"Die Presse" Kommentar: "Prost auf Kofis Truppe" (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 4.3.2002

Wien (OTS) Die Schweiz ist um eine Skurrilität ärmer. Sie tritt der UNO bei.
Endlich, werden die meisten sagen, die meinen, das, was der Rest der Welt für richtig hält, müsse auch für die Schweizer richtig sein. Irgendwie schade, werden viele finden, die Österreichs westliche Nachbarn gerade um ihrer Absonderlichkeiten willen mögen. Und manche prophezeien nun schon deren Einzug in EU, Nato und Euroland.
Gemach, gemach. Denn wenn die unendlich langsame Annäherung der Schweiz an die UNO etwas gezeigt hat, dann ist es die Gründlichkeit, mit der sich ihre Stimmbürger jeden Schritt überlegen, die genetische Abneigung gegen jeden übereilten Schritt.
Daher wird man westlich des Bodensees die weiteren Schritte zu einer internationalen Öffnung noch sehr genau und sehr lange prüfen. Die EU ist sicher in keinem Zustand, bei dem man wirklich klar sehen könnte, wohin sie geht: Wird sie wieder effizient oder wird sie immer mehr zur Geisel französischer Bauern und spanischer Subventionsgeier? Der Nato-Pakt ist für die Schweizer nicht so dringend, weil ihre Armee schon seit Jahrzehnten mit dem Bündnis sehr effizient kooperiert. Und der Euro durchläuft trotz der erfolgreichen Umstellung angesichts der von Berlin erkämpften Privilegien (der fällige Tadel für die deutsche Schuldenpolitik ist ausgeblieben) nicht gerade eine PR-Kampagne.
Und die UNO? Die hat sich in der Tat deutlich gebessert. Sie hat den besten und klügsten Generalsekretär vielleicht ihrer Geschichte. Sie ist nicht mehr Propaganda-Instrument der ideologisierten Neutralisten und Schauplatz unfruchtbarer Duelle zwischen West und Ost. Sie hat sich der wirtschaftlichen Vernunft deutlich angenähert und erkannt, daß nichts den Entwicklungsländern mehr hilft als der freie Welthandel. Und sie hat den oft unerträglichen Nepotismus bei der Nominierung von UN-Beamten sowie die arge Unfähigkeit mancher Funktionäre und Organisationen drastisch und mit etlichem Erfolg bekämpft.
Wenn das nun sogar von den nüchternen Schweizern anerkannt wird, dürfen die Diplomaten in New York, Genf und Wien einmal zu Recht mit Champagner anstoßen.

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