Csörgits zu Geburtenminus: Kindergeld wird keine Trendumkehr bewirken

Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie nötig

Wien (ÖGB). "Herr Minister Haupt macht es sich recht leicht. Schuld am Geburtenrückgang ist allein der Egoismus der Eltern, insbesondere der Frauen. Mehr als ein Appell an die jungen Menschen, sie sollten sich 'zurücknehmen' und ein Lobgesang auf das Kindergeld fällt dem Minister offensichtlich nicht ein. Eine Trendumkehr erreicht der Minister mit dieser Politik sicher nicht", kommentiert ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits die Aussagen von Sozialminister Herbert Haupt in der Wochenendausgabe des Standard. Notwendig seien vielmehr Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so die ÖGB-Frauenvorsitzende weiter.++++

Der Schwerpunkt müsse auf den Ausbau der Infrastruktur und auf rechtliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelegt werden. "Gerade in dem Bereich gibt es aber seit Bestehen dieser Regierung einen absoluten Stillstand, und teilweise sogar Verschlechterungen", erklärt Csörgits und listet die wichtigsten Punkte auf: Die Einführung eines Rechts auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes lehnt die Regierung ab. Die partnerschaftliche Teilung der Karenz wurde durch die Bestimmungen des Kinderbetreuungsgeldgesetzes erschwert. Eine Bundesförderung für den Ausbau und die Qualitätsverbesserung von Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es keine mehr.

Die Regierung leiste der familienfeindlichen Ausgestaltung der Arbeitswelt mit ihren eigenen Vorschlägen zudem noch Vorschub, so Csörgits weiter. Minister Bartensteins Forderung nach einer weiteren Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit gehe in diese Richtung, ebenso die wiederholten Versuche, die Ladenöffnungszeiten auszudehnen. "Herr Minister, sprechen Sie mit Ihren RegierungskollegInnen, damit diese derart familienfeindliche Pläne ad acta legen. Und arbeiten Sie endlich ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus, anstatt sich bequem mit einem unfairen Vorwurf an die jungen Menschen aus ihrer Verantwortung zu stehlen", fordert Csörgits den Sozialminister zum Handeln auf. (mfr)

ÖGB, 23. Februar 2002 Nr. 159

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