Strategien zur Finanzierung der Industrie im Kontext von Basel II

Präsentation des Industrieforums/industrie aktuell 1/2002

Wien (OTS) - Die europäischen Kapitalmärkte sind derzeit von großen strukturellen Neuerungen betroffen. Elemente des Wandels sind die weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte, die Einführung des Euro in zwölf EU-Mitgliedstaaten, die weit fortgeschrittene Privatisierung der kontinental-europäischen Banken sowie die zunehmende Bedeutung von einzelwirtschaftlichen Risiko- und Ertragsüberlegungen in Europa, wie sie auch in den neuen Regulativen zum Ausdruck kommen.

Die geplanten Eigenmittelunterlegungsvorschriften für Banken (Basel II) sehen gegenüber der bisherigen pauschalen Eigenmittelunterlegung von 8 % (Basel I) nunmehr eine bonitätsabhängige Eigenmittelunterlegung von Industriekrediten vor. Unter dem Vorsitz von William J. McDonough, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank of New York, wird bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel das Basel II-Reformpaket erarbeitet. Derzeit liegt das zweite Konsultationspapier vor, das insbesondere in Deutschland und Österreich heftig diskutiert wird.

Die Industriellenvereinigung hat in einer Arbeitsgruppe folgende Leitlinien formuliert:

1. Keine generelle Verteuerung der Kreditfinanzierung durch Basel II 2. Keine grundsätzliche Benachteiligung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU)
3. Keine überproportionale Schlechterstellung von langfristigen Krediten
4. Erweiterung des Kataloges für Kreditsicherheiten
5. Anerkennung von Mittelstandsratings

Das dritte Konsultationspapier soll im Sommer vorgelegt werden. Selbst wenn jede Änderung der bestehenden Basel-Spielregeln unterbliebe, müssten sich alle Banken unter den Bedingungen des Euro-Kapitalmarktes wesentlich mehr als früher an der Bonitätseinstufung ihrer Kunden orientieren, wenn es um die Festsetzung der Kreditkosten geht. Der einfache Grund dafür liegt darin, dass sich im Euro-Kapitalmarkt deutlich erweiterte, von Währungsrisiken freie Veranlagungsmöglichkeiten anbieten, die zu einem veränderten Anlegerverhalten auch jener Investoren führen, von denen sich die Banken selbst auf den Kapitalmärkten Geld leihen.

Die Einstufung durch Rating-Agenturen und die nachweisbare Ausrichtung aller Ausleihungen nach internationalen Kapitalmarktspielregeln wird damit zum entscheidenden Einflussfaktor der Refinanzierungskosten aller Banken.

Die neue Finanzarchitektur zwingt die europäische Industrie zu neuen Strategien und Zukunftsbildern für die Finanzierung. Es geht um die bestmögliche Kombination der Instrumente der traditionellen, bankorientierten Finanzierungskultur mit den Möglichkeiten des Kapitalmarktes.

Damit es für einzelne Industrieunternehmen unter Risikoaspekten nicht zu starken Kreditverteuerungen kommt, sind einige Vorkehrungen zu treffen:

  • Kurzfristige Liquiditätslinien auf ungesicherter Barvorlagen- Basis sind durch fristengerechte, langfristig, vertraglich fixierte Kredite oder - bei größeren Unternehmen - Anleihen abzulösen
  • Die Bilanzpolitik der Unternehmen sollte sich nach der Solidität der Bilanzstrukturen und nicht, wie in der Vergangenheit so häufig, an der Steuer-Optimierung allein orientieren. Stille Reserven sind nach Möglichkeit zur Stärkung des ausgewiesenen Eigenkapitals offenzulegen
  • Bezüglich der Währungs-, vor allem aber der Zinssatzrisken ist ein konsequentes Risikomanagement anzustreben
  • Die Beziehung zu den Kreditgebern sollten noch offener, professioneller und auf Basis eines erstklassigen, aussagekräftigen, monatsaktuellen Rechnungswesens gestaltet werden
  • Wo keine verbesserte Bilanzstruktur herstellbar und damit ein mittelfristig die unternehmerische Existenz gefährdender Kreditengpass absehbar ist, sollte pro-aktiv an Partnerschaften und strategische Allianzen gedacht werden, mit denen eine größere, in sich wieder kreditfähige Einheit geschaffen werden kann
  • In ausgewählten Fällen eignen sich (vorbörsliche) Beteiligungsinstrumente zur Unterstützung der unternehmerischen Strategien

Gerade in Phasen der Veränderung ist es wichtig, eigene Positionen zu erarbeiten. Ein Schritt auf diesem Weg ist die neueste Ausgabe des Industrieforum zum Thema "Basel II: Wie Firmen mit den neuen Regeln umgehen sollten" (industrie aktuell, Heft 1/2002).

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Mag. Hannah Rieger
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