Warum Randa Opfer seines eigenen Deals werden könnte von Christian Höller

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Es überrascht, wie schnell die HypoVereinsbank in Österreich den Ton angeben will. Nur eineinhalb Jahre nach der Bank Austria-Übernahme proben die Münchner den Zugriff auf Wien. Nach den Vorgaben von HVB-Boss Albrecht Schmidt soll es künftig eine sechsköpfige Managementholding geben, die für den gesamten Konzern verantwortlich ist. Erst darunter sind die einzelnen Bereiche und Tochterbanken angesiedelt. Kein Wunder, dass Bank Austria-Betriebsratschefin Hedwig Fuhrmann gegen die Teilentmachtung auf die Barrikaden steigt. "Wäre uns im Jahr 2000 bekannt gewesen, dass München diese Struktur verabschiedet, hätten wir der Fusion niemals zugestimmt",
sagt Fuhrmann.

Eine Lösung des Konflikts, bei dem es um das Fundament der Bank Austria geht, ist nicht in Sicht. Denn in München wird eine Sonderlösung für Österreich kategorisch ausgeschlossen, was aus Shareholder Value-Sicht verständlich ist. Kein internationaler Grosskonzern kann es sich leisten, dass unabhängige Töchter nebeneinander arbeiten, ohne Synergien zu nutzen. Damit der Kurs der HVB-Aktie nicht weiter fällt, muss Schmidt Führungsstärke beweisen. Die über HVB-Interna gut informierte deutsche Tageszeitung "Welt" hält einen Rücktritt von Bank Austria-Boss Gerhard Randa für möglich. "Randa hat die neue Konzernstruktur mitbeschlossen. Er muss für die Umsetzung in Österreich sorgen und seinen Laden in Ordnung halten", heisst es. In den vergangenen Wochen schickte Schmidt schon zwei HVB-Vorstände ins Nirwana. Dass ausgerechnet Randa ein Opfer des Turbokapitalismus werden könnte, ist pikant. Schliesslich hat sich der mächtigste Wirtschaftsboss Österreichs von vielen Managern verabschiedet, weil sie sich nicht an seine Vorgaben hielten. Widerstand war meist zwecklos. Einst protestierten tausende CA-Mitarbeiter gegen die drohende "Beherrschung durch die Bank Austria". Auf knallroten Zetteln war die Forderung nach Eigenständigkeit zu lesen. Doch es half nichts. Im August 2002 wird die als "monetäre Visitenkarte Österreichs" titulierte CA endgültig in die Mutter hineinfusioniert. Jetzt holt die Bank Austria das CA-Schicksal ein. Vielleicht hat Randa den HVB-Deal, den er seinen Aktionären als "Traumhochzeit" verkauft hatte, schon insgeheim bereut. (Schluss) hoe

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