"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Reise nach Bagdad" (Von Günther Schröder)

Ausgabe vom 14. 2. 2002

Innsbruck (OTS) - Er hat es wieder einmal geschafft: Mit seiner Reise nach Bagdad steht Jörg Haider auf den Titelseiten. Einem Saddam Hussein freundschaftlich die Hand zu drücken, das ist eines dieser Tabus, die er so gern zu brechen pflegt. Dabei ist - bei allem außenpolitischen Schaden, den Österreich wieder einmal erleidet - der Zeitpunkt der Aktion politisch wichtiger, als die Reise selbst. Wer Saddam Hussein ist, das ist zwar sattsam bekannt: Der Mann ließ kurdische Dörfer mit Giftgas bombardieren und liquidiert während einer Kabinettssitzung schon mal einen unliebsamen Minister eigenhändig. So gesehen, richtet sich Haiders "humanitäre Privatreise" von selbst, dem Mann ist einfach jedes Augenmaß verloren gegangen.

Doch Bagdad ist nur Haiders Vehikel, der Zweck ist ein anderer:
Ausgerechnet während sich Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer in Washington mit Kontakten zur US-Regierung abmüht, wird sie von Haider blamiert. Da helfen auch Rechtfertigungsversuche nichts, es seien ja nur Blutkonserven für arme irakische Kinder von Klagenfurt nach Bagdad geflogen. Verflogen ist vielmehr das Standing Riess-Passers, die da erneut von ihrem Vorgänger und Mentor abmontiert wurde.

Das alles passt ins Bild, Haider lässt seine Partei nicht los. Nicht einmal zwei Schritt dürfe das Kind machen, schon ziehe es der Übervater wieder am Hosenträger zurück, befand just Haiders treuester Paladin, Klubchef Peter Westenthaler. Doch der wollte selbstständig gehen - und deswegen wird er wohl jetzt sein Amt verlieren, wie so viele Haider-Getreue vor ihm.

Die FPÖ kommt so nicht aus ihrer Krise heraus, doch das mag ihr Problem sein. Dass sich allerdings ihr Ex-Chef als Abklatsch Kreiskys im arabischen Raum versucht und damit Österreichs Außenpolitik in Trümmer legt, das ist ein anderes Kapitel. Die Konsequenzen werden immer klarer: Diese Politik führt in die politische Isolation. Bedenkenlos nimmt Haider das ganze Land auf diese Reise mit.

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