BRINEK: UNIREFORM-ERNEUERUNG IN ZUTRÄGLICHEN DOSEN

Reformprojekt erhält durch Diskussion bei parlamentarischer Enquete neue Impulse und Bestärkung der Reformgrundlinien

Wien, 21. Februar 2002 (ÖVP-PK) Die Universitäten haben sich in den letzten Jahrhunderten in Europa von Lehrkooperationen mittelalterlichen Zuschnitts zu staatlichen "Studier-Großbetrieben" entwickelt und befinden sich gegenwärtig in einer intensiven Reform-Diskussion, die von "Entstaatlichung", "Wettbewerbsfähigkeit" und Autonomie-Streben gekennzeichnet ist. Das stärkere Zusammenführen von Verantwortung, Kompetenz und Entscheidung, globale Budgetgestaltung, moderne Leitungsstrukturen, damit forschungsgeleitete Lehre und Wissenschaftsfreiheit noch besser fruchten können, sollen die Universitäten der Zukunft kennzeichnen. Das sagte ÖVP-Wissenschaftssprecherin Abg. Dr. Gertrude Brinek heute, Donnerstag, bei der parlamentarischen Enquete zur Universitätsreform. ****

Das Motiv für die Reform werde exemplarisch von Georg Winckler beschrieben, zitierte Brinek den Rektor in seiner Inaugurationsrede:
"Die gestiegenen und sich schneller denn je wandelnden Leistungsansprüche der Wissensgesellschaft an die Universität sowie die Herausforderung der Internationalisierung bzw. Europäisierung von Bildung und Forschung schaffen das Bewusstsein für Universitätsreformen. Wie die Erfahrung zeigt, sind solche Reformen mühsam, aber mit großen Chancen verbunden..."..

Der Zugang zur Universität sei heute Gott sei Dank kein sozial exklusives Recht mehr. Universitäre Bildung sei vielfach die Voraussetzung für die persönliche und berufliche Entfaltung - in einer wirtschaftlichen Umgebung, in der die Primärproduktion immer mehr zurücktrete und das Augenmerk auf gehobene und differenzierte Dienstleistung zu legen sei. In der Atmosphäre des lebensbegleitenden Lernens, des Verschmelzens von Arbeit und Weiterbildung sei der nicht-traditionelle der eigentliche Studierende. Studentische Mitwirkung sehe heute anders aus als in der Zeit der 68-er-Bewegung, so Brinek weiter.

"Heute geht es um das Bewältigen von neuen Bildungsaufgaben der Universität, um wissenschaftliche Wissensbildung, ohne die "alten", traditionellen, d.h. die Universität konstituierenden Fragen und Methoden zu vernachlässigen. Eine wissensbasierte Gesellschaft kann aber nicht auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, auf die 'Hervorbringung intellektueller Eliten und Forschungsgrößen', verzichten", betonte Brinek.

Universitäten seien auf besondere Weise der Ort, an dem das Wissen über organisatorische Herausforderungen selbst hervorgebracht und "gemanagt" werden müsse. Universitäten könnten künftig keine nachgeordneten Dienststellen eines Ministeriums sein, in denen per Weisung agiert und operiert werde, auch keine halb-autonomen, semi-demokratischen Verwaltungs- und Bürokratieeinheiten.

Ein neues Universitätsgesetz, an dem seit Oktober 2001 in einer offenen Planung gearbeitet werde, soll soviel zivilgesellschaftliche Mitsprache im Unirat wie angemessen, so viel wissenschaftliche Autonomie im Senat wie möglich und so viel Leitungsspielraum beim Rektorsteam wie notwendig enthalten, forderte die Wissenschaftssprecherin. Betriebsförmige Elemente seien mit Wissenschaftseinrichtungen absolut kompatibel. Sie seien nicht schon deshalb kulturlos, weil sie nicht vom Staat, d.h. von der Regierung generiert werden.

+ Universitäten müssten selbst thematisieren, ob sie mit situativer Differenzierung auskommen, oder ob beispielsweise eine dauernde Fakultäten- und Departementgliederung angemessen sei.
+ Universitäten selbst müssten entscheiden, wie sie Forschungs-, d.h. Neugierspielräume definieren und/oder auf aktuelle Markt-Nachfragen reagieren.
+ Universitäten könnten selbst am besten einschätzen, wofür sie welche Mittel benötigen, wie sie synergieren, d.h. interdisziplinäre Denk- und Handlungsspielräume schaffen, damit der "Geist Flügel bekommt".

Brinek fasste zudem folgende wichtige Erkenntnisse aus den Impulsreferaten der Experten zusammen:

o Entscheidungs- und Arbeitsgremien unterhalb der Senatsebene sollen möglich sein;
o Soziale Sicherheit für die allgemeinen Bediensteten;
o Rechts- und Verfassungssicherheit für das Autonomie- und Selbstbestimmungskonzept, vor allem betreffend Unirat;
o Aufrechterhaltung des hohen Niveaus betreffend Frauenförderung und Antidiskriminierung im neuen Universitätsgesetz - auch aus der Überlegung der "Sicherung der wissenschaftlichen Exzellenz" (Zitat einer Referentin);
o Sicherung, am europäischen Wissenschafts- und Forschungsraum aktiv teilhaben zu können;
o Europarechtlich motivierte Deregulierungstendenz; "schlanke Gesetze".

"Eine moderne Gesellschaft verlangt - und forciert - all jene Kompetenzen, die die geistige und ökonomische Autonomie des einzelnen fördern. Die Politik muss die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Österreich leitet dazu paradigmatische Veränderungen ein, die Reform der Universitäts-Organisation und die Reform der Universitäts-Idee gehören dabei zusammen", so die Wissenschaftssprecherin abschließend. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle
Tel.: 01/40110-0

ÖVP-Parlamentsklub

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VPK/VPK