"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Aufwartung beim Diktator

Ausgabe vom 14.02.2002

In Den Haag läuft der Prozess gegen Slobodan Milosevic, den serbischen Ex-Diktator und eine der widerlichsten Figuren der Zeitgeschichte. Um jenen in manchen Medien als "Slobo" verniedlichten Milosevic handelt es sich, der aus blanker Machtwut heraus drei Kriege auf dem Balkan vom Zaun gebrochen, unendliches Leid über sein Volk, den Kosovo, Kroatien und Bosnien gebracht hat. Sein Bruder im verbrecherischen Geiste, Irak-Diktator Saddam Hussein, war am Dienstag Gastgeber Jörg Haiders.

Laut amtlicher irakischer Nachrichtenagentur INA überbrachte der Kärntner Landeshauptmann dem Kriegstreiber und mit dem internationalen Terrorismus innigst verflochtenen Saddam - nebst Ehrerbietung der Freiheitlichen Partei - die "Grüße des österreichischen Volkes". Wozu nun die Feststellung erlaubt sei:
Weder vom Schreiber der vorliegenden Zeilen, seines Zeichens Österreicher, noch von Hunderttausenden anderen Österreichern haben Sie, sehr geehrter Herr Dr. Haider, Vollmacht erhalten, Saddam Hussein Grüße auszurichten.

Haider und Saddam: Man könnte sich zur Meinung versteigen, das dem Landeshauptmann vom politischen Schicksal zugebilligte Maß sei nunmehr randvoll. Doch bleibt besagte Vermutung natürlich gegenstandslos. Denn: Solange ein Haider in Österreich und damit Kärnten etwas zu sagen hat, wird er für unnötige Erregung sorgen. Der Mann, so war es an dieser Stelle bereits zu lesen, kommt sich nicht aus. Haider bleibt Haider. Also gefährlich.

Gefährlicher Haider: Weiß das ein Kanzler Schüssel immer noch nicht? Wie lange noch wird er sich demütigen lassen? Und was mag in FP-"Chefin" Riess-Passer vorgehen? Mit den Worten "Österreich stehe im Kampf gegen den Terrorismus fest an der Seite Amerikas", ist sie um Schadensbegrenzung bemüht. Währenddessen sind hochkarätige NATO-und EU-Vertreter entsetzt und erklären übereinstimmend, nicht irgendein "Provinzhäuptling" habe sich Saddam entgegengeschmissen, sondern einer der mit Abstand prominentesten österreichischen Politiker und "Stifter" dieser Regierung.

So lange Schattenaußenminister Haider mächtigen Druck auf diese Bundesregierung ausübt, ist es um die Qualität unserer Außenpolitik jedenfalls übel bestellt. Und Kärnten? Österreichs Süden wird wieder einmal mit einer sonderbaren Vorreiterrolle in Verbindung gebracht. Mag ja sein, dass viele Gefolgsleute Haiders dessen "Saddam-Event" als Supergag auffassen und ihm vorschlagen werden, beim kommenden Villacher Fasching als giftgassprühender Diktator aufzutreten. Zu Heiterkeit gibt die Causa trotzdem nicht den geringsten Anlass.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI