ÖGB ortet neuerlichen Skandal um Ambulanzgebühr

Auch PatientInnen aus Pflegeheimen und Geriatriezentren werden zur Kasse gebeten

Wien (ÖGB). "Die Ambulanzgebühr für PatientInnen aus Pflegeheimen und Geriatriezentren ist ein Skandal", erklärt Dr. Sabine Oberhauser, Sprecherin der ARGE-ÄrztInnen im ÖGB. "Hier werden die Schwächsten der Gesellschaft bestraft, nämlich jene PatientInnnen, die durch ein langfristiges Leiden ohnehin in ärztlicher Betreuung sind. Für notwendige Untersuchungen in einem Krankenhaus werden sie nun auch noch kräftig zur Kasse gebeten", so Oberhauser. ++++

Beispiele für die unsoziale Verrechnung der Ambulanzgebühr an sozial Schwache und chronisch Kranke gebe es zuhauf, erläutert die SprecherIn der ARGE-ÄrztInnen. Wenn etwa ein/e Pflegeheim-PatientIn stürzt und ins Unfall-Krankenhaus eingeliefert wird, so fallen trotz stationärer Aufnahme für sämtliche Gipskontrollen im Nachhinein Ambulanzgebühren an. Auch KrebspatientInnen aus Geriatriezentren müssen für jede Tumor-Untersuchung im Krankenhaus Ambulanzgebühr entrichten. "Die PatientInnen der öffentliche Pflegeheime gehören großteils zu den sozial Schwächeren der Gesellschaft", so Oberhauser, "dass sie derart schikaniert werden, ist ein Skandal."

"Der vielzitierte 'Lenkungseffekt der Ambulanzgebühren' wird in diesem Fall vollkommen ad absurdum geführt", erklärt Oberhauser. "Wohin sollen sich denn die Krebs-PatientInnen aus Pflegeheimen für eine Behandlung wenden, wenn nicht an ein Krankenhaus?" Da sie anschließend wieder in die Betreuung des Heimes entlassen werden, fällt die Ambulanzgebühr für jeden Spitalsbesuch an. Es zeige sich hier wieder, so die SprecherIn der ARGE-ÄrztInnen, dass die Ambulanzgebühr eine reine Krankensteuer sei und den Weg für eine Zwei-Klassen-Medizin ebne.

Diese erneute Gesetzeslücke mache deutlich, dass das "Pfusch-Gesetz" zur Ambulanzgebühr reif für die Abschaffung sei, so Oberhauser. Die Ambulanzgebühr habe bisher schließlich keine finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems bewirkt, sondern die Kassen durch die Administration nur noch mehr Geld gekostet. "Die ARGE-ÄrztInnen fordern daher die sofortige Abschaffung dieser unsozialen Krankensteuer. Die Schröpfaktion der PatientInnen muss beendet werden", schloss Oberhauser.

ÖGB, 26. Feber 2002
Nr. 160

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