Verzetnitsch: "Kollektivverträge bewegen jährlich mehr als hundert Mrd. Euro"

ÖGB-Konferenz: "Gewerkschaftliche Perspektiven der Einkommenspolitik" (2)

Wattens (ÖGB). "Durch die Kollektivverträge werden in Österreich mehr als hundert Mrd. Euro an Lohnsumme jährlich bewegt." Für ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch ist dies ein grundlegender volkswirtschaftlicher Faktor, der im öffentlichen Bewusstsein leider zu schwach verankert sei, wie er heute Freitag, bei einem Pressegespräch zum Thema "Gewerkschaftliche Perspektiven der Einkommenspolitik" im Vorfeld der vierten Startschuss Zukunftskonferenz "Einkommens-, Kollektivvertrags- und Lohnpolitik" in Tirol erklärte.++++

Verzetnitsch sprach sich gegen eine Senkung der Lohnnebenkosten aus. Vielmehr müsste in der Debatte um die Lohnnebenkosten die Produktivität bzw. die Lohnstückkosten stärker berücksichtigt werden. "Die Konferenz ist ein Versuch für die künftige Lohn- und Einkommenspolitik Antworten zu finden", erklärte Verzetnitsch. Aktuell könne er berichten, dass zu den derzeit mehr als tausend gültigen Kollektivverträgen nun ein weiterer für Leiharbeiter mit 1. März in Kraft getreten sei. Dieser stelle sicher, dass die 28.000 ArbeitnehmerInnen, die zu dieser Branche gehörten, nun besser abgesichert seien, so der ÖGB-Präsident.

"Der große Vorteil der österreichischen Kollektivvertragspolitik liegt in der Berechenbarkeit aller Akteure", betonte der Leiter des ÖGB-Referates für Kollektivvertragspolitik, Karl Klein. Wesentlich sei künftig die länderübergreifende Koordination zu intensivieren, und auch die Frage anzugehen, die Kollektivertragsregelungen um etwa den Bildungsbereich zu erweitern.

Der Vorsitzende des ÖGB-Tirol, Franz Reiter, kam auf die schwierige Situation für Tourismus- und Handelsangestellte in seinem Bundesland zu sprechen. "Während in Vorarlberg und in Salzburg schon seit den 50er-Jahren ein höher dotierter Landeskollektivertrag für den Handel existiere, fehlen solche Regelungen für Tirol", kritisierte Reiter. Weiters forderte er eine Senkung des Saisonierkontingents, um das Lohndumping in diesem Bereich zu verhindern. (hell)

ÖGB, 1. März 2002
Nr. 170
(Fortsetzung)

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