FORMAT: Böhler-Chef Claus Raidl kritisiert die ÖIAG scharf

"Die ÖIAG ist völlig außer Tritt und von einer beängstigenden Orientierungslosigkeit."

Wien (OTS) - In der Auseinandersetzung um die Staatsholding ÖIAG, die bei einer Kapitalerhöhung der Voest-Alpine AG gegen den Willen des dortigen Managements mitziehen will, findet Böhler-Uddeholm-General Claus Raidl in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FORMAT starke Worte. Laut Raidl ist die ÖIAG "völlig außer Tritt und von einer beängstigenden Orientierungslosigkeit". Der Top-Manager, der auch die ÖVP in Wirtschaftsfragen berät, ist schwer verärgert, dass die ÖIAG zwei Jahre über Privatisierungen geredet hat und nun plötzlich um jeden Preis ihren Einfluss in den Beteiligungsunternehmen behalten will. Raidl gegenüber FORMAT: "Es war immer klar, dass alle Beteiligungen voll privatisiert werden. Jetzt wurde auf einmal die Strategie abgeändert und zwar aus reinen Machtgründen. Das ist eine Rückkehr in die tiefste Steinzeit der Verstaatlichten."

Auf die Frage nach dem Grund für den Sinneswandel meint der Böhler-Chef: "Da wollen ein paar wieder Konzern spielen, obwohl das durch das Gesetz ausdrücklich verboten ist. Die ÖIAG kommt drauf, dass andere auch mitreden wollen, wenn sie in ein Unternehmen einsteigen beispielsweise die Fries-Gruppe bei Böhler-Uddeholm. Das wird als störend empfunden." Das Engagement von Anwalt Rudolf Fries sei jedoch kein Stör-, sondern ein Idealfall: "Die ÖIAG müsste froh sein über jeden, der Anteile an ihren Firmen kauft würde sie die Privatisierung ernst nehmen", zitiert FORMAT.

Raidl kritisiert die Führung der Staatsholding im FORMAT-Interview ungewöhnlich scharf: "Die ÖIAG muss endlich begreifen, dass sie nicht Mehrheiten zementieren, sondern alles tun soll, um Privatisierungen vorzubereiten. Der Staat muss zurückgedrängt werden." Und weiter:
"Offiziell sagen die Verantwortlichen, dass die Aktienpakete jetzt weniger wert sind und sie dagegen Maßnahmen ergreifen müssen. Das zeigt, dass sie kaum Ahnung von Kapitalmärkten haben. Es ist halt an den Börsen so, dass die Kurse einmal rauf und einmal runter gehen. Außerdem ist ein möglichst hoher Staatsanteil sicher kein Beitrag zur Kurspflege ganz im Gegenteil. Die Böhler-Aktie ist jedenfalls gestiegen, seit das Fries-Konsortium auf den Plan getreten ist."

Jahrelang sei man durch die Lande gezogen und habe potentiellen Investoren versprochen, dass die ÖIAG nicht mehr bei Kapitalerhöhungen mitziehen werde, so Raidl: "Jetzt sind die Investoren wieder total verunsichert. Sie haben Angst vor einer Re-Verstaatlichung."

Rückfragen & Kontakt:

FORMAT-Wirtschaft
Ashwien Sankholkar
Tel.: (01) 217 55-4126
Andreas Lampl
Tel.: 0664/254 68 30

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMT/FMT/OTS