Schultes: NÖ und Wiener Rübenbauern treffen Entscheidung für Zukunft

"Beteiligungsreserve" schafft Kapital für Sperrminorität an AGRANA

Wien, 19. Februar 2002 (AIZ). - "Die Rübenbauern Niederösterreichs und Wiens haben einen wichtigen Schritt getan, unseren Rübenanbau und die Einkommen daraus langfristig zu sichern. Die Generalversammlung des Rübenbauernbundes für NÖ und Wien hat mit großer Mehrheit beschlossen, über eine Aufstockung der Geschäftsanteile aller Rübenbauern an ihren Landesverband in den kommenden drei Jahren eine Beteiligungsreserve von rund EUR 9 Mio. (ATS 123,84 Mio.) anzusparen. Mit diesen Mitteln wollen wir gemeinsam mit der Dachorganisation VÖR und den anderen Landesverbänden unser Ziel einer Sperrminorität an der Holding der österreichischen Eigentümer am nationalen Zuckerindustrieunternehmen AGRANA erreichen", teilte der Obmann des Rübenbauernbundes für Niederösterreich und Wien, Hermann Schultes, im Anschluss an die gestern in Wien stattgefundene Generalversammlung des mit knapp 8.000 Mitgliedern größten Landesverbandes der österreichischen Rübenbauernschaft mit.

"Die Rübenbauern haben mit ihrem Beschluss ein Zeichen der Solidarität und Eigeninitiative gesetzt", so Schultes weiter. Es geht um unsere Zukunft. Die EU-Zuckermarktordnung bietet uns bis zur Ernte 2005 verlässliche und sichere Rahmenbedingungen. Daher wollen wir jetzt aus eigener Kraft vorsorgen. Nach 2005 wird es zwar weiterhin in der einen oder anderen Form eine Marktordnung geben; wir werden aber mit einer schwächeren Marktordnung der Zuckerindustrie gegenüber einen schwereren Stand haben. Die Entscheidung für weitere Beteiligungsschritte an der österreichischen Zuckerindustrie bis hin zur gesetzlichen Sperrminorität ist daher eine Entscheidung für unsere eigene Zukunft.

Mitsprache sichert Wirtschaftlichkeit und Standort

"Der Rübenbau ist dank der ständigen Rationalisierungsmaßnahmen noch immer wirtschaftlich und soll es auch bleiben. Wir sind es aber auch den Konsumenten schuldig, die Versorgung mit sorgfältig hergestellten inländischen Produkten zu garantieren. Und wir benötigen die heimische Wertschöpfung, um die regionalen Wirtschaftskreisläufe im ländlichen Raum, unserer Heimat, in Gang zu halten", sagte Schultes.

Allerdings, so der Obmann, "hätte unsere nachhaltige und umweltbewusste Rübenproduktion in einem offenen Markt gegen die Konkurrenz aus Übersee keine Chance. Wie in Kolonialzeiten wird dieser Zucker auf Kosten der Arbeitnehmer und Umwelt in den Entwicklungsländern lediglich zur Maximierung der Gewinnspannen internationaler Konzerne hergestellt. Diesem Lohn- und Öko-Dumping wollen und können uns wir heimischen Rübenbauern nicht aussetzen. Langfristig schaffen wir das nur, wenn wir bei der Verarbeitung unserer Rüben mitreden und auch daran verdienen können".

Rechte für alle Rübenbauern

"Die Schaffung der Beteiligungsreserve in Form der Aufstockung des Nominales der Geschäftsanteile sichert allen Rübenbauern Rechte und Mitsprache", betonte Schultes. Mit ihrem jüngsten Beteiligungserwerb im Umfang von 3,3% im Herbst 2001 hält die österreichische Rübenbauernschaft derzeit 21,7% am heimischen Anteil des AGRANA-Stammkapitals. Ziel sind 25% plus eine Aktie, "dazu fehlt uns nicht mehr viel", appellierte Schultes auch an die Solidarität der anderen Landesverbände, die derzeit ebenfalls die Schaffung einer Beteiligungsreserve diskutieren. Die Erhöhung des Nominales der Geschäftsanteile am RBB NÖ-Wien von derzeit EUR 55,- (ATS 756,82) auf EUR 90,- (ATS 1.238,43) in drei Jahresschritten schaffe außerdem Eigentum: "Geschäftsanteile sind kein verlorener Zuschuss, sie werden beim Ausscheiden wieder ausbezahlt, ihre Ein- und Auszahlung ist gebühren- und steuerfrei", so der Obmann.
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