"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Befreiungsschlag" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 20. 2. 2002

Innsbruck (OTS) - Die ÖVP beharrt auf dem Recht auf Zuversicht. Noch viele große Würfe würden mit dem Koalitionspartner möglich sein. Österreich darf unterdessen weiter rätseln, was die parteiamtliche Generalvollmacht der FPÖ-Chefin wirklich bedeutet. Zum Auftakt geleitete Riess-Passer eine Ministerin, die in keiner Phase ihrer Tätigkeit auf der Höhe des Amtes war, zurück ins Privatleben. Ein Befreiungsschlag? Die Zweifel sind groß.

Packelei und engmaschige Netze der Abhängigkeit - Jörg Haider agiert von der Regierung bis zum ORF als Meister dessen, was er anfangs vorgab, uneingennützig zu bekämpfen. Es ging zuletzt nicht um irgendeinen Posten, es handelt sich um ein Schlüsselressort mit einer für Österreichs Zukunft entscheidenden Bedeutung. Ist es die Mehrheit im Land allmählich leid, sich mit immer stärkeren Psycho-Schüben und Machtdemonstrationen Marke Haider zu befassen? Ein verbittertes Seufzen bleibt oberflächliche Reaktion. Es geht um politische Kultur allgemein und im speziellen Fall erst recht.

Viel ist in der Zeit der großen Koalition verlottert. Machterhalt und Überheblichkeit der "Altparteien" ließen die Talfaht rasant werden. Frust über unabänderlich scheinende Zustände brachten dem selbst ernannten Rebellen Haider und seinen starken Sprüchen seinerzeit vom Start weg Publikum. In wachsender Zahl wurden daraus Haider-Anhänger - Protestwähler. Der Kärntner Landeschef fand Beifall, für nationalistische Urlaute und abrupte Kehrtwendungen: Für die EU, gegen die EU, in der EU, sofortiger Austritt. Täglich wechselnde Launen und Egozentrik taugen in einer Demokratie aber nicht als politisches Programm. Genau daraus ergaben sich bisher die massivsten Probleme der FPÖ-Regierungsbeteiligung. Haider hat die Absetzbewegung von der geordneten Arbeit längst eingeleitet. Erheischt mit immer bizarrerem Rodeo Aufmerksamkeit und Zuspruch.

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