"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das G'frett mit Herrn Frad" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 03.03.2002

Graz (OTS) - Wie konnte das passieren? Fast ein Jahr lang
kämpften Blaue und Schwarze gegen Hans Sallmutter als Inbegriff des roten Bonzentums an und dann entpuppt sich sein Nachfolger im Präsidentensessel des Hauptverbandes als der eigentliche Oberbonze.

Die Antwort ist einfach: Herwig Frad ist in einem Biotop aufgewachsen, in dem Dienstfreistellungen mit vollen Bezügen als wohlerworbenes Recht und nicht als bedenkliche Pfründe ausgefasst wurden.

Der heute 61-Jährige begann seine Beamtenlaufbahn 1966 nach Abschluss des Jusstudiums im Sekretariat eines Staatsekretärs der damaligen schwarzen Alleinregierung. Nach einem kurzen Gastspiel in der Parteizentrale während des Wahlkampfes 1970, der mit der Machtübernahme durch Bruno Kreisky endete, kehrte Frad in den öffentlichen Dienst zurück, doch blieb er nur kurze Zeit an seinem Schreibtisch. 1971 begann Frad seine Karriere als Personalvertreter im Sozialministerium.

Zielstrebig kletterte er die Sprossen auf der Leiter nach oben. Spätestens ab 1975 war Frad seiner Aufgaben als Beamter entledigt und von Beruf nur noch Funktionär. Zwar nie ganz in der ersten Reihe, aber immer nahe am Ohr der Mächtigen: Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen im Vorstand der Gewerkschaft öffentlicher Dienst.

Das bedeutete Sonderurlaub mit Dienstfreistellung bei vollen Bezügen. Die Beamtengewerkschaft sicherte sich dieses Privileg 1968, als Josef Klaus Kanzler der ersten einfarbigen Regierung war. Die Schwarzen blickten immer schon voller Neid auf die Hochburgen der Roten in der Industrie. Man wollte ein Gegengewicht zu den Betriebskaisern schaffen. Zusätzlich zu den Personalvertretern wurde die Kaste der Sonderurlauber erfunden, indem man den gesamten öffentlichen Dienst zu einem einheitlichen Unternehmen erklärte und befand, dass es auch dort so etwas wie einen Zentralbetriebsrat geben müsse.

Seither sind die Spitzenfunktionäre der Gewerkschaft öffentlicher Dienst Sonderurlauber, also Beamte außer Dienst, aber mit Spitzengehältern, weil natürlich auch für sie die Fiktion gilt, dass sie die jeweils höchste Dienstklasse erreicht hätten, wären sie ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgegangen.

Wäre Frad das geblieben, was er war, wäre die Blase nicht geplatzt. Mit seiner Wahl an die Spitze des Hauptverbandes flog nicht nur die Ungesetzlichkeit des Sonderurlaubs auf, sondern wurden noch andere Blößen öffentlich bis zur Peinlichkeit, dass der Herr Präsident seine Doppelbezüge damit zu rechtfertigen versuchte, er habe im heurigen Fasching fünf Pflichtbälle besuchen müssen.

Ein hoffnungsloser Fall. Die Ära Frad ist bereits erledigt, bevor noch seine Amtszeit endet. Statt Missstände abzustellen, wie das die Regierung vollmundig versprochen hat, wurden neue Missstände verursacht. Sollte sich auch noch herausstellen, dass die Reform
des Hauptverbandes verfassungswidrig war, ist das Desaster perfekt.

Außer einem Scherbenhaufen hätte dann die schwarz-blaue Koalition in der Sozialversicherung nichts hinterlassen. ****

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