ARMUTSKONFERENZ: Fair steuern! Soziale Polarisierung verhindern

In den letzten Jahrzehnten ist der Lohnanteil am Volkseinkommen deutlich zurück gegangen, die Besitzeinkommen und die Einkünfte aus Finanzvermögen sind dramatisch angewachsen.

Wien (OTS) - "In den letzten Jahrzehnten ist der Lohnanteil am Volkseinkommen deutlich zurück gegangen, die Besitzeinkommen und die Einkünfte aus Finanzvermögen sind dramatisch angewachsen. Der Staat hat diese Verschiebung in seiner Steuerpolitik nicht nur nicht berücksichtigt, sondern die Vermögenssteuer weitgehend sogar noch abgeschafft", analysiert die Armutskonferenz.Die einseitige Belastung des Faktors Arbeit und des Massenkonsums in den letzten 20 Jahren hat zu einer massiven Schieflage in der Finanzierung des sozialen Ausgleichs geführt - und auch die Einkommensschwächeren deutlich mehr belastet. Eine Anhebung der Vermögenssteuer auf EU-Niveau (1,8% des BIP) würden für Österreich zusätzliche Steuereinnahmen von rund jährlich 50 Mrd. ATS bedeuten. Ein effektiver Körperschaftssteuersatz der dem EU-Durchschnitt entspricht, würde ebenfalls ein zusätzliches Steuervolumen von rund 20 Mrd. ATS jährlich sicherstellen. Die steuerliche Gleichbehandlung aller Einkommensarten, also gleich hohe Besteuerung der Einkommen aus Vermögen, Kapital und Arbeit nach den üblichen progressiven Steuersätzen, würde drei Ziele gleichzeitig verwirklichen:

a) Steuergerechtigkeit zwischen Arbeitseinkommen und Gewinn- bzw. Besitzeinkommen: Alle leisten gemäß ihrer wirtschaftlichen Lage ihren Beitrag

b) Erfüllung des von der Regierung gewählten Budgetziels

c) Finanzierungsspielraum zur Verbesserung des Sozialstaats.

"Auf die neuen Entwicklungen in der Einkommensstruktur bzw. der Vermögensverteilung muss insbesondere die Steuerpolitik Rücksicht nehmen.", fordert die ARMUTSKONFERENZ. Lag 1976 der Anteil der Investitionen am Volkseinkommen bei 24,2% und er Anteil der Gewinne bei 27,7%, stieg letzterer auf 33,8% an, während die Investitionsquote auf 23,9% sank (Grafik 1)*. Dies führte tendenziell zu einem gebremsten Wachstumsprozess und damit zu einer Verschlechterung der Arbeitsmarktlage. Die hohen Vermögenserträge sowohl auf den Finanzmärkten als auch im Grund- und Immobiliengeschäft führten tendenziell zu einer Dämpfung der Investitionen ins Realkapital also in Maschinen und Anlagen. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Lohnanteil am Volkseinkommen deutlich zurückgegangen und zwar von 72,3% (1976) auf 66,2% (1998) (Grafik 2). Der Hauptfaktor für den Rückgang der Lohnquote ist die Entwicklung der Besitzeinkommen. Während sich die Gewinneinkommen gegenüber 1964 vervierfachten, stiegen die Besitzeinkommen um das fünfzigfache (Grafik 3). Die rasch wachsende Bedeutung der Vermögen zeigt sich auch an der Verschiebung der Einkommensstrukturen: Mitte der 60er Jahre waren nur rund 5% der gesamten Einkünfte aus Besitz und Unternehmen heute sind es jedoch rund ein Viertel.

"Ein progressiveres Steuersystem und ein Steuersystem in dem die direkten Steuern einen höheren Stellenwert einnehmen, ist eine notwendige Bedingung für ein finanziell nachhaltiges Sozialsystem in Österreich", analysiert die ARMUTSKONFERENZ. Knapp 42% der Steuereinnahmen sind aus der Umsatz und den Verbrauchssteuern, 30% aus der Lohnsteuer und nur 16% des Steueraufkommens entstehen aus der Einkommens-, Körperschafts- und Kapitalertragssteuer. Wir haben zwar eine progressive Lohn- und Einkommenssteuer, sie hat aber nur einen relativ niedrigen Anteil am gesamten Steueraufkommen. Dafür ist der Anteil der regressiven Abgaben sehr bedeutsam, so dass einnahmenseitig die Finanzierung der Sozialleistungen - vor allem wenn auch die regressiv wirkenden Sozialversicherungsbeiträge in die Betrachtung einbezogen werden - sehr ungleich verteilt ist: Höhere Einkommenssichten tragen relativ weniger zur Finanzierung bei als die niedrigeren Einkommensschichten."

*Grafiken über DIE ARMUTSKONFERENZ erhältlich.

Rückfragen & Kontakt:

DIE ARMUTSKONFERENZ
Lobby derer, die keine Lobby haben.
Tel.: 01/ 408 06 95/25 oder 0664/544 55 54

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/NEF/OTS