"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Humanität hat kein Mascherl

Ausgabe vom 06.03.2002

Anders als degoutant kann man die Attitüde des Landeschefs nicht nennen, der mit leidenden Kindern im Irak politisch Kapital zu schlagen versucht. Was man vom "humanitären" Einsatz des Herrn Haider zu halten hat, zeigt - wie berichtet - seine menschenverachtende Ignoranz gegenüber Entwicklungsprojekten, die von hoch qualifizierten, engagierten Kärntnerinnen und Kärntnern betreut werden.

Man muss sich einmal die Situation von erfahrenen Helferinnen und Helfern vorstellen, deren Projekte im entwicklungspolitischen Beirat des Landes seit Ewigkeiten fix und fertig vorliegen, denen aber der Landeshauptmann seit etwa einem Jahr einfach kein Gehör schenkt. Die Zeit drängte bereits im September. In Bolivien warteten Not leidende Menschen auf Geld für ein Saatgutprojekt - doch vergeblich. Die Saatzeit verstrich, denn Humanität hatte da für Haider wohl das falsche Mascherl. Die Kirche setzt sich massiv ein, Landespolitiker machen mobil. Doch dem Selbstinszenierer ist das nicht einmal ein Achselzucken wert.

Was ihn geritten hat, als er in den Irak reiste, weiß niemand so genau. Doch die Empörung sollte weniger dem Handshake mit Saddam Hussein gelten, auch wenn dessen Zweck keiner auch nur im Mindesten nachvollziehen kann. Die Empörung sollte einer heuchlerischen Ausbeutung des Leidens von Menschen unter dem Deckmantel von Humanität gelten. Die Frage ist weniger, wo Haider Menschlichkeit gezeigt als wo er sie unterlassen hat. Heute wird sich zeigen, ob der Untersuchungsausschuss Licht in diese unwürdige Farce bringen kann.

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