"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Marionetten in Lauerstellung

Ausgabe vom 16.02.2002

Man hat ihm die präzise Selbstkritik nicht zugetraut: "Wir haben uns zu entscheiden, ob wir Regierungspartei sein oder Opposition betreiben wollen." Ob des FPÖ-Klubchefs überraschende Offenheit einer "Eh schon wurscht"-Verzweiflung entsprungen ist, darf dahingestellt bleiben. Auch, dass sich Peter Westenthaler schon tags darauf über seine Unverfrorenheit erschreckt zeigte und den Rückzug antrat. "Niemand will in der FPÖ eine Meuterei - auch ich nicht", beeilte er sich da "klar zu stellen".

Auch wenn es früher oder später einerlei sein wird, was ein Peter Westenthaler für die Freiheitliche Partei will, lieferte uns der Noch-Klubchef dennoch den Beweis per Exempel: Alles kuscht, wenn der Marionettenspieler aus Kärnten seine Fäden zieht. Jörg Haider macht mit der FPÖ, was er will. Und - was das eigentlich Prekäre ist - auch mit der schweigsamen Kanzlerpartei.

Wann auch immer es dem Ex-und-eigentlichen-FPÖ-Chef beliebt, grinst er böse zum schwarzen Mann, hebt den Zeigefinger - und das genügt:
Wolfgang Schüssel & Co. ziehen die Köpfchen ein, tun brav so, wie ihnen geheißen. Nur nicht aufmucken. Alles schlucken. Expliziter Neuwahldrohungen bedarf es gar nicht mehr...

Dass Österreich "dank" der aberwitzigen Einlage des Wenderegierungs-Architekten Haider faktisch nicht mehr regiert wird, dürfte die ÖVP kaum kümmern. Wie auch: Ist sie doch rundum beschäftigt, auf die nächsten Querschüsse, Ausritte und Anpatzer ihres "Machers" zu lauern. Das ist Regieren genug.

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