Krankenversicherungsergebnis 2001 zeigt: kein Bedarf für Beitragserhöhung

Mitterlehner: Sozialpartnervorschläge haben gewirkt - Defizit sank von 422 Mio Euro (5,8 Mrd Schilling) auf 148 Mio Euro (2,045 Mrd Schilling)

Wien (PWK132) - Die finanzielle Lage der sozialen Krankenversicherung hat sich im letzten Jahr im Vergleich zu den Vorjahren deutlich entspannt. Im Jahr 1999 betrug das Defizit 257 Mio Euro (3,5 Mrd Schilling) und sank im Jahr 2000 auf 230 Mio Euro (3,17 Mrd Schilling). Im Voranschlag für die soziale Krankenversicherung im Jahr 2001 rechnete man noch mit einem Minus von 422 Mio Euro (5,8 Mrd Schilling). "Das offizielle Gesamtergebnis weist aber jetzt für alle Krankenversicherungsträger nur ein Defizit von 148 Mio Euro (2,045 Mrd Schilling) auf", gibt der Generalsekretärstellvertreter der Wirtschaftskammer Österreich, Reinhold Mitterlehner, das vorläufige Gebarungsergebnis 2001 bekannt, das vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger errechnet wurde. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die Wiener Gebietskrankenkasse mit 70,13 Mio Euro (965 Mio Schilling).

"Für Beitragserhöhungen besteht angesichts der positiven Entwicklung keine Notwendigkeit", betont Mitterlehner. "Obwohl die Anregungen der Sozialpartner nur zum Teil umgesetzt worden sind, haben sie bereits gegriffen." So hat sich beispielsweise im Wege des partnerschaftlichen Kommunikationsmodelles die Verschreibepraxis der Ärzte geändert, was sich in niedrigere Medikamentenkosten niederschlug. Im Vergleich zum Voranschlag konnten in diesem Bereich mehr als 43,17 Mio Euro (594 Mio Schilling) eingespart werden. Wesentlichen Anteil an den bereits erzielten Einsparungen hatte auch der Verwaltungsaufwand, der gegenüber dem Voranschlag um 11,26 Mio Euro (155 Mio Schilling) bzw. 3,2 Prozent deutlich gesenkt werden konnte.

"Nun gilt es die Reformbemühungen in den Bereichen Struktur, Organisation und Vertragspartner fortzusetzen", spricht sich Mitterlehner klar dafür aus, den erfolgreich eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. So müssen die Bemühungen um ein kostenbewusstes Verschreibeverhalten der Ärzte genauso fortgesetzt werden, wie die Weiterentwicklung der Sozialversicherung zu einer effizienten und modernen Serviceeinrichtung.

Wesentliche zusätzliche Einsparungspotentiale liegen auch in den neuen Kooperationsformen der Sozialversicherungsträger im Bereich des "Back-Office". Nach dem Vorbild der SV der gewerblichen Wirtschaft und der SV der Bauern können zB das Beschaffungswesen, die Gebäudeverwaltung und sonstige Dienstleistungen in einer solchen Kooperation integriert werden.

"Zur Sicherstellung der Finanzierung ist auch die Konstruktion des Ausgleichsfonds der Krankenversicherungsträger neu zu überdenken und zu ordnen", meint Mitterlehner. Bislang wurden sparsame Kassen für die Ineffizienz in anderen Bundesländern zur Kasse gebeten. In Zukunft soll es daher nicht mehr zur automatischen Verteilung von Ausgleichsmitteln kommen, sondern die Mittel nach Zielerreichungskriterien vergeben werden.

"Solange nicht alle Vorschläge der Sozialpartner zur Effizienzsteigerung und Strukturreform im Gesundheitssystem umgesetzt sind, darf es jedenfalls keine Beitragserhöhungen geben. Damit würden nur notwendige Strukturveränderungen verhindert werden", ist Mitterlehner überzeugt.

Für das Jahr 2002 geht der Voranschlag von einem Defizit von 232 Mio Euro (3,19 Mrd Schilling) aus, wobei die Rechnungslegungsvorschriften die Krankenversicherungsträger zu einer überaus vorsichtigen Budgetierung zwingen. Bei realistischer Einschätzung und normaler Entwicklung in der Krankenversicherung ist eine weitere Senkung des Defizits durchaus möglich. Dies gilt um so mehr, wenn die von den Sozialpartnern vorgelegten Vorschläge gänzlich umgesetzt werden. (Ne)

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