Wilhelminenberg-Gespräche 2002 grosser Erfolg

Neues Gewährleistungsrecht auf dem Prüfstand

Wien (OTS) Stolze 200 Teilnehmer, davon die Hälfte Unternehmer, informierten sich heute bei den traditionellen Wilhelminenberg-Gesprächen über das neue Gewährleistungsrecht. Unter dem Titel "Das neue Gewährleistungsrecht in Theorie und Praxis" beleuchteten insgesamt neun hochkarätige Experten diese Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln und widmeten sich dabei hauptsächlich den Fragestellungen, die sich aus der Sicht des Unternehmers ergeben.*****

Konsumentenschutzminister Dieter Böhmdorfer freute sich über die zunehmende Akzeptanz dieser Veranstaltung. Das neue Gewährleistungsrecht sei, so Böhmdorfer, "ein Meilenstein der Gesetzgebungsperiode, eine Novelle mit einer wichtigen und großen Tragweite." Böhmdorfer dankte der Wirtschaft, dass die Umstellung auf die neue Gesetzeslage nicht fundamental bekämpft, sondern mit Zurückhaltung aufgenommen wurde. Es gäbe zwei Wege, den des Crashes und den des Miteinanders. "Wir", so Böhmdorfer, "suchen den Weg des Miteinanders - im Interesse der Konsumenten aber auch der Wirtschaft." Diese Tagung sollte dahingehend ein Zeichen setzen.

Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz hat gezeigt, dass der Informationsbedarf in Bezug auf das neue Gewährleistungsrecht sowohl auf Verbraucher- als auch auf Unternehmerebene erheblich ist. Dies bestätigte Dr. Peter Kolba vom Verein für Konsumenteninformation in seinem Vortrag über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Verein habe überprüft, ob und inwieweit die neue Rechtslage in der Praxis Anwendung findet. "Die Ergebnisse zeigen", so Kolba, "dass die meisten Unternehmen, nämlich 60 %, zwar auf die neue Rechtslage reagiert haben, die wenigsten allerdings gesetzeskonform." Ein Beispiel: Erst vor kurzem wurden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Computerhändlers abgemahnt, die über 50 Klauseln beinhalteten, davon alleine rund 20 Verstösse gegen das geltende Gewährleistungsrecht. "Hier ist Aufklärung und Handlungsbedarf gefragt", so Dr. Kolba.

"Kundenfreundliche Reklamationsbehandlung lohnt sich", meint auch Kommunikationsberater Mag. Wolfgang Gruber. Die Unternehmen müssten den Kunden nicht mehr vertragsrechtlich, sondern endlich als Partner ansehen, so Gruber, und alles tun, um diesen Partner zufriedenzustellen. "Es ist die Pflicht des Unternehmers, das Thema Gewährleistung zur Sprache zu bringen und die Grosszügigkeit so zu forcieren, sodass es als Investition gesehen wird", betont Gruber. Dies sei nur dadurch möglich, auf den Kunden einzugehen, ihn zu ermutigen, ihn über die Erwartungen hinaus zufriedenzustellen und in punkto Reklamation zu überraschen.

Mit besonderer Spannung wird der Vortrag der geladenen Experten von drei renommierten österreichischen Unternehmen (TUI, H&M, Philipps) heute Nachmittag erwartet. Sie berichten über erste praktische Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Gewährleistungsrecht und präsentieren vielversprechende Marketingstrategien.

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Pressereferentin Konsumentenschutz
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