Industrie: Innovation braucht Strategie und neues Durchstarten

IV-GS Fritz: Innovationspolitik muss neu Durchstarten - Finanzierung, "Beste Köpfe" und Bund/Ländervernetzung als Knackpunkte -Vertrauensvorschuss für neuen Innovationsminister - DaimlerChrysler Forschungschef Soboll: Europäische Industrie ist Haupttreiber für EU-Innovationsziel 3 % F & E Quote 2010 - Incentives notwendig -AVL-Geschäftsführer List: Neben Kompetenzzentren stärkeres Gewicht auf Innovationsvorhaben auf Projektbasis

Wien (PdI) Eine innovationspolitische Zwischenbilanz und die Herausforderungen für die nationale und europäische Innovationspolitik waren Themen einer Pressekonferenz anlässlich der Veranstaltung der Industriellenvereinigung "Innovationsstandort Österreich - Konzepte für die Zukunft".

"Um das Ziel der Bundesregierung - Steigerung der die F & E-Quote auf 2,5 Prozent bis 2005 - zu erreichen, müssen zusätzlich mindestens rund 2,9 Mrd. € investiert werden. Der überwiegende Anteil wird von den Unternehmen kommen müssen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn es neben einer deutlichen Verbesserungen der Standortbedingungen weitere Incentives gibt und die Mittel des Offensivprogrammes der Bundesregierung und der Landesinitiativen wirtschaftsnahe ausgegeben werden", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Dkfm. Lorenz Fritz.
Die Innovationspolitik der Bundesregierung muss nochmals bis 2003 durchstarten, wobei vor allem dem neuen Bundesminister für Innovation eine Schlüssel-Rolle zukommt. "Die bisherigen innovationspolitischen Statements geben durchaus Anlass für einen Vertrauensvorschuss -Bundesminister Reichhold ist sich der innovationspolitischen Herausforderung bewusst."

Der IV-Generalsekretär nannte beispielhaft drei Strategiefelder, die sensibel für den Erfolg der österreichischen Innovationspolitik sind:

· Innovationspolitik braucht Vernetzung: Insbesondere bei der Abstimmung der Strategien und Ressourcen zwischen Bundes- und Länderebene aber auch Universitäten/Wissenschaft und Wirtschaft liegt großes Potenzial (Bündnis für Innovation). Beispiel: Stärkung der Innovationsregion Ost gegenüber einzelnen Landesinitiativen.

· Österreich braucht die "Besten Köpfe" für die Innovation: Der naturwissenschaftlich-technische Nachwuchs muss an Schulen und Hochschulen gefördert, die Anwerbung hochqualifizierter Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie von Studierenden für alle forschungstreibenden Institutionen und Unternehmen erleichtert werden. Nur die Verknüpfung von Bildungs- und Forschungsinvestition (beispielsweise FHS-Studienplätze mit Forschungsinitiativen) zeigt Wirkung.

· Innovationsfinanzierung sicherstellen: Ohne Innovationsbudget 2003 und dem Vorziehen einer Folgefinanzierung 2004 bis 2006 wird eine Reihe von Innovationsprojekten nicht umsetzbar sein. Steuerliche Incentives für unternehmensinterne Schulungsmaßnahmen und die Gründung einer österreichischen Nationalstiftung für Forschung und Technologieentwicklung sind umzusetzen.

Klar bekannte sich der IV-Generalsekretär zu einer speziellen "Headquarter-Policy" neben einer Innovationspolitik für Klein- und Mittelunternehmen.

Soboll: Europäische Innovationspolitik notwendig

"Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, Europa bis 2010 zur wettbewerbfähigsten und dynamischsten Wirtschaft zu gestalten, die ihre Kraft durch Wissen und Kreativität schöpft. Die europäische Industrie unterstützt den dazu unterbreiteten Kommissionsvorschlag, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln und sich dabei insbesondere auf die Stärkung von Forschung und Entwicklung in den europäischen Ländern zu konzentrieren. Der Vorschlag sieht vor, bis zum Ende des Jahrzehnts die gesamten F & E-Ausgaben in Europa bezogen auf das Bruttosozialprodukt von 1,7 % auf 3 % zu steigern", betonte Dr. Horst Soboll, Leiter der Forschungspolitik DaimlerChrysler AG und Chairman der Research and Technological Development Working Group der UNICE.

Die europäische Industrie geht dabei davon aus, dass nicht allein das Verhältnis der
F & E-Aufwendungen zum Bruttosozialprodukt der Maßstab ist, sondern dass konkrete Ziele zur Förderung von Innovation in den einzelnen Ländern der Europäischen Gemeinschaft verfolgt werden. Somit muss auch auf europäischer Ebene Innovationspolitik in erster Linie der Unterstützung einer industriellen Wettbewerbsfähigkeit dienen, um das ehrgeizige Innovationsziel zu erreichen. Erst wenn im globalen Vergleich die Rahmenbedingungen für Innovation in Europa attraktiv genug sind, werden die Unternehmen ihre F & E-Aufwendungen wesentlich steigern können.

Als Voraussetzungen nannte Soboll unter anderem:

· Für das europäische Forschungsprogramm müssen die Teilnahmebedingungen deutlich erleichtert werden, z.B. im Hinblick auf Fragen der Haftung oder Übernahme von Managementkosten bei integrierten Projekten.
· Schaffung eines einheitlichen Europäischen Gemeinschaftspatents. · Ausgestaltung des europäischen Beihilferahmens für F & E in der geplanten Neuregelung, damit keine Nachteile für die Unternehmen im globalen Maßstab entstehen.
· Verbesserung der finanziellen und steuerlichen Begünstigung von Unternehmen für Innovationstätigkeit.
· Förderung einer weiteren freien Marktentwicklung, so durch Deregulierung und Privatisierung.
· Weitere Liberalisierung der Arbeitsmärkte.

List: Strategische Innovationsvorhaben auf Projektbasis stärken

Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der AVL List GmbH und Mitglied des European Research Advisory Board, Prof.h.c. DI Helmut List, sieht im Innovationsziel der Bundesregierung (2,5 Prozent F & E Quote), nur eine Zwischenstation: "Immer größere Teile des wirtschaftlichen Lebens werden von Innovation geprägt, daher müssen auch immer mehr Mittel in Innovation und Veränderung investiert werden." Aus Ergebnissen aus Wissenschaft und Forschung, die in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden, entsteht Beschäftigung in nahezu allen Unternehmensbereichen ebenso wie im eigentlichen Bereich der Innovations- und Forschungstätigkeit: "Innovation schafft Beschäftigung".

Helmut List forderte darüber hinaus mehr Flexibilität bei der Finanzierung von Innovation ein: "Neben den wichtigen Investitionen in Strukturen wie Kompetenzzentren, muss noch stärkeres Gewicht auf strategische Innovationsvorhaben auf Projektbasis gelegt werden. Dies dient nicht zuletzt auch der noch wirtschaftsnäheren und vernetzteren Innovationsstrategie".

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