"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Kultur oder Würstelstand?

Ausgabe vom 07.03.2002

Kurzer Auszug aus dem riesigen Aufgabenkatalog der Kulturabteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung: Wissenschaftsförderung, Brauchtums- und Heimatpflege, Belange des Landeskonservatoriums und Landesmusikschulwerkes sowie der slowenischen Volksgruppe, Konzert-, Theater- und Landesausstellungswesen. Die Aufgabengebiete sind, wie aus den paar Beispielen ersichtlich, gleichermaßen wichtig wie komplex. Umso erstaunlicher, dass der zuständige politische Referent, Jörg Haider, wenig Interesse zu hegen scheint, seine Abteilung effektiv arbeiten zu lassen.

Unter Haider ist die Kulturabteilung, einst Aushängeschild des geistigen Kärnten, regelrecht geborsten. Seit zwei Jahren macht sich in der Chefetage ein Tohuwabohu skurriler Dimension breit. Selbst Insider hatten ihre liebe Not, korrekt auf die Frage zu antworten, wer sich im Augenblick an der Spitze befinde.

Erinnerungshilfe. Ende Juni 1999 schied - frustriert - Gerhard Baumann als Abteilungsvorstand aus. Ihm folgte Helga Luschin, deren Verbleib kein langer war (Frust da capo). Als Nächster saß Peter Karpf im Abteilungsleiterkarussell. Er wich ebenfalls der zentrifugalen Kraft, wurde von Walter Maria Stojan abgelöst. Die Stojan-Festspiele liefen nach ca. zehn Netto-Arbeitstagen - und zur Blamage Haiders - aus. Worauf Franz Arnold die wackelige Bühne betrat. Der als korrekt und gewissenhaft beschriebene Spitzenbeamte brachte Konsolidierung zustande. Am Dienstag sollte - via maßgeschneiderte Objektivierung? - Haiders Sekretärin Erika Napetschnig zur Leiterin bestellt werden. SP und VP schoben dem Ansinnen allerdings einen Riegel vor. Somit ist die Abteilung in der Ära "Arnold II" angesiedelt. Endlich zielorientierte Arbeitsverhältnisse? Mitnichten! Haider beabsichtigt, den Beschluss zu boykottieren, kündigte an, seine Kandidatin auf Teufel komm’ raus durchzuboxen.

Sechs Chefs seit 1999: Blankes Wirrwarr! Unter Vorgabe ähnlich hurtiger Besetzungspolitik käme nicht einmal ein Würstelstand unbeschadet über die Runden. Der kulturchefliche Staffettenlauf vermischt sich noch dazu mit panischer Flucht nachgereihter Mitarbeiter. Über den Schreibtischen Verbliebener wallen Schwaden der Kümmernis. Ungewissheit nagt an Motivation. Wer weiß schon, was etwa der Leiter der Landesgalerie tut? Welchen Status genießt er?

Dass sich SP und VP gegen die Bestellung von Napetschnig gestemmt haben, ist - neben Qualifikationsgründen - ein erfrischendes personalpolitisches Signal. Der energische Schritt Ambrozys & Co. lässt jedenfalls erkennen: LH Haiders Einfluss und Macht über Landesbeamte wächst nicht (mehr) ins Uferlose.

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