Road Pricing hat sehr wohl Auswirkungen auf die Preise

Schwarzer sieht WIFO-Studie als zu optimistisch an -Innerösterreichischer Ost-West-Verkehr sowie Unternehmen in Randlagen besonders betroffen

Wien (PWK136) Gegen zu optimistisch eingeschätzte Auswirkungen der kommenden flächendeckenden elektronischen Maut ("Road Pricing"), wie sie in einer WIFO-Studie dargestellt werden, wendet sich die Wirtschaftskammer Österreich. Tatsächlich ist mit einer Zusatzbelastung der Frachtkosten in Höhe von 30 bis 40 Prozent zu rechnen.

"Da erhöhte Frachtkosten von den betroffenen Unternehmen in Industrie, Gewerbe und Handel überwälzt werden müssen, hat die Lkw-Maut sehr wohl direkte Auswirkungen auf die Preise", stellt der Leiter der Abteilung für Umwelt-, Energie- und Strukturpolitik, Stephan Schwarzer, in einer Reaktion auf die heute veröffentlichte Studie ("Auswirkungen der Lkw-Maut sind insgesamt relativ gering", siehe auch OTS0019 vom 21.2.) fest. Die Studie sei ausschließlich makroökonomisch angelegt, betriebswirtschaftlich stelle sich die Situation sehr oft ganz anders dar. Diesen Aspekt werde die Wirtschaftskammer noch besonders untersuchen. Eine Studie wurde in Auftrag gegeben.

Mit dem Road Pricing werde, so Schwarzer, naturgemäß in erster Linie der Verkehr über längere Strecken getroffen. Besonders Vorarlberger und Tiroler Unternehmen weisen auf zusätzliche Belastungen hin. Bei Getränken würde sich beim West-Ost-Transport beispielsweise eine Zusatzbelastung von rund 5 Cents pro Flasche ergeben. Ebenso würden sich Lieferungen aus dem Osten Österreichs für diese Unternehmen empfindlich verteuern. Sie müssten teilweise durch Lieferungen aus dem benachbarten Ausland, vor allem aus Bayern, ersetzt werden. Umgekehrt befürchten Firmen aus Ostösterreich, dass sie Kunden im Westen Österreichs an Konkurrenten aus den Nachbarstaaten verlieren.

Unternehmen in peripheren Lagen, vor allem in Niederösterreich, Burgenland, Südsteiermark, Lungau (Salzburg) und Kärnten, befürchten durch Belastungen von 22 bis 25 Cents je Kilometer erhebliche Wettbewerbsnachteile. Diese können bis zur Schließung von Niederlassungen gehen.

Mit Nachteilen müssten auch Konsumenten in den verkehrsmäßig ungünstig gelegenen Regionen rechnen. In Branchen mit österreichweiten Einheitspreisen, z.B. Markenartikel in Lebensmittelketten, oder bei Unternehmen, die frei Haus liefern, werde man auf Kunden verzichten, wenn die Transportkosten nicht gedeckt sind, befürchtet Schwarzer. Dies gilt auch bei Kleinabnehmern, z. B. im Bio-Bereich, deren Belieferung sich in Einzelfällen nicht mehr lohnt.

Was die westösterreichischen Randgebiete zu Deutschland und Südtirol betrifft, wird mit dem verstärkten Eindringen ausländischer (deutscher und italienischer) Lieferanten gerechnet. Sinngemäß gelte dies auch für andere Randlagen.

Zustimmen kann die Wirtschaftskammer den Schlussfolgerungen der WIFO-Studie hinsichtlich negativer Auswirkungen auf den Außenhandel. Die Studienautoren gehen von einer relativen Verteuerung der Inlandsproduktion und einem damit zusammenhängenden Rückgang der Exporte aus. Die in der Studie genannte Verschlechterung der Außenhandelsbilanz von 115 bis 205 Millionen Euro dürfte allerdings nur eine Untergrenze sein.

Mit Nachdruck verweist die Wirtschaftskammer deshalb auf die Notwendigkeit wirksamer Begleitmaßnahmen, um die heimischen Standorte nicht zu gefährden. Dazu zähle sicherlich auch eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Bahn. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Heribert Purtscher
Tel.: 01/50105/4363

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK