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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Bereicherung, nicht Belastung

Utl.: Ausgabe vom 22. Feb. 2002=

"Der Verlust jeder Sprache bedeutet eine
Schrumpfung, Verminderung, Verarmung der Summe menschlicher Gedanken und menschlichen Wissens", heißt es in einer Studie der UNESCO. Das alarmierende Ergebnis: Rund die Hälfte der weltweit 6000 gesprochenen Sprachen laufen Gefahr, für immer verloren zu gehen. In Europa sind rund 50 Sprachen betroffen. Bei ihnen handelt es sich zum Großteil um Sprachen von Minderheiten.

Der vorgestrige 21. Februar wurde weltweit zum "Tag der Muttersprache" erklärt. Er wurde 1999 ins Leben gerufen, um sprachliche Vielfalt und kulturelle Identität zu fördern. Dort wird sprachliche Vielfalt als Bereicherung gesehen, hierzulande feilschen wir wegen der zweisprachigen Ortstafeln.

In der Schweiz gibt es intensive Bemühungen um die Erhaltung der vierten Landessprache, des Rätoromanischen, das aber nichtsdestotrotz immer mehr an Terrain verliert. Im Nachbarland hat man erkannt, dass mit dem Verlorengehen einer Sprache auch unwiederbringbares Kulturgut verloren geht. Hierzulande verstellt noch immer die Rückschau in eine traurige Vergangenheit den Blick in eine Zukunft, in der die Vielfalt Platz hat. Statt darauf stolz zu sein, dass in unserem Land Menschen mit verschiedenen Muttersprachen leben, empfinden wir dies als Belastung. So wie die Gerichte aus aller Welt unseren Speisezettel bereichern, es aber trotzdem nie schaffen werden, die Kärntner Käsnudeln zu verdrängen, so sind die Ängste vor einer zweiten lebendigen, ge-lebten und gesprochenen Landessprache irrational.

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