WirtschaftsBlatt-Kommentar: ÖIAG neu: Holz und Eisen - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Die ÖIAG hat zwei Chefmanager mit einem gemeinsamen Merkmal: Keiner der beiden Vorstände kommt aus der Politik oder ist mit ihr verbandelt. Die Staatsholding folgte in ihrer jüngsten Personalentscheidung gewissermassen privatwirtschaftlichen Gesetzen. Die Dominanz der Politik, die sich bis zuletzt in den beiden inzwischen abgelösten Chefs Rudolf Streicher und Johannes Ditz manifestierte, ist in der neuen ÖIAG-Führung nicht mehr gegeben.

Der gestern als zweiter Vorstand nominierte Rainer Wieltsch ist ein erfolgreicher Manager, der im Tiroler Spanplatten- und Getränkekonzern Egger den Beweis seiner Leistungsfähigkeit geliefert hat. Egger gehört, auch in Euro gerechnet, in die Riege der Milliarden-Unternehmen. Der Österreicher Peter Michaelis ist schon länger als ein halbes Jahr ÖIAG-Vorstand. Er machte seine Karriere beim deutschen Industriekonzern Mannesmann und beim Autozulieferer Mannesmann Atecs.

An der ÖIAG-Spitze kommen somit Holz und Eisen zusammen, was stabilere Entscheidungsprozesse verheissen könnte. Die ÖIAG hätte solche nötig. Denn die letzten drei Jahre waren zwar nicht in allem erfolglos immerhin wurde die Postsparkasse an die Bawag verkauft aber doch mit wilden Turbulenzen erfüllt. Der AUA, LaudaAir, Telekom Austria und dem Telekom-Chef Heinz Sundt wäre manches erspart geblieben, wären nicht Expolitiker wie Ditz am Werk
gewesen, die ihre Aufgaben mit politischen Massstäben, politischen Kompromissen und einem politischen und deshalb unwirtschaftlichen Zeitbudget zu lösen gewohnt waren.

Die neuen ÖIAG-Bosse haben einige schwere Brocken zu bewältigen. Der Rückzug der Telecom Italia aus der Telekom Austria (TA) erzwingt Entscheidungen, die ein grösseres TA-Konzept voraussetzen als bloss eine Rechnerei mit den 47,8 Prozent ÖIAG-Anteilen. Auf der To-do-Liste stehen ferner die voestalpine, VA Tech, Post, OMV und AUA. In fast allen Fällen müssen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Überlegungen in die Entscheidungen einfliessen.

Das Duo Wieltsch und Michaelis hätte die grosse Chanc zu beweisen, dass beides möglich ist und sogar besser gelingt. Denn wo politische Distanz gewahrt wird, muss sich der politische Verstand noch lange nicht verabschieden. (Schluss) was

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