ÖGB fordert Uni-Gesamtkonzept anstatt "Problem-Auslagerung"

Csörgits: Ausgliederung bringt Unsicherheit für die Beschäftigten und weitere unsoziale Schikanen für die Studierenden

Wien (ÖGB). "Wir halten eine organisatorische Weiterentwicklung der Universitäten unter demokratischen Gesichtspunkten für erforderlich. Die Universitäten auszugliedern und damit die heiße Kartoffel einfach weiterzugeben ist jedoch der falsche Weg", erklärt ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits anlässlich der parlamentarischen Enquete zur vollen Rechtsfähigkeit der Universitäten. "Für Experimente zu Lasten der Studierenden und der Beschäftigen sind wir nicht zu haben."++++

Ausgehend von den bekannten Problemen wie lange Studienzeiten, wenig Angebote für Berufstätige und der fehlenden Abstimmung der Angebotsstruktur gilt es, ein hochschulpolitisches Gesamtkonzept zu schnüren, anstatt unausgegorene Schlagworte zu trommeln. "Bereits die Studiengebühren sind eine reine Belastungsmaßnahme für die Studierenden. Kürzere Studienzeiten werden dadurch sicher nicht gewährleistet. Im Gegenteil: Wie eine Grazer Studie beweist, stöhnen die StudentInnen über die finanzielle Belastung. Zwei Drittel der Studierenden müssen nebenbei arbeiten. 81 Prozent der Betroffenen bereitet die Doppelbelastung von Studium und Job Probleme. Die Studiengebühren haben für die Studierenden die Situation massiv erschwert. Der ÖGB fordert die sofortige Abschaffung der Studiengebühren", so Csörgits.

Durch den Plan von Ministerin Gehrer würde jedoch genau das Gegenteil passieren. "Die zu geringen Budgetmittel werden den Druck in Richtung höhere Studiengebühren verstärken. Es gibt ja auch schon Vorschläge in diese Richtung, beispielsweise von WKÖ-Präsident Leitl, der kürzlich meinte, man solle die Höhe der Studiengebühren in Zukunft generell den Universitäten überlassen. Eine Ausgliederung in dieser Form würde also das definitive Ende des freien Hochschulzuganges bedeuten", so die Vizepräsidentin. Bereits mit der Einführung der Studiengebühren sei der freie Zugang zur Bildung abgeschafft worden. Wird die Ausgliederung so wie geplant durchgeführt, werden Kinder aus Klein- und Mittelverdienerfamilien noch größere Probleme haben eine Hochschulbildung zu absolvieren. "Freier Zugang auch zur Hochschulbildung unabhängig von der sozialen Herkunft hat für uns oberste Priorität", hält Csörgits fest.

Abgesehen vom finanzielle Druck werden sich jedoch noch viele andere Probleme verschärfen, ist Csörgits überzeugt. So sollte nach den Vorstellungen der Ministerin künftig nur noch das Bildungsministerium und die Uni-Spitze wesentlich die Universitätspolitik bestimmen. Die Mitbestimmung von Studierenden, Uni-Beschäftigten, Parlament und ArbeitnehmerInnenvertretung soll hingegen stark beschnitten werden. Auch mit einem verschärften Studienrecht und mit Personalabbau ist zu rechnen.

Csörgits: "Wir fordern ein Gesamtkonzept, dass den aktuellen Anforderungen der Unis gerecht wird. Jeder Interessierte muss studieren können, die Studiendauer darf nicht mehr durch Raum- und Personalmangel künstlich verlängert werden. Es muss ein ausreichendes Angebot für Berufstätige geschaffen und der gebührenfreie und offenen Zugang zu den Hochschulen wieder hergestellt werden. Probleme durch Ausgliederung abzuschieben hilft niemandem, weder den Universitäten, noch den Studierenden oder den Beschäftigten." (aw)

ÖGB, 21. Feber 2002
Nr. 157

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