"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ende mit Schrecken" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 26. 2. 2002

Innsbruck (OTS) - George Bush hat eröffnet, Wladimir Putin geschlichtet, Johannes Rau gratuliert. Und Jose Maria Aznar wirkt hilflos vor Loyaliät.

Olympia ist vorbei, seine politische Dimension bleibt. Nirgends sonst teilt der Athlet Ruhm und Schmach derart mit seinem Land. Flaggen und Hymnen signalisieren, Premiers und Präsidenten demonstrieren: Hier geschieht mehr als der Sieg kommerzieller Profis über idealistische Amateure. Nationale Aufwallung bleibt ein Lebensmittel der Spiele. Zu viel öffentliches Geld fließt in Sportförderung, als dass die Staaten diesen Anspruch aufgeben könnten.

Verblendung inklusive. Der Wettbewerb von Sport- ausrüstern, das Werbeumfeld für Markenartikel und das Testlabor der Pharmakonzerne verbergen sich gern hinter den Eitelkeiten der Politik. Die Gesundheitsminister haben Pause, wenn die Medaillenbilanz zählt. Das Finale der Winterspiele ist ein Ende mit Schrecken ohne absehbares Ende. Die Politik toleriert Fehler des Sportapparats: Da siegt jemand in zwei Wochen dreimal, wird beim Doping erwischt und verliert eine Medaille. Zwei Goldene darf er behalten. Auch sein Land wird so (auf)gewertet. So etwas darf uns spanisch vorkommen.

Doch dieser Unfug wäre nur durch totale internationale Ächtung abzustellen. Aberkennung aller Titel, dann Sperre des Athleten, des Verbandes, vielleicht sogar des Landes ... Ein erfolgversprechender Strafkatalog ließe sich schon finden. Drohungen wirken dabei um so mehr, je betroffener nicht nur die Person, sondern eine Nation, ein Volk. Denn es identifiziert sich mit den Athleten.

Nachahmung inklusive. Wo Doping wirkt, verzerrt es längst auch den Hobbysport. Im Kraft- und Ausdauerbereich liegen die Sünderraten bereits über 20 Prozent. Tendenz steigend, so lange die Gesellschaft es toleriert.

Die Lösung dieses Problems kann nicht bei Funktionären liegen, die durchwegs abhängig von wirtschaftlichen Teilinteressen sind. Hier geht es um große Politik, um Volksgesundheit. Ansonsten überholt bald die Genmanipulation den olympischen Geist.

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