Graf: Parlamentsenquete: "Der Weg zur vollen Rechtsfähigkeit der Universitäten" (2)

Mittelbau im Spannungsfeld der gegenwärtigen Universitätsreform

Wien, 2002-02-21 (fpd) - Auch einer der von der FPÖ benannten unabhängigen Experten, Prof. Dr. Peter UNFRIED, referierte über den Mittelbau der Universitäten. ****

"Das fundamentale Festhalten an der Pragmatisierung im Universitätsbetrieb ist kein Garant für hervorragende wissenschaftliche Leistungen", sagte der freiheitliche Wissenschaftssprecher und Obmann des parlamentarischen Ausschusses Dr. Martin Graf. "Würde man nach dem Pragmatisierungsgrad die Anzahl der Nobelpreisträger bemessen, müßte Österreich die meisten hervorgebracht haben; das Gegenteil ist der Fall." Im persönlichen Gespräch leugne niemand den Reformbedarf sowohl im Universitäts- als auch im Dienstrechtsbereich und dies ist eine Herausforderung für die neu zu organisierenden Universitäten.

"Früher konnte der Mittelbau traditionellerweise stets als der eigentliche Träger universitärer Forschungstätigkeit und Lehre angesehen werden, so kam den Angehörigen der Professorenkurie eher die Rolle der Koordination und Anleitung zur wissenschaftlichen Tätigkeit zu. Die staatlicherseits zur Verfügung gestellten Dotationen bestimmten weitgehend den Forschungsauftrag. Die effektive Knochenarbeit einer soliden Forschungsarbeit wurde jedoch von all den Assistenten und Dozenten der diversen Institute geleistet. Immer stärker wurden die Klagen der Professorenschaft, dass vor lauter Bürokratie keine Zeit mehr für die Forschung bleibe", führte Unfried den historischen Sachverhalt aus.

"Ein grundlegender Wandel vollzog sich innerhalb des letzten Jahrzehnts. Aus Drittmitteln oder Forschungsprojekten finanzierte Postdocs, Habilitanden, Dissertanden und Diplomanden bestimmten das Bild der Forschungstätigkeit. Den auf Planposten sitzenden Mittelbauangehörigen kam die Rolle der Anleitung zur Forschungstätigkeit und die Koordination zu. Die moderne Professorenschaft gibt die Forschung nur in groben Zügen vor, leiert vorwiegend Drittmittel an und sichert somit die finanzielle Basis der Arbeitsgruppen und übernimmt einen immer kleiner werdenden Teil der Lehre. Den Forschungsbetrieb anwendungsorientiert zu gestalten und überdies weitgehend aus Geldern von Industrie und Wirtschaft bzw. über Projekte zu finanzieren ist heute somit universitäre Realität. Aktuelle "alte" Strukturen des Mittelbaues, bedingt durch eine politische Fehlentwicklung des UOG (UniversitätsOrganisationsGesetz), sind somit fernab jeglichen Wettbewerbsgedanken und fernab elitärer Leistungsgedanken im Sinne von ‚Excellency‘", so Unfried.

"Die geplante Vollrechtsfähigkeit der Universitäten, gemeinsam mit den erfolgten Dienstanpassungen, stellt für den Mittelbau der Universitätsangehörigen, aber auch für die Wirtschaft und Industrie sowie Projektvergabestellen, eine lange erwartete Maßnahme zur Steigerung der Effizienz unserer Universitäten dar", so Unfried. (Schluß)

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