Georg Winckler distanziert sich von eigenen Medizin-Unis

Stellungnahme des Rektors der Universität Wien und des Vorsitzenden der Österreichischen Rektorenkonferenz

Wien (OTS) - Das Bildungsministerium (bm:bwk) und die Leitungen
der drei medizinischen Fakultäten in Graz, Innsbruck und Wien tragen - in unterschiedlichem Ausmaß - die volle Verantwortung dafür, dass im geplanten Gesetzesvorschlag zur Universitätsreform die Ausgliederung dieser Fakultäten zu erwarten ist. Als Rektor der Universität Wien distanziere ich mich von diesem Plan der Schaffung eigener Medizinischer Universitäten.

Alternative Vorschläge, die sehr wohl unter Wahrung der bisherigen Autonomie den Verbleib der medizinischen Fakultäten im Verband der Mutteruniversitäten ermöglicht hätten, wurden vom bm:bwk weder aufgegriffen, noch diskutiert. Diese Vorschläge langten rechtzeitig im bm:bwk ein und wurden von der Rektorenseite, sowie von anderen Stellen unterbreitet.

Die Schaffung eigener Medizinischer Universitäten widerspricht der europäischen Entwicklung. Lehre und Forschung, insbesondere in den grundlegenden medizinisch-naturwissenschaftlichen Fächern werden geschwächt. Eine Medizinische Universität wird sich eine eigene Reputation im internationalen Wettbewerb erst erarbeiten müssen. Die Tradition der Volluniversität, die an der Universität Wien seit ihrem Anbeginn, d. h. seit mehr als sechshundert Jahren besteht, wird zerstört. Mehrkosten in der Verwaltung werden verursacht; bestehende Verwaltungseinheiten müssen zerrissen und neue aufgebaut werden. Das gemeinsame Vermögen ist aufzuteilen. Die Kostenneutralität der Ausgliederung, obwohl als Prinzip von
bm:bwk vorgegeben, kann nicht gewahrt werden.

Das Ziel einer Universitätsreform sollten nicht steigende Kosten und die Vermehrung der Anzahl der Universitäten sein!

In den Sonderbestimmungen für die von bm:bwk geplanten Medizinischen Universitäten wird ein "Koordinationsrat" angeführt. Dieser Rat ist nicht jenes gemeinsame "Dach", das als Kompromissvariante von mir selbst vorgeschlagen wurde. In der vom bm:bwk geplanten Form ist er überflüssig, denn es fehlt ihm an jeglichen operativen Befugnissen und Finanzmitteln. Wenn das bm:bwk zusätzliche Universitäten plant, so sollte es dies nicht verschleiern.

Das große Problem einer Universität mit medizinischen Fächern, nämlich ihre Beziehung zu den Trägern der Krankenanstalten, wird durch die Schaffung eigener Medizinischer Universitäten nicht gelöst, sondern nur verlagert. Eine starke Rechtsstellung gegenüber diesen für die Universitätskliniken mitzuständigen Trägern könnte auch einer medizinischen Fakultät im Verband ihrer Mutteruniversität gegeben werden.

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Mag. Claudia Kögler
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