OeNB - Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im Jahr 2001

Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der

Wien (OTS) - Quartalsberichtsmeldung Dezember 2001. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst. Das Datenmaterial beruht auf vorläufigen Zahlen der Gewinn- und Verlustrechung. Nach Beendigung der Jahresabschlussprüfung werden im Zuge des 5. Quartalsberichtes definitive Jahresabschlusswerte an die Oesterreichische Nationalbank übermittelt.

  • Steigerung des Betriebsergebnisses um +1,3% auf 4,58 Mrd EUR
  • Erwarteter Jahresüberschuss erhöht sich um +15,7%
  • Nettozinsertrag und Wertpapiererträge positiv, während Provisionserträge rückläufig
  • Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich kräftig nach oben korrigiert
  • Veräußerungsgewinne bei Wertpapieren, Aktien und Beteiligungen stark angestiegen

Im Jahr 2001 betrug das vorläufige Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute 4,58 Mrd EUR und lag mit +1,3% über dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Nachdem zu den ersten drei Berichtsterminen im Jahr 2001 von den Kreditinstituten
jeweils ein rückläufiges Betriebsergebnis gemeldet wurde, konnte im vierten Quartal doch noch eine positive Wende festgestellt werden. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur Bilanzsumme betrug
zum Berichtstermin 0,81% und blieb gegenüber der
Vergleichsperiode 2000 nahezu unverändert.

Im Jahr 2001 meldeten die Kreditinstitute eine Steigerung der Betriebserträge von +0,53 Mrd EUR bzw. +3,9% auf 14,05 Mrd EUR.
Die Betriebsaufwendungen stiegen mit +0,47 Mrd EUR bzw. +5,2% auf 9,48 Mrd EUR betragsmäßig etwas geringer an. Dennoch verschlechterte sich die cost-income-ratio gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 0,8%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 67,4%(für eine Ertragseinheit benötigt man
0,67 Mitteleinsatz). Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme erhöhten sich sowohl die Betriebserträge als auch die Betriebsaufwendungen geringfügig.

Der Nettozinsertrag betrug zum Berichtszeitpunkt 7,09 Mrd EUR
und lag mit +5,2% klar über dem Wert der Vergleichsperiode 2000. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen konnte im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden und belief sich
im Jahr 2001 auf 50,4% (Vergleichsperiode 2000: 49,8%). Nachdem
die Relation Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme
in den letzten Jahren stets rückläufig war, konnte sie im Jahr 2001 leicht gesteigert werden und lag bei 1,26% (Jahr 2000:
1,22%).

Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge betrugen 26,81 Mrd EUR
und lagen um -2,5% unter dem Vergleichswert 2000. Gleichzeitig verringerten sich die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen mit -5,0% deutlich stärker. Somit konnte sich der Nettozinsertrag im Jahr 2001 positiv entwickeln. Als Hauptgründe dafür können insbesondere die günstige Refinanzierungsmöglichkeit der Kreditinstitute durch die stark gesunkenen Geldmarktsätze, aber auch Verbesserungen bei Kundenmargen angeführt werden.

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft beliefen sich auf 1,96 Mrd EUR und lagen um +7,8% höher als in
der Vergleichsperiode des Jahres 2000. Dabei konnten in allen Bereichen des Wertpapier- und Beteiligungsgeschäftes Anstiege erzielt werden. Es erhöhten sich insbesondere die Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen *) sowie die Erträge aus
Aktien und Anteilsrechten und nicht festverzinslichen
Wertpapieren, aber auch die Beteiligungserträge konnten
gesteigert werden.

Wie bereits berichtet, konnten in den letzten zwei Jahren im Bereich der Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen Ertragssteigerungen beobachtet werden, die zum überwiegenden Teil aus Bankverflechtungen stammen, sodass es zu Doppelzählungen kommen konnte. Durch Eingliederungsmaßnahmen im Jahr 2001 kommt es zum Wegfall einiger Doppelzählungen und damit zu geringeren Ertragssteigerungen aus solchen Doppelzählungen als in den vergangenen 2 Jahren.

Nachdem der Saldo aus dem Provisionsgeschäft in den letzten Jahren stets angestiegen war, war im Jahr 2001 wiederum ein Rückgang zu beobachten. Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft belief sich auf 3,06 Mrd EUR und verringerte sich mit -4,4% gegenüber dem Jahr 2000 sichtbar. Hierbei ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten des Provisionsgeschäftes recht unterschiedlich ausgefallen. Zunahmen konnten im Bereich der Provisionserträge aus dem Zahlungsverkehr sowie dem Devisen-, Sorten- und Edelmetallgeschäft erzielt werden. Gerade aber bei
den Provisionserträgen aus dem Wertpapiergeschäft, die in den letzten Jahren so starke Anstiege zu verzeichnen hatten, konnte
ein markanter Rückgang (-0,27 Mrd EUR) beobachtet werden (2000:
+0,54 Mrd EUR). Der hauptverantwortliche Faktor hiefür ist das schwache Marktumfeld auf den Kapitalmärkten, welches das Jahr
2001 geprägt hat und sich sehr deutlich in der Ertragsrechnung
der Kreditinstitute niederschlägt. Das vergangene Jahr hat also gezeigt, dass die vielfach diskutierte gestiegene Bedeutung des Investmentbankings auch eine erhöhte Abhängigkeit von den Trends an den Finanzmärkten und eine höhere Volatilität bei den Ergebnissen mit sich bringt. Die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen betrug im
Jahr 2001 21,8% und sank mit -1,9%-Punkten deutlich gegenüber dem Vergleichswert 2000.

Der positive Saldo aus Finanzgeschäften belief sich auf
0,52 Mrd EUR und verbesserte sich im Jahr 2001 mit einem Plus von +7,0%. Einerseits konnte beim Saldo aus dem Devisen-, Sorten- und Edelmetallgeschäft und beim Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften eine positive Entwicklung beobachtet werden. Andererseits war der Saldo aus Geschäften mit Wertpapieren, die nicht wie
Finanzanlagen bewertet werden und Teil des Handelsbestandes sind rückläufig, dies ist auf Kursrückgänge zurückzuführen. Der Anteil des Handelsergebnisses an den gesamten Betriebserträgen betrug
zum Berichtstermin 3,7% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres geringfügig.

Auf der Aufwandsseite sind die allgemeinen Verwaltungs-aufwendungen mit +5,7% auf einen Stand von 7,83 Mrd EUR stark angestiegen. Im Personalbereich war eine deutliche Steigerung von +4,5% auf 4,68 Mrd EUR zu beobachten. Trotzdem sank die Relation
der Personalaufwendungen zu den gesamten Betriebsaufwendungen im Jahr 2001 - wenn auch nur geringfügig - auf 49,4% (Vergleichsperiode 2000: 49,7%). Auch die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) erhöhten sich im Jahr 2001 kräftig, und zwar um +7,5% auf 3,15 Mrd EUR. Sie tragen mittlerweile schon zu 33,2% (Vergleichsperiode 2000: 32,5%) zu
den gesamten Betriebsaufwendungen bei. Die immer komplexer
werdenden Geschäftsstrukturen und neue Technologien verlangen ständig nach zusätzlichen Investitionen in IT- und Kommunikationsanlagen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 erwarten die in Österreich tätigen Kreditinstitute ein endgültiges Betriebsergebnis von
4,53 Mrd EUR (2000: 4,39 Mrd EUR). Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 2,22 Mrd EUR um +14,2% klar über dem geschätzten Wert der Vergleichsperiode 2000 angesetzt. Der Wertberichtigungsbedarf setzt sich weitgehend aus den erwarteten Wertberichtigungen zu Forderungen an Kunden (2,38 Mrd EUR) sowie
aus den bereits erfolgten Direktabschreibungen von Forderungen
(0,31 Mrd EUR) zusammen. Es hat sich bereits zu den letzten Berichtsterminen abgezeichnet, dass die schwierige konjunkturelle Situation im Inland und Ausland sowie namhafte Konkurse, Ausgleichverfahren und insolvenzgefährdete Unternehmen stark erhöhte Risikovorsorgen für Kredite notwendig machen. So musste der erwartete Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich zum
4. Quartal 2001 gegenüber dem 3. Quartal 2001 noch einmal kräftig nach oben korrigiert werden. Bei Wertpapieren und Beteiligungen werden erneut mehr Wertberichtigungen aufgelöst als gebildet; es wird ein ertragswirksamer Saldo von 0,84 Mrd EUR erwartet,
welcher im Jahr 2001 ertragswirksam wird (2000: 0,42 Mrd EUR).
Wie bereits zu den letzten 2 Berichtsterminen zu beobachten war, sind insbesondere die Veräußerungsgewinne aus Aktivposten 5-8 der Bilanz (+1,07 Mrd EUR) markant angestiegen. Somit steuert der Verkauf von Wertpapieren, Aktien, Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen einen überdurchschnittlich hohen Beitrag zum erwarteten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und in weiterer Folge zum Jahresüberschuss bei. Nach Einbeziehung der Risikokosten und der Bewertungsmaßnahmen ergibt sich ein
erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von
3,15 Mrd EUR. Dies wird gegenüber der Vergleichsperiode 2000 mit +9,7% sichtbar besser eingeschätzt. Für das Jahr 2001 wird per Saldo ein a.o. Aufwand von 0,09 Mrd EUR erwartet (2000:
0,10 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,38 Mrd EUR und werden gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres mit -16,1% deutlich geringer eingeschätzt. Daraus resultierend rechnen die
in Österreich tätigen Kreditinstitute mit einem Jahresüberschuss von 2,69 Mrd EUR welcher mit +15,7% klar über dem Wert der Vergleichsperiode 2000 (2,32 Mrd EUR) liegt. Die Eigenkapitalrentabilität (return on equity = Verhältnis Jahresüberschuss zum Kernkapital) betrug zum Berichtszeitpunkt
9,8% und konnte gegenüber der Vergleichsperiode 2000 mit +0,4%-Punkten leicht gesteigert werden.

ERTRAGSLAGE DER ÖSTERREICHISCHEN KREDITINSTITUTE
1.-4. Quartal 2001

1.-4. Quartal
2001 2000 1999
Mrd % VJ Mrd % VJ Mrd %VJ EUR 1) EUR 1) EUR 1)
1. Zinsen und zinsähnl.

Erträge .............. 26,81 -2,5 27,51 22,9 22,38 -2,6 2. Zinsen u. zinsähnl.

Aufwendungen ......... 19,73 -5,0 20,77 29,1 16,09 -3,2
I. NETTOZINSERTRAG(1.-2.) 7,09 5,2 6,73 7,1 6,29 -0,9
3. Erträge a.Wertpapieren

und Beteiligungen .... 1,96 7,8 1,82 33,9 1,36 -2,0
4. Saldo Ertrag/Aufwand

aus Provisionen ...... 3,06 -4,4 3,20 17,3 2,73 14,0
5. Saldo Ertrag/Aufwand

aus Finanzgeschäften . 0,52 7,0 0,49 13,5 0,43 -35,1 6. Sonst.betriebl.Erträge 1,42 11,0 1,28 0,0 1,28 1,9 II. BETRIEBSERTRÄGE

(I.+3.+4.+5.+6.) ...... 14,05 3,9 13,52 11,9 12,09 0,3
7. Allgemeine Verwaltungs-

aufwendungen ......... 7,83 5,7 7,41 4,4 7,10 4,0 hv. Personalaufwand 4,68 4,5 4,48 1,8 4,40 3,6 hv. Sachaufwand ... 3,15 7,5 2,93 8,5 2,70 4,8
8. Abschreibungen auf

Sachanlagen und
Immaterielle
Vermögensgegenstände . 0,67 2,5 0,65 5,5 0,62 5,8 9. Sonst.betriebliche

Aufwendungen ......... 0,97 3,6 0,94 14,9 0,82 3,7 III.BETRIEBSAUFWENDUNGEN

(7.+8.+9.) ........... 9,48 5,2 9,00 5,4 8,54 4,1
IV BETRIEBSERGEBNIS

(II. - III.) .......... 4,58 1,3 4,52 27,4 3,55 -7,7

QUARTALSWEISE AKTUALISIERTE VORSCHAUWERTE FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR IV. ERWARTETES JAHRES-

BETRIEBSERGEBNIS ..... 4,53 3,1 4,39 26,4 3,48 -9,6 10. Saldo a.Wertberichtig.

auf Forderungen und
Zuführungen zu
Rückstellungen für
Eventualverbindlichkeiten
und für Kreditrisken
gegenüb.d.entsprechenden
Erträgen a.deren Auflösung
(exkl. Wertpapiere) .. 2,22 14,2 1,94 7,5 1,80 -17,5 11. Saldo a.Wertberichtig.

auf Wertpapiere und
Beteiligungen gegenüber
den entsprechenden
Erträgen aus deren
Auflösung ............ -0,84 99,0 -0,42 44,1 -0,29 -39,2 V. ERWARTETES ERGEBNIS d

.gewöhnl.Geschäfts-
tätigkeit
(IV.+/-10.+/-11.) .... 3,15 9,7 2,88 46,3 1,97 -8,2 12. Erwartetes a.oErgebnis

(Ertrag +/Aufwand -) . -0,09 -13,4 -0,10 -529,8 0,02 -111,0 13. Erwartete Steuern von

Einkommen, Ertrag und
sonstige Steuern ..... 0,38 -16,1 0,45 34,4 0,34 10,9 VI. ERWARTETER JAHRESÜBER-

SCHUSS(+)/-FEHLBETRAG(-)
(V.+/-12.-13.) ....... 2,69 15,7 2,32 40,7 1,65 1,5

1) Die Veränderungen wurden mit den Beträgen in Mio EUR errechnet

und anschließend gerundet!

1998/12 1999/12 2000/12 2001/12 Betriebsaufwendungen(Mio EUR) 8.200 8.539 9.004 9.476 Betriebserträge Mio Eur .... 12.045 12.087 13.523 14.053 Cost-Income-Ratio VAE in % . 0,681 0,706 0,666 0,674

1998/12 1999/12 2000/12 2001/12 Jahresüberschuß in Mio Eur . 1.672 1.652 2.324 2.689 Kernkapital in Mio Eur ..... 22.805 23.790 24.652 27.440 Return on equity VAE in % .. 7.134 6,944 9,427 9,800

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