Faymann: 90 Prozent Energieersparnis durch Klima-Komforthaus

Klimaschutzeffekte im Wohnbau wie Verzicht auf 350.000 PKWs

Wien, (OTS) "Die Stadt fördert Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen im Wohnbereich aus guten Gründen. Erstens werden dadurch die Energiekosten für die Mieter deutlich gesenkt, zweitens wird die Umwelt und das Klima zugunsten der künftigen Generationen entlastet", stellte Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Dienstag im Pressgespräch des Bürgermeisters fest. "Durch die Klimaschutzmaßnahmen der Stadt im Wohnbau wurden seit 1995 die CO²-Emissionen jährlich um 129.000 Tonnen CO² verringert. Das entspricht dem Verzicht von 65.000 PKWs in der Stadt. Berücksichtigt man auch den Verzicht auf Baustoffe, bei deren Produktion treibhausrelevante Gase freigesetzt werden, so kommen die von der Stadt gesetzten Maßnahmen dem Verzicht auf 350.000 PKWs gleich. Jetzt leistet Wien durch die Realisierung des "Klima-Komforthauses" Pionierarbeit für eine weitere Senkung des Energieverbrauchs in der Stadt."****

Durchschnittlich 38 Prozent des Energiebedarfs werden österreichweit für Raumwärmebereitstellung aufgewendet. Daher besteht in diesem Bereich ein großes Einsparpotential. Die Stadt setzt deshalb im Wohnbaubereich seit Jahren wirkungsvolle Maßnahmen.

o Im Neubaubereich ist der Niedrigenergiestandard für alle geförderten Wohnhäuser verbindlich. Durch die seit 1995 etwa 55.000 geförderten Neubauwohnungen wird die Luft der Stadt deutlich weniger belastet. Wären die Wohnungen nach den Kyoto-relevanten Standards von 1990 errichtet, so wäre der CO²- Ausstoß pro Jahr um 17.000 Tonnen höher.
o Die Stadt hat in den letzten zehn Jahren die Sanierung von Häusern mit 100.000 Wohnungen gefördert. Allein durch die geförderte Sanierung der drei Jahre 1999 bis 2001 wurde der CO²-Ausstoß pro Jahr um 64.000 Tonnen gesenkt.
o Seit März 2000 ist die thermisch-energetische Wohnhaussanierung "Thewosan" in Kraft. 230 Wohnbauten aus der Bauperiode 1945 bis 1980 (durchwegs schlecht gedämmte "Energiefresser") mit insgesamt 30.000 Wohnungen wurden und werden derzeit Thewosan- saniert und werden dadurch zu energiesparenden Wohnbauten.

Das Einsparpotential ist für die Mieter sehr hoch. Ein wärmegedämmtes, Thewosan-saniertes Wohnhaus verbraucht im Durchschnitt um 50% weniger Energie für Raumwärme als ein Haus vorher und hat dadurch deutlich geringere Heizkosten. In einer durchschnittlichen Wohnung mit 70m² erspart die Wärmedämmung dem Mieter jährlich zwischen ÖS 4.000 (290 EUR) und ÖS 5.000 (363 EUR). Die seit 2000 thewosan-sanierten Wohnhäuser emittieren insgesamt pro Jahr um 48.000 Tonnen weniger CO² als vorher.

Jährlich der Schadstoffausstoß von 350.000 PKWs eingespart

Fazit: Diese drei Förderungsschienen (Neubau, Sanierung, Thewosan) entlasten die Atmosphäre jährlich um 129.000 Tonnen CO². Das entspricht dem jährlichen Schadstoffausstoß von 65.000 PKWs.

Parallel dazu hat die Stadt eine Reihe spezifischer Aktivitäten zum Klimaschutz gesetzt. Vor allem auf die hoch treibhausrelevanten Gase wie FCKW, H-FCKW, H-FKW wird weitgehend verzichtet. Diese Maßnahmen sind für den Klimaschutz ebenso relevant wie der Verzicht auf KPS-Dämmplatten, PU-Montageschäume usw., die allesamt klimaschädliche Stoffe enthalten.

Auch Schallschutzfenster werden seit 2000 im geförderten Wohnbau nicht mehr mit dem vollfluorierten Schwefelhexafluorid (SF6) befüllt. SF6 hat ein extrem hohes Treibhauspotential.

Der geförderte Wohnbau hat durch Bauträgerwettbewerbe und den Grundstücksbeirat eine Vorreiterrolle im Umweltschutz übernommen. Alle Projekte verfügen über Einzelwasserzähler, Solarenergie wird immer stärker genutzt. Ebenso sind Systeme der Abwasser- und Abluftrückgewinnung, Wärmepumpen, Brauchwassersysteme und Dachgärten immer öfter in geförderten Wohnbauprojekten zu finden.

Alle Umweltschutzmaßnahmen (Thewosan, Verzicht auf Baumaterialien mit halogenierten Wasserstoffen, Umstellung auf Fernwärme und Gas bei Sanierungen...) insgesamt ergeben den gleich hohen Klimaschutzeffekt wie der permanente Verzicht auf 350.000 PKWs.

Der nächste Schritt: Das Wiener Klima-Komforthaus

Die oben angeführten Emissions-Einsparungen werden fortgesetzt. Jetzt geht die Stadt einen Schritt weiter und setzt das Wiener "Klima-Komforthaus" um. Wie im Regierungsprogramm angekündigt, wurde im Vorjahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnisse liegen jetzt vor. Dabei geht es darum, den bereits im geförderten Wohnbau etablierten Niedrigenergiestandard weiterzuentwickeln und die Möglichkeiten eines großvolumigen "Passivhauses" auszuloten.

Die Ergebnisse der Studie der Projektgemeinschaft raumkommunikation/Consult S: Das großvolumige Passivhaus ist in Wien ohne Probleme machbar. Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses liegt mit 15 kWh pro Nutzfläche und Jahr um 80 Prozent unter dem Wert herkömmlicher Gebäude. Die Heizlast darf maximal 10 W pro m² betragen. Dieser Wert ist so gering, dass ein Zimmer eines Passivhauses bereits mit der Wärme von zwei Glühbirnen beheizt werden kann.

Auch im Vergleich zum sehr energiebewussten Niedrigenergiestandard setzt das Passivhaus neue Maßstäbe. Der Heizwärmebedarf beträgt nur ein Drittel eines durchschnittlichen Neubau-Hauses mit Niedrigenergie-Standard.

Ein Passivhaus ist auch aus städtebaulicher Sicht in einer dichten Bebauung relativ leicht realisierbar. Weitere Vorteile sind hohe Behaglichkeit und sehr gute Innenraumluftqualität und gute Eignung für den Einsatz alternativer Energiequellen. Kritisch könnten folgende Aspekte sein: Passivhäuser sind weniger tolerant gegenüber Fehlverhalten der NutzerInnen, vor allem falsches Lüftungsverhalten kann zu deutlich verminderten Energieeinsparungen führen. Und in Planung und Ausführung besteht noch ein Erfahrungsmangel auf Seiten der Bauträger und Baufirmen.

Was die Baukosten betrifft, so werden speziell im großvolumigen Bereich von den Experten nur geringe Mehrkosten erwartet. Die höheren Investitionskosten werden durch geringere Heizkosten zum Großteil kompensiert.

Für die spezifische Wiener Situation wird die Schaffung eines Klima-Komforthauses vorgeschlagen. Die Vorgaben dieses Hauses lauten:
niedrigste Emissionen - höchster Komfort - leistbare Kosten.

o Niedrigste Emissionen in der Gebäudeerrichtung:
Bauweise nach dem Standard "Ökologisches Passivhaus": Einsatz ökologisch vorteilhafter Baustoffe und nachwachsender
Rohstoffe.
o Niedrigste Emissionen im Gebäudebetrieb:
Geringer Heizwärmebedarf, hocheffiziente und stromsparende Haustechnik- und Haushaltsgeräte.
o Hoher Wohnkomfort und Wohngesundheit:
Gute Belichtung und Besonnung, hohe thermische Behaglichkeit, beste Luftraumqualität, baubiologisch hochwertige Ausführung
o Leistbar und sparsam im Betrieb:
Weniger als 75 EUR reine Baukosten pro m² förderbarer Fläche bzw. nicht höher als 0,75 EURkapitalisierte Rückzahlung je m² und Monat. Geringe Heiz- und Wartungskosten
o garantiert hohe Planungs- und Ausführungsqualität:

Einsatz kostensparender Verbundbauweisen, sorgfältigste
Planung, garantierte und zertifizierte Ausführungsqualität, hohe Wertbeständigkeit.

Wodurch zeichnet sich das Wiener Klima-Komforthaus aus?

o Durch eine spezielle Dämmung, die aus mehreren Schichten mineralischer, biogener und unbrennbarer Baustoffen besteht und eine hochwirksame thermische Speichermasse darstellt.
o Durch Kälte- bzw. Wärmebrückenfreiheit.
o Durch eine Beheizung zu 80 Prozent durch Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft ("Kreuzwärmetauscher)". Dabei wird die Wärme der austretenden Luft an die eintretende Frischluft abgegeben.
o Durch Erdkollektoren, die die Erdwärme nutzen und Solaranlagen, die für Warmwasserbereitung und Raumheizung eingesetzt werden.

Als nächster Schritt wird auf der Basis dieser Machbarkeits-Studie ein Bauträgerwettbewerb erfolgen. Der Wiener Wohnbauförderungs- und Stadterneuerungsfonds (WBSF) wurde mit der Suche nach einem geeigneten Standort beauftragt. Noch heuer soll der Wettbewerb ausgeführt werden.

Durchschnittliche Heizkosten für unterschiedliche Bauperioden:(Berechnet für eine 80 m² große Wohnung)

o 70er Jahre-Standard: (120 bis 200 kWh pro Jahr und m²) Heizkosten pro Jahr: rund 550 € (ÖS 7.568,16)
o 90er Jahre-Standard (80 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 360 € (ÖS 4.953,71)
o Niedrigenergiehaus (35 bis 50 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 210 € (ÖS 2.889,66)
o Klima-Komforthaus: (15 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 60 € (ÖS 825,62))

Vorstufen zum Wiener Klima-Komforthaus bereits in Bau

Bereits in Bau sind einige Übergangsmodelle vom Niedrigenergiehaus zum Passivhaus. (Daher auch die Bezeichnung "Passiv-Niedrigenergiehaus").

Noch heuer (Dezember 2002) wird ein Passiv-Niedrigenergiehaus in der Katharinengasse 10/Favoritenstraße (Wien 10) fertiggestellt. Es umfasst unter anderem Erdluftbrunnen, eine Solaranlage am Dach und Gegenstromwärmetauscher ebenso wie Nachheizregister und Umluft-Zusatzheizung, mit denen die Bewohner die Raumtemperatur regeln können.

90 energiesparende Wohnungen zwischen 33 und 109 m² werden hier errichtet. Die Mieter dieser sehr preisgünstigen Mietwohnungen bezahlen aufgrund des Baurechtsmodells der Stadt zehn Jahre keine Eigenmittel, sondern inklusive Betriebskosten monatlich nur ÖS 77 (5,6 EUR) pro m².

Ein zweites Passiv-Niedrigenergiehaus wird im Rahmen der "Wienerberg City" errichtet. Die Fertigstellung der 89 Mietwohnungen mit Eigentumsoption ist für den Herbst 2003 geplant. (Schluss) gmp

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