Bücherei Sandleiten feiert 75jährigen Bestand

Wien, (OTS), Die vergangenes Jahr völlig neu renovierte Bücherei Sandleiten (Ottakring), die bereits kurz nach ihrer Gründung in den 20er Jahren als die schönste Arbeiter-Bücherei Österreichs galt, feiert dieser Tage ihr 75jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet am Mittwoch, den 6. März, eine Festveranstaltung in der neugestalteten Bücherei statt. Helene Neuhaus, Hugo Pepper, Herber Exenberger, Hans Hovorka und der Direktor der Städtischen Bücherein, Alfred Pfoser, werden unter der Moderation von Heimo Gruber über die Bedeutung der Bibliotheken als solches, wie auch über die bewegte Geschichte der Bibliothek Sandleiten reden. Als Rahmenprogramm sind u.a. im Rahmen einer Filmvorführung Ausschnitte aus dem Film "Mister Pim" (1931) zu sehen, worin die Arbeiterbücherei Sandleiten als Drehort diente. Die außergewöhnliche Innenraumausstattung der Bücherei diente auch 1979 als Kulisse für den Fernsehfilm "Jetzt oder nie" und 1987 für die ORF-Produktion "Österreich und seine Juden". Die Renovierung der Bücherei bzw. deren Umgestaltung in ein Kulturzentrum führte das Architekten-Team Berger 2000/2001 durch.

Die Bücherei wurde am 14. November 1926 im Rahmen der Wohnhausanlage Sandleiten (Bauzeit: 1924-1928) eröffnet. Die Wohnanlage, die aufgrund unterschiedlicher Baustile zu den interessantesten Wohnbauten des Roten Wiens gehört, umfasste zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung u.a. 103 Stiegenhäuser, 75 Geschäftslokale, drei Ateliers, 58 Werkstätten, drei Kinderhorte, ein Postamt und einen eigenen Kino- und Theatersaal. Ingesamt boten die 1.587 Wohnungen rund 6.000 Menschen Wohnraum.
Die Bücherei Sandleiten ist ein typisches Produkt der damaligen Wiener Arbeiterbildungsbewegung. Das Besondere an der Bücherei Sandleiten war vor allem die räumlich großzügige Inneneinrichtung im Stil der Wiener Werkstätte. Ebenso prägnant war die der Bücherei vorgelagerte Brunnenfigur "Knabe mit Büchern" von Florian Josephu-Drouot, wie auch die beiden großflächigen Fresken des Malers und Graphikers Otto Rudolf Schatz. Vorkämpfer für das Büchereien-System in Ottakring waren die Volksbildner Oskar Sternglas, Karl Volkert, Therese Dolezal und Robert Danneberg. Zu Beginn der dreißiger Jahre verfügte Ottakring über insgesamt sechs Büchereien. Zwischen 1933 und 1945 wurde die Bücherei Sandleiten unter strengen bis strengsten Zensurmaßnahmen weitergeführt. In den Februarkämpfen 1934 spielte die Wohnhausanlage Sandleiten eine wichtige Rolle. Während der Kriegsjahre wurde die wertvolle möblierte Inneneinrichtung der Bücherei demoliert. Direkte Kriegsschäden gab es nicht.

Nach 1945 befanden sich die Büchereien ganz allgemein in einem desolaten Zustand. Vor allem der eklatante Mangel an Büchern war ein großes Problem, welches in einer ersten Phase nur durch Improvisationskunst ausgeglichen werden konnte. So warben etwa Plakate in ganz Ottakring um Bücherspenden erfolgreich unter der Bevölkerung. Vor allem Johann Babnik, Bibliothekar bereits in der Ersten Republik, und der spätere Bezirksvorsteher von Ottakring, Josef Srp, machten sich um die Bücherei Sandleiten zu jener Zeit verdient. Kleinere Umbauten folgten in den 60er Jahren, die grundlegende Renovierung der Bücherei Sandleiten geschah jedoch erst in den letzten beiden Jahren. Die Neugestaltung, für deren Umsetzung das Architektenteam Berger beauftragt wurde, zeichnet sich durch die Schaffung eines großzügigen Raumambientes aus. Ein behindertengerechter Zugang, die Schaffung von Veranstaltungszonen, wie auch einer Lesegalerie sind weitere Punkte der attraktiven Umgestaltung.

Ziel der nunmehr neugestalteten Bücherei Sandleiten ist es, bezirksweit ein relevanter Treffpunkt für Kommunikation und Kultur zu werden. In diesem Sinne werden diverse Veranstaltungen zum fixen Programm dieser weiterhin schönsten Bücherei Wiens zählen. Den Besuchern stehen 17.300 Bücher, 26 Zeitschriften, 500 CDs, 800 Tonkassetten sowie drei Internet-Arbeitsplätze zur kostenlosen Benutzung zur Verfügung.

o Termin: Mittwoch, 6. März

Adresse: Bücherei Sandleiten (16., Rosa Luxemburg-Gasse 4) Beginn: 19 Uhr
Der Eintritt ist frei!

Weitere Informationen:
o Büchereien Wien: www.wien.gv.at/bsj/buch/index.htm

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