• 20.02.2002, 08:10:02
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DER STANDARD-Bericht: "Umbaustaub für alle! - Klaus Albrecht Schröder stampft energisch eine neue Albertina aus morschem Gemäuer" - Erscheinungstag 20.02.2002=

Wien (OTS) - Das ebenfalls dort untergebrachte Filmmuseum schluckt
derweilen den Staub und die Erkenntnis, dass für die Sanierung seiner
Räumlichkeiten niemand zuständig sein will.

Ute Woltron

Die Wiener Albertina wird derzeit mit großem Aufwand und
erheblichen Kostenentwicklungen saniert, ihr neuer Chef Klaus
Albrecht Schröder legt den Elan und das Tempo eines Zentauren vor,
Architekten, Baufirmen, Restauratoren und nicht zuletzt Sponsoren
versuchen dem hurtigen Schritt des Museumsmachers durch die
angemorschten Prachthallen zu folgen. Im März kommenden Jahres will
der Kunstmanager 18.000 Museumsquadratmeter in neuem Glanze eröffnen.

Auf vergleichsweise bescheidenen 377 Quadratmetern liegt inmitten
dieser güldenen Fassung mit dem Filmmuseum eine beliebte Wiener
Institution eingebettet, die, derzeit etwas angealtert, zu einem
Schmuckstein im Gesamtensemble herausgeputzt werden könnte.

Doch hier verlieren sich die Zuständigkeiten in einem Irrgarten
der Bürokratien und direktoralen Machtbegehrlichkeiten. Schröder
würde das Kino am liebsten samt Sammlung und Personal in sein Reich
eingemeinden, was freilich einer Entmündigung des ebenfalls
ambitionierten, aber auf anderen Parketten heimischen Filmmuseum-
Chefs Alexander Horwath samt Mitarbeitern gleichkäme. Zur optimalen
Sanierung der seit 1963 hier angesiedelten Filmmuseum-Räume bedarf es
etwa 1,8 Millionen Euro, im Vergleich zur Gesamtbausumme von
geschätzten 60 Mio " ein Klacks.

Horwath hat sein Amt Anfang dieses Jahres angetreten, da bröselte
bereits Schröders Umbaustaub in seine Anlagen, und obwohl es
wiederholt Gespräche zwischen den beiden gab, konnte kein gemeinsames
tragendes Gerüst für den letztlich minimalen Eingriff gefunden
werden. Schröder wirft Horwath nun "kleines Denken" und einen "Mangel
an Visionen" vor und will aufgrund der Planungs- und Einreichfristen
gleich gar keine Lösung mehr sehen.

Dem widerspricht Burghauptmann Wolfgang Beer. Als
Gebäudeverwalterin ist die Burghauptmannschaft das den Umbau
exekutierende Organ. Beer empfindet es als "absurd", ein paar Räume
von der Sanierung auszusparen, und entwirrt die Zuständigkeiten.
Obwohl das Filmmuseum ins Ressort von Franz Morak fällt, meint er:
"Wenn das Unterrichtsministerium eine einmalige zweckgebundene
Subvention bewilligt, sind wir sofort bereit, die Sache in Angriff zu
nehmen."

Ein Fall für Gehrer

Der Ball liegt also wieder bei Elisabeth Gehrer, die vergangene
Woche ohnehin ihrer Freude Ausdruck verlieh, hier ein Projekt in
einem Aufwaschen vollständig durchführen zu können. Da die Albertina
aber ein Haus mit mehreren Mietern ist, erstreckt sich diese
Vollständigkeit nun einmal nicht nur auf einen Macher wie Schröder,
so dynamisch er auch sein mag. Immerhin wird das Filmmuseum durch
seine Pläne in Mitleidenschaft gezogen, Foyerfläche geht durch die
Eingangsverlegung, Licht durch neue, runde Fenster verloren.

Bei vernünftiger Absprache könnten jetzt oder nie synergetische
Effekte erzielt werden, ansonsten droht eine künftige neue Baustelle.
Was das operative Geschäft anbelangt, so konnte Horwath
Kulturstadtrat Andreas Mailath- Pokorny und Staatssekretär Franz
Morak von seinen "Visionen" sehr wohl überzeugen: Die Stadt hat eine
Subvention von jährlich 508.900 Euro zugesagt, die gleiche Summe
erhofft man sich nun vom Bund.

Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS

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