WWF droht mit Anzeige: "AMA muss Bio-Schmäh abstellen!"

Wien (OTS) - "Jetzt hat die AMA lange genug Zeit gehabt, ihren Bio-Schmäh abzustellen", ärgert sich Simone Lughofer, WWF-Landwirtschaftsexpertin. "Monatelang ist nichts passiert. Nun liegt ein Beschluss des Obersten Gerichtshofes (OGH) vor, der unsere Kritik bestätigt. Wir stellen nun ein Ultimatum - in vier Wochen werden wir eine Anzeige wegen Irreführung der KonsumentInnen einbringen."

Der WWF hatte bereits im Vorjahr eine Umfrage veröffentlicht, wonach 68 % der Bevölkerung glauben, mit dem AMA Gütesiegel gekennzeichnete Produkte stammen aus biologischer Landwirtschaft. Wenn eine Produktkennzeichnung von einer signifikanten Zahl von Konsumenten als Bio-Kennzeichnung verstanden wird, müssen - laut europäischem und auch österreichischem Recht - die Produkte auch biologisch produziert sein. Das ist beim AMA Gütesiegel jedoch nicht der Fall: Es sieht weder artgerechte Tierhaltung noch den Verzicht auf chemischen Dünger und Pestizide vor und wird für Produkte aus konventioneller Landwirtschaft vergeben.

Der WWF bot der AMA daraufhin seine Mitarbeit bei der Beseitigung dieses Missstandes an. Am 5. Juli 2001 wurde vereinbart, dass die AMA einen Termin zur "Abgrenzung des AMA Gütesiegels von Bio" unter Teilnahme von Vertretern des WWF, des AMA Bio-Beirates und von AMA Gütesiegel-Experten organisiert. "Jetzt ist mehr als ein halbes Jahr vergangen und wir haben nichts von der AMA gehört", so Lughofer. "Unser Rechtsanwalt bereitet die Anzeige wegen Verstosses gegen das Lebensmittelgesetz bereits vor. Wir geben der AMA noch eine Chance zu reagieren - sonst bringen wir in vier Wochen diese Anzeige ein."

OGH Beschluss bestätigt Kritik

Ein kürzlich dem Verein gegen Tierfabriken (VgT) zugestellter Beschluss des OGH vom 8. November 2001 bestätigt: Es ist zulässig zu behaupten, dass "das AMA Gütesiegel ganz bewußt zu verschleiern versucht, dass sich der Biolandbau ganz wesentlich vom konventionellen Landbau unterscheidet." Die Werbekampagne der AMA versuche den Eindruck zu erwecken, das mit dem AMA Gütesiegel versehene Fleisch stamme von naturbelassen gehaltenen Tieren. Als Beispiel führt der OGH zwei Werbeslogans der AMA an: "Rindfleisch von der Alm" und "österreichisches Schweinefleisch von bäuerlichen Familienbetrieben". Franz-Jakob Purkarthofer von ERNTE, Europas größtem Bio-Verband: "Dieser OGH Beschluss bestätigt leider unsere Befürchtungen. Wir Biobauern erwarten uns, dass unsere vielfach und immer vergeblich vorgebrachten Bedenken endlich ernstgenommen werden und die AMA Gütesiegelwerbung entsprechend abgeändert wird."

WWF: AK muss sich einschalten

Mit Unverständnis reagiert der WWF auf das bisherige Schweigen des Vertreters der Arbeiterkammer (AK) im Aufsichtsrat der AMA, Konsumentenvertreter Harald Glatz: "Wir erwarten uns, dass die AK die Interessen der Konsumenten auch innerhalb der AMA vertritt", fordert Lughofer.

Rückfragen & Kontakt:

Simone Lughofer,
WWF-Landwirtschaftsexpertin
Tel.: 01/ 48817 - 234
Andrea Paukovits
WWF-Pressesprecherin
Tel.: 0676/834 88 203

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