Wiener Erfindung: Weiden und Pappeln gegen Schwermetalle

Wien, (OTS) Weiden und Pappeln sollen in Zukunft helfen, Schwermetalle aus dem Boden zu ziehen und damit die Reinigung von oberflächigen Bodenbelastungen zu erreichen. Eine entsprechende Wiener Erfindung wurde am Dienstag in einem Pressegespräch von Umweltstadträtin DI Isabella Kossina gemeinsam mit Ing. Marion Jaros (Wiener Umweltanwaltschaft), Univ.-Prof. Dr. Walter Wenzel (Universität für Bodenkultur) und Mag. Andreas Geisler (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur) präsentiert. Das gemeinsam initiierte und entwickelte Projekt, das nun von der Umweltanwaltschaft gemeinsam mit der Universität zur Patentierung gebracht wurde, soll in einem weiteren auf drei Jahre angesetzten Entwicklungsschritt zur Marktreife entwickelt und damit auch international vermarktbar werden. Stadträtin Isabella Kossina betonte, dass diese Methode im Bereich des Schutzes und der Prävention der Umwelt geeignet sein könne, vor allem dort, wo der Oberboden nur mäßig belastet sei. Es sei an den Einsatz für niedrigbelastete Böden z.B. in der Landwirtschaft und auch als Präventivmaßnahme entlang von Autobahnen gedacht. Ansonsten werde Wien auch weiterhin gezielte High-Tech-Maßnahmen zur Bodensanierung treffen, allein in den kommenden Jahren sei dafür ein Betrag in der Höhe von mehr als 70 Millionen EUR vorgesehen. Die nun entwickelte Methode eigne sich aber auch sehr gut für die EU-Beitrittsländer, in denen keine ausreichenden Mittel für großflächige Sanierungen vorhanden seien.****

Das von der Wiener Umweltanwaltschaft initiierte Forschungsprojekt wurde in Kooperation mit den Magistratsabteilungen 22, 45 und 48 aus der Geschäftsgruppe Umwelt, dem Wissenschaftsministerium und der Universität für Bodenkultur durch bisher drei Jahre entwickelt und stellt ein neues Verfahren im Bereich der pflanzengestützten Bodenreinigung (Phytosanierung) dar.

Das beauftragte Forscherteam um Prof. Walter Wenzel vom BOKU-Institut für Bodenforschung entdeckte dabei auf Altlastenflächen besondere Weiden und Pappeln. Diese haben - in Anpassung an ihren verschmutzten Standort - die Fähigkeit entwickelt, die giftigen Schwermetalle Cadmium, Blei und Zink wie ein Schwamm aus dem Boden zu zeihen und im Laub zu speichern. Derart effiziente "Schwermetallfresser", die beispielsweise die 700fache Menge an Cadmium gegenüber normalen Pflanzen aufnehmen, wurden unter den Baumpflanzen bisher noch nirgends auf der Welt entdeckt.

Topfversuche im Freiland haben gezeigt, dass sich Stecklinge dieser Bäume zur Reinigung eines breiten Spektrums unterschiedlicher Böden eignen. Gleichzeitig wurde im Rahmen des Projektes eine neue Verfahrensidee entwickelt und von der Stadt Wien zum Patent angemeldet. Dazu bringt man zuerst eine dünne Tonschicht auf dem verunreinigten Gelände auf, pflanzt anschließend die Stecklinge in das verschmutzte Erdreich und überlässt das System dann quasi für mehrere Jahre sich selbst. Das im Herbst fallende Laub verrottet auf der Tonschicht, und die dabei frei werdenden Schwermetalle werden erfolgreich vom Ton gebunden. Am Ende des Sanierungszeitraums werden Laub- und Tonschicht entfernt. Das Restlaub kann verbrannt werden, aus der Tonschicht lassen sich die Schwermetalle wiedergewinnen. Die Bäume können gefällt und das Holz relativ vielseitig genutzt werden, denn es ist im Gegensatz zum Laub schwermetallarm. Nebenbei ist das Verfahren wesentlich kostengünstiger als herkömmliche Verfahren der Bodensanierung. "Es wird sich vor allem für die Reinigung oberflächennaher Bodenverschmutzungen eignen", stellte Dipl.-Ing. Marion Jaros von der Wiener Umweltanwaltschaft als Initiatorin dieses vielversprechenden Kooperationsprojektes fest. (Schluss) red/rr

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