den Putsch der Generäle eine Militärdiktatur errichtet. "Mit den Erfahrungen des Widerstandskämpfers und mit dem Mut des unbeugsamen Demokraten hat Ludwig Steiner - heimlich und vom Militärregime nicht durchschaut -viel Humanitäres für politisch Verfolgte und deren Angehörige getan", so der Bundeskanzler.

Es folgten Jahre als Leiter der politischen Sektion und stellvertretender Generalsekretär im Außenministerium. Gleichzeitig war Ludwig Steiner Vorsitzender der gemischten Kommission Österreichs mit den kommunistischen Staaten Osteuropas. Von 1978 bis 1990 war Ludwig Steiner Abgeordneter zum Nationalrat und Außenpolitischer Sprecher der ÖVP - "ein Abgeordneter, der jederzeit in der Lage war, in freier Rede ans Pult zu treten und Substantielles in der richtigen Art und Weise zu sagen", so Schüssel.

Zur gleichen Zeit war er auch Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und Vorsitzender ihrer politischen Kommission. 1980 bis 1987 war er Berichterstatter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates für die Türkei während der Militärdiktatur. "In dieser Zeit besuchte er Polizeistationen und Gefängnisse und hat mit klaren und deutlichen Worten die Menschenrechtsverletzungen angesprochen", so Schüssel in seiner Laudatio. Im Europarat war Ludwig Steiner auch der Architekt der Konvention für ethnische Minderheiten.

Ludwig Seiner habe sich zeitlebens den Respekt von allen Seiten erworben, auch jenen seiner Gegner und Widersacher. Besonders augenfällig sei dieser allseitige Respekt im Hohen Haus geworden, als Ludwig Steiner den Vorsitz sowohl im Lucona- als auch im Noricum-Ausschuss führte. "Als er als Lucona-Ausschuss-Vorsitzender im Plenum ans Rednerpult ging, brauste Applaus von allen Fraktionen auf, um ihm Respekt für die Vorsitzführung zu bekunden", erinnerte Schüssel.

Der Jubilar Ludwig Steiner dankte in der Feierstunde den anwesenden Gratulanten für die "bewegende Feier und die bewegenden Worte". Solche Ehrungen brächten ihm einerseits Zweifel, andererseits müsse er dem Laudator Recht geben. Es sei jedenfalls ein unglaubliches Erlebnis, dass man 50 Jahre Südtirol-Politik erleben könne und dabei auch noch zu einem Ziel komme, so Steiner abschließend.
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