Round-Table-Gespräch in der ZUK: Filmland Österreich?

Wien (SK) "Es gibt drastische Kürzungen im Kulturbereich und hauptbetroffen ist der Film, obwohl man sich diesen als Schwerpunkt gesetzt hat. Manche empfinden diese Schwerpunktsetzung sogar als Drohung", mit diesen Worten leitete die SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen das Round-Table-Gespräch "Filmland Österreich?", veranstaltet von der "Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik" und der Zukunftswerkstätte, ein. Die SPÖ-Abgeordnete moderierte, es diskutierten Barbara Gräftner, Regisseurin, Gerhard Schedl, Direktor des Österreichischen Filminstituts und Peter Zawrel, Geschäftsführer des Wiener Filmfinanzierungsfonds. Muttonen hielt fest, dass es trotz aller Einsparungen in den letzten Jahren außerordentliche Erfolge für den österreichischen Film gegeben habe. Filme wie "Nordrand", "Hundstage" oder "Die Klavierspielerin" reüssierten auch auf internationaler Ebene.****

"Filme die jetzt erfolgreich waren, gehen auf die Förderungen früherer Jahre zurück", hielt Gerhard Schedl fest. "Es muss endlich den politischen Willen geben, österreichischen Film verstärkt zu fördern." In Österreichs Kinos würden pro Jahr 240 Filme neu anlaufen, wovon nur zehn aus heimischer Produktion stammen würden. "Ein künstlerisch wertvoller Film kann durchaus als Publikumsmagnet dienen", bemerkte Schedl. Andere Länder hätten dies längst erkannt. So gehe beispielsweise in Frankreich ein Teil des Eintrittspreises für Kinofilme an die staatliche Filmförderung, was sich natürlich auch auf Qualität und Menge der Produktionen auswirken würde.

"Erfolge erklären sich nicht nur durch die Kontinuität der Förderungen, sondern auch durch die Beharrlichkeit der Filmschaffenden", erklärte Peter Zawrel. Über das Monetäre hinaus gebe es auch andere gravierende Mängel. Als Beispiele nannte Zawrel die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten und keinerlei steuerliche Anreize für Investoren. Des Weiteren gebe es mit Ausnahme des ORF keine Kooperationsmöglichkeiten. Auch der Multiplex-Boom der letzten Jahre habe Auswirkungen auf die Produktionsebene. Was in der Diskussion oft vergessen werde, seien die Beschäftigungsaspekte der Kunstrichtung Film. "In Österreich ist es schwierig über Film zu reden, da dafür kaum Verständnis auf politischer Ebene herrscht", so Zawrel.

Auch die Max Ophüls-Preisträgerin Barbara Gräftner äußerte den Wunsch, dass das Bewusstsein für Film gestärkt werden müsse. Sie selbst habe ihr preisgekröntes Projekt "Mein Russland" ohne staatliche Subventionen bestritten. Allerdings könne dieser Weg nicht als Vorbild für die Branche gelten, da dies ein hohes Risiko bergen würde. Gräftner nannte ebenfalls Frankreich als beispielgebend in der Filmpolitik, denn dort sei der ausländische Film kontingentiert. Einen Beitrag zur Breitenwirkung des österreichischen Films könnte auch der ORF leisten. "Ich bin der Meinung, dass Filme, die mit öffentlichen Geldern bezahlt werden, auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen", schloss die Regisseurin. (Schluss) sw

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