ÖAMTC-Sommerreifentest 2002: Hersteller punkten mit "schwarzer Magie"

Gleich fünf "besonders empfehlenswert" bei Standardreifen, vier bei Breitreifen unter 40 getesteten Pneus

Wien (ÖAMTC-Presse) - Tödliche Unfälle verursacht durch Reifenschäden werden Dank fortschrittlicherer Technologien immer seltener beklagt. "Dass der 'schwarzen Magie' rund um die Reifenherstellung und den Reifentests große Bedeutung zukommt, liegt damit auf der Hand", sagt ÖAMTC-Reifenexperte Willy Matzke.

Beim Sommerreifentest 2002 des Clubs und seiner Partner aus dem Konsumentenbereich wurden diesmal 21 Standardreifen mit der Dimension 175/65R14 auf kleineren Fahrzeugen und 19 Breitreifen mit der Dimension 195/60R15 auf stärkeren Autos mit höherem Gewicht von den Experten unter die Lupe genommen. Die Reifen mussten auf trockener und nasser Fahrbahn bestehen. Komfort, Außengeräusch, Rollwiderstand und Verschleiß vervollständigten dabei die Testkriterien. Bei den Reifentests wurden außerdem sämtliche elektronische Hilfen von ABS bis ESP mitgeprüft, praxisgerecht wie im Alltag. Und notwendig, weil manche Reifen die Elektronik so abtäuschen können, dass sie gar nicht funktioniert.

Ein "besonders empfehlenswert" konnten bei den Standardgrößen Firestone F 590 FS, Bridgestone B 330 EVO, Pirelli P 3000 Energy, der neue Uniroyal Rallye 680, ein echter Regenreifen als Nässesieger sowie der Hankook K 701 aus Korea einheimsen, weil die bisherige Schwäche im Verschleiß wettgemacht wurde. Bei Breitreifen heißen die Testsieger Continental PremiumContact, Bridgestone Turanza ER 70, der neue Pirelli P 6 und der Uniroyal Rallye 540. "Die besten 'Allrounder' zählen zwar nicht zu den billigsten Reifen auf dem Markt, werden aber von rund einer Million Käufer pro Jahr in Österreich gewählt", weiß Matzke aus der Praxis.

Ein "empfehlenswert" gab es für die Reifen, die Schwächen auf Nässe gezeigt haben, also kaum beim früher so gefürchteten Aquaplaning, sondern beim Nässehandling und schlimmer noch beim Bremsen auf Nässe. Bei Standardreifen gehören in diese Kategorie der Conti EcoContact EP, Goodyear GT 3 (einziger echter Spritsparer mit Schwächen im Aquaplaning), Michelin Energy XT1 (Nässeprobleme), der Semperit Sport Life (Minus beim Nassbremsen) und der Vredestein T-Trac. Die empfehlenswerten Reifen in der Standardklasse sind gut und preiswert, allerdings schwächer bei Nässe, nur der Marangoni Trio schwimmt auch im Trockenen etwas herum.

Bei Breitreifen ist auch der Michelin XH1 nicht ganz oben gelandet, weil er bei Nässe besser sein könnte. "Eduard Michelin lässt jetzt eine neue Nässeprüfstrecke bauen und in dieses Projekt fließt auch das Know-how des Clubs. Der Michelin besticht aber durch geringsten Rollwiderstand und leisestes Außengeräusch", kommentiert Matzke die passable Bewertung. "Mit etwas besseren Werten beim Nassbremsen wäre der neue Semperit Speed Comfort fast der absolute Testsieger, bei Trockenheit ist er besser als der Conti, ist sogar leiser und damit eindeutig komfortabler. Für preisbewusste Käufer sicher die richtige Wahl", wie der Reifenexperte bestätigt. "Unter den Breiten stünde der Toyo Roadpro R 610 viel besser da, wäre er ein optimaler Bremser bei Nässe. Die Spitzenwerte beim Aquaplaning weisen auf eine sehr gute Konstruktion, allerdings mit einer Gummimischung, die nachgebessert werden sollte", sagt Matzke. Noch stärker trifft das auf den Fulda Carat Attiro zu, der sich als absolut Bester im Aquaplaning hervortun konnte.

Bei den "bedingt empfehlenswerten" Reifen ist Vorsicht geboten. Von Nokian hört man, dass die Gummimischung des Laufstreifens bereits verändert worden sei. Der Yokohama S 306 präsentierte sich auf trockener Fahrbahn top, bei Nässe konnte der Reifen aber nicht überzeugen . Doch die Japaner kämpfen um den Anschluss und sind mit Conti zusammengerückt. Ob Yokohama im nächsten Winter, besser wird, darauf gibt es im Oktober eine Antwort.

"Die ständige Anpassung der Hürden nach oben hin bei den Reifentests, lässt allerdings einen Vergleich mit diesem neuesten Testdurchgang und früheren nur bedingt zu", hält Matzke fest. Beim jüngsten Sommerreifentest wurden zwei grundsätzliche Entwicklungsgrößen getestet, deren Ergebnisse auch stellvertretend für andere Reifengrößen gesehen werden können.

Für den Kauf neuer Sommerreifen kann schon jetzt die Entscheidung gefällt werden. Für den Wechsel der Winterreifen auf Sommerreifen empfiehlt sich aber erst die Osterzeit. Denn eine Faustregel besagt, dass man von O bis O, also von Oktober bis Ostern mit Winterreifen sicherer unterwegs ist. Erst zu Ostern kann davon ausgegangen werden, dass die Temperaturen auch in der Nacht nicht mehr unter zehn Grad Celsius abfallen. Der ÖAMTC-Reifenexperte spricht von der zusätzlichen Sicherheitsformel 4 x 4 x 4: Vier gleiche Reifen, die nicht länger als vier Jahre gefahren wurden und mindestens vier Millimeter Profil aufweisen.

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Grafiken und Fotos zum Sommerreifentest finden Sie auf der ÖAMTC-Homepage unter www.oeamtc.at/presse.

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