DIE FACHHOCHSCHULEN - EINE BILDUNGSPOLITISCHE ERFOLGSSTORY Wissenschaftsausschuss diskutiert Entwicklung der Fachhochschulen

Wien (PK) - Eine sehr ausführliche und sachlich intensive Diskussion über die Entwicklung der österreichischen Fachhochschulen wurde im heutigen Wissenschaftsausschuss auf
Grund der Vorlage des "Jahresberichts 2000 des
Fachhochschulrates" geführt. (III-121 d.B.) Dabei stimmten alle anwesenden Abgeordneten überein, dass die Fachhochschulen eine bildungspolitische Erfolgsstory seien. Der Bericht wurde auch einstimmig zur Kenntnis genommen und im Ausschuss enderledigt.
Als Experten waren der Präsident des Fachhochschulrates, Claus Raidl, und der Präsident der Fachhochschulkonferenz, Werner Jungwirth, geladen. An der Diskussion beteiligten sich die Abgeordneten Walter Posch, Erwin Niederwieser und Gisela Wurm
(alle S), Sylvia Paphazy (F), Gertrude Brinek und Andrea Wolfmayr (beide V) und Kurt Grünewald (G).

Wie der Bericht dokumentiert, boomte der österreichische Fachhochschulbereich auch im Jahr 2000 ungebrochen. Nach der erfolgreichen Einrichtung von zwölf weiteren Studiengängen erhöhte sich das Gesamtangebot der Fachhochschulen zu Beginn des Wintersemesters 2000/01 auf nunmehr 67 FH-Studiengänge mit insgesamt 4.105 StudienanfängerInnen. Dieser Erfolg ist umso beeindruckender, als dieses Angebot durch den Bedarf der
Wirtschaft abgedeckt ist. Die Nachfrage nach hochqualifizierten jungen MitarbeiterInnen kann durch den in der Regel nahtlosen Übergang der AbsolventInnen in die Wirtschaft bestätigt werden.

Seit 1997 haben insgesamt 3.020 Studierende ihr Studium abgeschlossen, wobei sich die Zahl der Absolventen allein im Jahr 2000, in dem 1.584 Studierende ihren Studiengang erfolgreich beendeten, nahezu verdoppelt hat. Die VerfasserInnen des Berichts schließen daraus, dass eine steigende Wirksamkeit des FH-Sektors
in der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft konstatiert werden kann.

Waren die FH-Studiengänge bislang auf den technischen, wirtschaftlichen und touristischen Bereich beschränkt, so sollen schon demnächst weitere Arbeitsfelder angeboten werden. Konkret stehen Studiengänge im Bereich der Sozialarbeit sowie der nichtärztlichen Gesundheitsberufe auf der Agenda. Der Sicherstellung der hohen Qualität der einzelnen Studiengänge
dient überdies eine regelmäßige Evaluierung im Vorfeld der Verlängerung der Anerkennung dieser Lehrangebote. Überlegt wird seitens des Fachhochschulrates nun auch die Publizierung der diesbezüglichen Ergebnisse im Interesse der Information der Öffentlichkeit.

Auch im Berichtsjahr setzte sich der Trend fort, dass die überwältigende Mehrheit der StudienanfängerInnen an einer FH über AHS- oder BHS-Matura verfügen. Diese stellen knapp 92 Prozent
dar. Bei den restlichen acht Prozent verfügt ein gutes Drittel über einen Lehrabschluss, ein Fünftel weist eine Studienberechtigungsprüfung auf. Diese Zahlen seien "nicht berauschend", meinten dazu sowohl Präsident Raidl als auch Präsident Jungwirth, zumal es ja auch die Idee der
Fachhochschulen gewesen sei, insbesondere Nicht-MaturantInnen anzusprechen. Man sei auch mit den Begleit- und Stützprogrammen
am Limit angelangt, wobei Englisch ein echtes Problem darstelle,
wie Jungwirth näher ausführte.

Präsident Raidl ergänzte in seinem Statement den vorliegenden Bericht um einige aktuelle Zahlen und wies darauf hin, dass der
Bund ca. 1,1 Mrd. S für die Fachhochschulen aufwende. Im Herbst 2001 seien 93 Studiengänge in Betrieb gewesen, ein zusätzlicher sei genehmigt. Derzeit gebe es 19 Erhalter, jedoch keine private Trägerschaft, wie Ministerin Gehrer einwarf. Im Studienjahr 2000/2001 waren 11.766 Studierende zu verzeichnen, 2001/2002
14.439. Die weiblichen Studierenden machen laut Auskunft
Präsident Raidls ca. ein Drittel aus. Auch die Absolventenzahlen stiegen innerhalb eines Jahres kräftig an, und zwar von 3.020 im Sommersemester 2000 auf 5.038 im Sommersemester 2001. Durchschnittlich sei die Nachfrage noch immer bedeutend stärker
als das Bildungsangebot und bewege sich im Verhältnis 3:1. Raidl kündigte auch an, dass es demnächst insgesamt sechs Fachhochschulen geben werde, und zwar eine neue in Krems und eine weitere vom BfI Wien. Hinsichtlich des Bildungs- und Ausbildungsspektrums habe man nun auch einen Schwerpunkt auf die Biotechnologie gelegt.

Der Präsident des Fachhochschulrates unterstrich, dass die Akzeptanz der AbsolventInnen durch die Wirtschaft nach wie vor
sehr groß sei. Der Fachhochschulrat bemühe sich daher, die Qualität der Studiengänge sicherzustellen, auch mit Hilfe einer sehr strengen Evaluierung. Die Erfordernisse von Forschung und Entwicklung würden ebenfalls entsprechend berücksichtigt. Näher ging Raidl auf die Standortfrage ein und betonte den Grundsatz, bestehende Standorte zu konsolidieren anstatt neue zu schaffen.
Der Präsident des Fachhochschulrates wies in diesem Zusammenhang auf die Gefahr hin, die Errichtung von Fachhochschulen allzu sehr aus dem Blickwinkel der Regionalpolitik zu sehen. Wichtig für die Standortqualität einer Fachhochschule, so Raidl, sei die Infrastruktur und der bildungspolitische Aspekt.

Zu diesem Teilaspekt entwickelte sich eine grundsätzliche Diskussion, nachdem die Abgeordneten aller Fraktionen
(Abgeordnete Erwin Niederwieser - S, Sylvia Paphazy - F, Gertrude Brinek -V, und Kurt Grünewald - G) zwar diesen Grundsatz unterstützten, Walter Posch (S) jedoch die Frage stellte, ob nun tatsächlich das Ministerium über Standorte entscheide. Der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses Martin Graf (F) thematisierte daraufhin das "Spannungsfeld Parlament -
Ministerium - Rat" hinsichtlich der Gesamtschau des tertiären Bildungssektors und sprach sich dagegen aus, dem Rat alle Kompetenzen zu geben. Der Politik und dem Parlament müsse die bildungspolitische Verantwortungs- und Kontrollfunktion bleiben, wolle der Bund nicht auf die reine Zahlungsfunktion reduziert werden. Er trete daher in Standortfragen für die
Letztentscheidung der Ministerin ein.

Präsident Raidl konterte, dass Politik und Unternehmen bzw. Fachhochschulrat unterschiedliche Zielsetzungen hätten, und zwar Stimmenmaximierung auf der einen und Gewinnmaximierung auf der anderen Seite. Er habe lieber ein Gremium mit klaren Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen, anstatt zahllose Foren, wo nur diskutiert und begutachtet werde. Er zeigte sich
somit auch skeptisch hinsichtlich einer Dachorganisation für den tertiären Sektor, den Abgeordneter Grünewald (G) ins Spiel gebracht hatte. Bundesministerin Gehrer warf ein, dass auch schon bisher nicht der Fachhochschulrat in der Standortfrage die Letztentscheidung getroffen habe, sondern mit seinen Empfehlungen wichtige Hinweise gegeben habe. Sie gehe davon aus, dass
derartige Fragen auch in Hinkunft in gutem Einvernehmen gelöst würden. Sie wolle aber auch darauf aufmerksam machen, dass nicht nur eine gute Infrastruktur Voraussetzung für einen neuen Fachhochschulstandort sein könne, sondern dass umgekehrt auch
eine neue Fachhochschule belebenden Einfluss auf die regionale Entwicklung haben könne.

Präsident Raidl stimmte mit Abgeordneter Gertrude Brinek (V) überein, dass die Nachfrage allein nicht ausreiche, neue Studiengänge zu gründen, vor allem nicht, wenn es um Branchen gehe, die schrumpfen. Man wolle keine "virtuellen
Fachhochschulen", sondern nur welche mit Identität. Gehe man zu sehr manchen Wünschen nach, spezifische Nischen zu besetzen, dann bestehe die Gefahr geringerer Arbeitsmöglichkeiten für die AbgängerInnen.

Als wesentliche Herausforderungen nannte Raidl die Überwindung
der Kluft hinsichtlich des Ausbildungsprofils zwischen dem, was angeboten wird und dem, was von der Wirtschaft verlangt wird.
Auch sei immer die Frage schwierig zu beantworten, wie die
Nachfrage in sechs Jahren tatsächlich aussehe, denn so lange
dauere Vorbereitung und Durchgang eines neuen Lehrganges. Einen großen Wert lege man auch auf die Weiterbildung.

Eine wesentliche Frage in der Diskussion spielte auch der Frauenanteil, der vor allem von den Abgeordneten Gisela Wurm (S), Gertrude Brinek (V) und Kurt Grünewald (G) angesprochen wurde. Sowohl Präsident Raidl als auch Präsident Jungwirth betonten,
dass in den beiden Gremien, wo die Frauen stark vertreten seien, viel Wert darauf gelegt werde, Hemmnisse für Frauen abzubauen. Bundesministerin Gehrer richtete an die Fachhochschulkonferenz
auch die Bitte, diesbezüglich mehr Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und vielleicht auch ein Schwerpunktprogramm zu entwerfen. Sie regte auch an, dass Professoren selbst an die Schulen gehen,
um dort die jungen Menschen anzusprechen.

WEITERE BERICHTE, VORLAGEN UND ANTRÄGE

Zwei weitere Berichte, eine Regierungsvorlage und ein Allparteienantrag standen ebenfalls auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Wissenschaftsausschusses des Nationalrates.
Der Zwischenbericht über europäische Fördersysteme für das Studium im Ausland (III-131 d.B.) wurde jedoch einstimmig
vertagt, um diesen Bericht zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit dem mittlerweile vorliegenden Endbericht (III-139 d.B.) zu dieser Materie, der statistische Ergänzungen zu dem genannten Zwischenbericht enthält, behandeln zu können.

Sodann befasste sich der Ausschuss mit dem zweiten Bericht zur Umsetzung des Akademien-Studiengesetzes (III-137 d.B.) für das Arbeitsjahr 2001 (siehe PK Nr. 97 vom 18.2.02). Dieser wurde von
den Abgeordneten grosso modo begrüsst, löste aber gleichzeitig einige Detailfragen aus. Abgeordneter Dieter Antoni (S) monierte entsprechende Einbeziehung der Berufschullehrer und stellte die Frage der organisatorischen Umsetzung. Man müsse sich überlegen, wie man vom Ist- zum Soll-Zustand gelange. Wie sein
Fraktionskollege Robert Rada thematisierte er überdies den Forschungsaspekt der Pädagogischen Akademien und dachte, wie S-Mandatar Erwin Niederwieser, allfällige dienstrechtliche
Adaptionen vor dem Hintergrund der neuen Ausbildung an.

Niederwieser votierte prinzipiell für eine gemeinsame Ausbildung von Pflichtschul- und Bundeslehrern, eine Ansicht, der sich auch Kurt Grünewald (G) anschloss. Wenn auch, so Niederwieser, die grundsätzliche Stoßrichtung des Gesetzes nach wie vor positiv
sei, so trete seine Fraktion für eine stärkere Zusammenführung der Lehrerausbildung ein, weshalb man diesen Bericht auch nicht zustimmend zur Kenntnis nehmen könne.

Abgeordnete Gertrude Brinek (V) hielt demgegenüber fest, dass
eine gemeinsame Ausbildung nicht Auftrag des Gesetzes sei. Der Bericht selbst sei aufschlussreich und richtungweisend, er gebe einen guten Überblick über den gegenwärtigen Transformationsprozess. Abgeordneter Udo Grollitsch (F) zeigte
sich von den Ergebnissen des Berichts beeindruckt, die ursprüngliche Skepsis seiner Fraktion gegenüber dieser Gesetzesinitiative sei durch die vorgelegten Ergebnisse
weitgehend entkräftet worden. Positiv sei die begleitende Rechnungshof-Kontrolle zur Ortung von Synergien, die pädagogische Forschung müsse gleichwohl forciert werden, so Grollitsch. Sein Fraktionskollege Martin Graf resümierte daran anschließend nochmals die seinerzeitige Kritik seiner Fraktion, billigte aber
zu, dass viele der damaligen Punkte mittlerweile durch Zeitablauf obsolet geworden seien. Dennoch sei es schade, dass dieses Gesetz über mehrere Gesetzgebungsperioden beschlossen worden sei, sodass man seinen Erfolg erst in der nächsten GP ermessen werden könne. Die Überführung der Thematik in den Wissenschaftsausschuss sei hingegen ein Qualitätssprung, den man würdigen müsse.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer erinnerte an die seinerzeitige Intention dieses Gesetzes. Es sei darum gegangen, eine Hochschule sui generis mit einer Durchlässigkeit zur Universität zu
schaffen, und diesen Auftrag setze man um. Im Gesetz sei als Zielvorgabe das Jahr 2007 genannt, daher könne ein Bericht über das Jahr 2001 bestenfalls ein Zwischenresümee enthalten. Die heutige Diskussion werde aber in die entsprechenden Gremien einfließen, um den Gesamtprozess entsprechend zu unterstützen.

Generell konstatierte Gehrer, dass sich die Lehrerausbildung
schon jetzt substantiell verbessert habe, wie der internationale Vergleich belege. Die Forschungseinheiten hingegen würden von den Akademien derzeit noch nicht in vollem Umfang genutzt. Die Ressourcen wären vorhanden, doch das Ministerium könne Forschung nicht verordnen. Es komme darauf an, dass die Akademien selbst
ihre Möglichkeiten nützten.

Abschliessend stellte Gehrer fest, dass die PA-Lehrenden schon
jetzt einen durch entsprechende Publikationen ausgewiesenen beachtlichen Ruf hätten. Da aber seitens der Gewerkschaften keine Forderungen nach entsprechenden Gehaltsadaptionen laut geworden seien, dürfe man davon ausgehen, dass das Gesetz auch in finanzieller Hinsicht kostenneutral sei. Die Einbeziehung der Berufschullehrer begrüßte das Regierungsmitglied.

Der Bericht wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien zur Kenntnis genommen und somit enderledigt.

Als weiteren Punkt behandelte der Ausschuss eine
Regierungsvorlage, wonach es an Fachhochschulen in Zukunft auch Bakkalaureats- und Magisterstudiengänge geben soll. Ziel ist es, die Fachhochschulen an die Herausforderung der Bildung eines europäischen Wissenschaftsraumes anzupassen.

Grundlage dafür ist die Deklaration von Bologna aus dem Jahr
1999, mit der mehr als 30 europäische Staaten die politische Absicht bekundeten, einen europäischen Hochschulraum zu bilden.
Dem gemäß beabsichtigt die Bundesregierung das dreistufige System auch an den Fachhochschulen einzuführen und dort Bakkalaureats-
und Magisterstudiengänge anzubieten. Daneben soll es weiterhin
die Möglichkeit geben, Studiengänge in der derzeit zulässigen Form zu führen, die dann aber als "Fachhochschul-Diplomstudiengänge" zu bezeichnen sein werden. Ebenso verankert wird die zwingende Festlegung der Anrechnungspunkte für das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (European Credit Transfer System - ECTS). Das Doktoratsstudium für Fachhochschul-AbsolventInnen soll nur in jenen Fällen verlängert werden, in denen das Fachhochschulstudium weniger Semester als
das entsprechende Universitätsstudium umfasst. (976 d.B.)

In der diesbezüglichen Diskussion zeigten sich die Abgeordneten Niederwieser (S), Brinek (V) und Knerzl (F) ebenso mit dem
Entwurf zufrieden wie der Abgeordnete Grünewald (G), der
allerdings für eine Straffung der Studiendauer und für
sprachliche Präzisierungen des Gesetzestextes eintrat. In der Abstimmung wurde die Vorlage in der Fassung eines Allparteienantrages einstimmig angenommen.

Ebenso einstimmig passierte ein gemeinsamer Antrag (579/A) aller vier Parlamentsfraktionen den Ausschuss, der u.a. die
Voraussetzung für die Aufnahme des an der Universität Graz als "studium irregulare" angebotenen Diplomstudiums Umweltsystemwissenschaften in das reguläre Studienangebot bietet. (Schluss)

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