WirtschaftsBlatt-Kommentar: Der Berg kreisste - von Gerald Stefan

Wien (OTS) - Nun hat die Energiebranche mit angehaltenem Atem
einen weiteren Stromgipfel überlebt. Und schon bei der Bewertung der Ergebnisse sind die Teilnehmer uneinig. Ob es solche tatsächlich gibt, darf also bezweifelt werden. Minister Bartenstein sagt, "die Chancen standen nie so gut wie jetzt" - und hat damit Recht, doch Jubel wäre verfrüht. Dass eine österreichische Lösung per Stufenplan dingfest gemacht werden soll, ist zwar gut. Doch nach vielen ähnlichen Runden können nur Tatsachen gelten, und die wären: Die Errichtung einer Handelsfirma bzw. Grosskunden-Vertriebsfirma zwischen Verbund und EnergieAllianz klingt charmant, bringt aber wenig Synergieeffekte. Wenn das eine Lösung ist, dann keine grosse. Ausserdem: Warum soll der Verbund scharf darauf sein, dass eine Firma seinen billigen Wasserkraftstrom gemeinsam mit dem teuren kalorischen Strom der Landesversorger einkauft, um ihm diesen dann zu einem teureren Mixpreis wieder zur Verfügung zu stellen? Dagegen wäre der Charme der (auch im Verbund nicht unumstrittenen) E.ON-Lösung, dass durch die gemeinsame Wasserkraft-Tochter die Marktstellung verstärkt würde. Dennoch hat die Handelsfirma Chancen auf Realisierung, es braucht bloss etwas guten Willen in der Vertragsgestaltung. Denn die Landes-EVU müssen etwas anbieten, das wirtschaftlich wie eine Alternative zur E.ON aussieht und für die Kampfgefährten Bundespräsident und "Krone" als österreichische Lösung gelten kann.

Alle weiteren Stufen der "Stromlösung" sind höchst theoretisch. Der Zusammenschluss bei Kraftwerken und Netzen würde echte Souveränität kosten, und das bedeutet schwierige Verhandlungen. "Sicher ist, es darf keine Frage von Jahren sein, denn sonst müsste man sagen, da wird etwas auf die lange Bank geschoben", sagt Bartenstein. Genau das droht aber.

Deutschlands E.ON muss warten, bis die Österreicher ihr Kasperltheater beendet haben. Angeblich ist sie bereit dazu. Selbst wenn - die Uhr tickt: Bis 2003 sind Umbesetzungen im deutschen Vorstand zu erwarten. Ob ein neues Management ein zweites Mal unterschreibt? Auch Atomriesen geben irgendwann auf. Das freut dann zwar die Umweltschützer, aber auch die müssen erst erklären, wieso ein Bündnis von Verbund und der EnergieAllianz besser ist - dem grössten Atomstrom-Verwender Österreichs. (Schluss) gst

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