Rieder und Pittermann: Neue Kooperationsformen im Hospizwesen

Umfangreiche finanzielle und medizinische Vorteile für Hospiz-PatientInnen

Wien, (OTS) Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder und Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker präsentierten am Montag gemeinsam neue Kooperationsformen im Hospizwesen. Die Vorteile für Hospiz-PatientInnen liegen in einer massiven finanziellen Entlastung sowie einer optimalen medizinischen Versorgung.

Die neue Regelung sieht vor, dass das Hospiz im Geriatriezentrum Am Wienerwald organisatorisch dem Krankenhaus Lainz zugeordnet wird und das Hospiz der Caritas Sozialis am Rennweg ein Departement des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in der Gumpendorfer Straße wird. Dadurch erfolgt die Abrechnung für die PatientInnenen der Hospize analog zu Krankenanstalten, wodurch die finanziellen Belastungen auf einen Bruchteil von früher reduziert werden.****

"Wien war von jeher Vorreiter in Sachen Hospize. Als erstes Bundesland wurden hier stationäre Einrichtungen geschaffen, direkt von der Stadt Wien finanziert im Krankenhaus Lainz und im Caritas Socialis-Zentrum am Rennweg. Dazu kam das Hospiz des Krankenhauses Zum Göttlichen Heiland in Dornbach," stellten Rieder und Pittermann fest. Aufgrund dieser "Pioniersituation" seien die finanziellen Rahmenbedingungen für die PatientInnen und deren Angehörige durch die Verrechnung analog eines Pflegeheimplatzes nicht optimal gewesen. Auch wenn die Stadt Wien den Großteil der anfallenden Pflegegebühren in Höhe von rund 2.400 Euro monatlich ersetzt hat, schreckten manche PatientInnen - darunter viele junge mit Familien - vor der zusätzlichen finanziellen Belastung zurück.

Bereits 1999 wurde verfügt, dass bei Hospiz-PatientInnen nach deren Ableben die Stadt Wien nicht mehr auf das Vermögen zurückgreift, wie das bei "klassischen" Pflegeheim-PatientInnen geschieht. "Wir wollten jungen Familien, die durch den Tod des Vaters oder der Mutter ohnehin katastrophal getroffen werden, nicht auch noch die Existenzgrundlage, etwa eine Eigentumswohnung, nehmen," so Rieder.

"Mit der derzeitigen Lösung haben wir einen Durchbruch geschafft und erreicht, dass Hospiz-PatientInnen in ihrer Betreuung, Behandlung und Bewältigung von seelischen Problemen noch besser versorgt werden, zumal wir jetzt zusätzlich eine enorme finanzielle Entlastung anbieten können", stellt Pittermann fest. Für den Betrieb des Departements im CS-Zentrum erhält das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern von der Stadt Wien eine jährliche Subvention von 702.000 Euro. Das Hospiz im Krankenhaus Lainz wird im Zuge der Gesamtfinanzierung des Krankenhauses Lainz durch den WIKRAF finanziert.

Erste Station für Palliativmedizin der Stadt Wien im Krankenhaus Lainz

Die Station für Palliativmedizin unter der ärztlichen Leitung von OA Dr. Michaela Werni an der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin ist mit 14 Betten die größte derartige Einrichtung in Österreich. Ursprünglich wurde die Station sieben Jahre lang als Hospiz im Geriatriezentrum am Wienerwald geführt und mit 1.1.2002 in das Krankenhaus Lainz übersiedelt. Durch die gleichzeitige Einrichtung eines Palliativmedizinischen Konsiliardienstes rund um die Uhr für alle 19 Abteilungen (insgesamt 979 Betten) des Spitals ist das KH Lainz beispielgebend für weitere Palliativeinrichtungen in Wien, die nach dem Österreichischen Krankenanstaltenplan in den nächsten Jahren eingerichtet werden sollen.

Das Angebot der Palliativstation wendet sich in erster Linie an Patienten ab dem 19. Lebensjahr mit einer unheilbaren, fortgeschrittenen Tumorerkrankung oder an Menschen, die an einer neuromuskulären Erkrankung leiden. Im Sinne einer gelebten Patientenautonomie werden Wünsche und Bedürfnisse des unheilbar kranken Menschen in den Mittelpunkt der Betreuung gestellt. Individuell vereinbarte Aufnahme- und Entlassungsmodalitäten und die enge Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, den Sozialen Stützpunkten und dem Mobilen Hospiz der Caritas gewährleisten, dass der Betroffene seine letzte Lebensphase nach Möglichkeit zu Hause in seiner vertrauten Umgebung verbringen kann.

Neben der Betreuung der PalliativpatientInnen und der Angehörigen an der Station sorgt der Palliativmedizinische Konsiliardienst, bestehend aus Ärzten der Palliativstation und der Abteilung für Anästhesie, für eine qualifizierte Schmerztherapie bei unheilbar kranken Tumorpatienten an allen anderen Abteilungen des Krankenhauses Lainz rund um die Uhr. Erfahrene Palliativmediziner und Schmerztherapeuten besuchen die PatientInnen direkt am Krankenbett und veranlassen eine entsprechende lindernde Therapie und Begleitung der PatientInnen und deren Angehörigen.

Für alle interessierten Mitarbeiter von Spitälern, Pflegeheimen und ambulanten Betreuungseinrichtungen werden Informations- und Fortbildungsveranstaltungen angeboten, um die Grundsätze der Palliativbetreuung auch in andere Gesundheitsbereiche zu tragen. Neben Vorträgen und Seminaren innerhalb und außerhalb der Station besteht für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen die Möglichkeit zur Absolvierung eines Praktikums. Die Station für Palliativmedizin ist auch Sitz der 1999 gegründeten Österreichischen Palliativgesellschaft.

CS Hospiz als Department des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern

Mit Jahresbeginn ist das CS Hospiz Rennweg ein Department der II. Medizinischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Wien-Gumpendorf. Die Eigenständigkeit der beiden Kooperationspartner bleibt gewahrt. Mussten die Hospiz-PatientInnen vor Abschluss der Kooperation bis zu maximal 80 % ihres Einkommens für die Betreuung begleichen, wird dieser Kostenanteil nunmehr reduziert: Lediglich ein Tagsatz von EUR 7,63 (ATS 105,-) bzw. EUR 12,94 (178,-) für Mitversicherte (jährlich maximal EUR 254,35 (ATS 3.500,-) ist persönlich aufzubringen. Die restlichen Kosten werden von der Gebietskrankenkasse, den beiden kooperierenden Institutionen, der Stadt Wien und zu einem Großteil mit Spenden finanziert.

Durch diese Departmentlösung ist eine Akutversorgung der Hospiz-PatientInnen rund um die Uhr gewährleistet. Die Kooperation ermöglich einen regelmäßigen Wissens- und Informationsaustausch zwischen einem erfahrenen Palliative-Care-Team, Ärzten und Pflegepersonal zum Wohle der Patienten.

Die enge Zusammenarbeit der Caritas Socialis und den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul zeigt, dass durch einen partnerschaftlichen Umgang innerhalb von verschiedenen Ordensträgern sinnvolle und für beide Teile fruchtbringende Lösungen erarbeitet und umgesetzt werden können. Die Identitäten der verschiedenen Rechtsträger bleiben durch diese Kooperation gewahrt. Damit setzen die Barmherzigen Schwestern und die Schwestern der Caritas Socialis einen weiteren Schritt in ihrem Anliegen "Der Not der Zeit zu begegnen" und die Hospizidee weiterzutragen. Den hohen Qualitätsstandard und die familiäre, persönliche Betreuung der Hospiz-PatientInnen auch für die Zukunft zu garantieren, sind die Anliegen der Kooperationspartner.

Die Caritas Socialis wird von Wien seit Jahren maßgeblich unterstützt. So wurden für die Errichtung des Pflege- und Gesundheitszentrums am Rennweg von der Gemeinde 21,5 Mio. Euro (seinerzeit 295 Mio. ATS) aufgewendet, der Bau des Pflege- und Sozialzentrums in der Pramergasse im 9. Bezirk wurde mit 20.5 Mio. Euro (seinerzeit 280 Mio. ATS) und einem zinsenfreien Darlehen in Höhe von 1,5 Mio. Euro (seinerzeit 20 Mio. ATS) unterstützt.

Stadt Wien sichert Zukunft des "Hauses der Barmherzigkeit"

Die Stadt Wien sichert auch die Zukunft einer der bedeutendsten Sozialeinrichtungen der Stadt. Das Haus der Barmherzigkeit errichtet in der Seeböckgasse im 16. Bezirk eine Sonderkrankenanstalt mit 302 Betten. Für die Errichtung gewährt die Stadt Wien ein zinsenloses Darlehen mit einer Laufzeit von 25 Jahren in Höhe von 25 Mio. Euro. Das sind 45,6 Prozent der Gesamtkosten von 54,8 Mio. Euro. Baubeginn für das Projekt soll Ende 2002 sein, mit der Inbetriebnahme wird Anfang 2005 gerechnet.

Im Projekt Seeböckgasse des Hauses der Barmherzigkeit sind folgende Bereiche vorgesehen:

o Fünf Pflegestationen mit je 26 Betten
o Drei Sonderstationen mit je 26 Betten, wobei sechs Betten pro Station auch für die Belegung durch Patienten mit apallischem Syndrom geeignet sind.
o Eine Station für Geriatrische Rehabilitation mit 28
Pflegebetten und vier Intensiv-Betreuungsbetten.
o Eine Station mit 26 Betten für Patienten mit Morbus Alzheimer und ausgeprägtem Bewegungsdrang.
o Zwei Stationen mit je 18 Betten für Patienten mit fortgeschrittener Multipler Sklerose.
o Untersuchung und Behandlung einschließlich bildgebender Diagnostik.
o Einen Therapiebereich für Physiotherapie, Ergo-, Musik-, Kunst- und Beschäftigungstherapie.
o Eine Küche für rund 600 bis 700 Mahlzeiten täglich.
o Betriebskindergarten
o Wirtschafts-, Haustechnikräume und Depots
o Administration
o Außenanlage
o Allgemeine Bereiche, zentrale Bereiche, Kapelle und Verabschiedungsräume

Weitere Informationen:

o Hospize: www.health.magwien.gv.at/gesund/hospiz.asp

(Schluss) nk/uls

Rückfragen & Kontakt:

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Norbert Kettner
Tel.: 4000/81 845
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Dr. Lisa Ulsperger
Tel.: 53 114/81 238
e-mail: lisa.ulsperger@ggs.magwien.gv.atPID-Rathauskorrespondenz:

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