KURIER-KOMMENTAR: Ein Hit: "El Haider" unterwegs Alfred Payrleitner über die fatalen PR-Tricks des Kärntner Landeschefs

Wien (OTS) - Seit unser geschätzter Nachbar Deutschland für das drohende Sprengen des Maastricht-Korsetts keinen blauen Brief, sondern nur eine Rüge bekommen hat, granteln viele Österreicher leicht vor sich hin. Da sähe man wieder einmal, dass es sich die Großen richten können. Was hätten dagegen wir ausgefasst? Die Grantler haben Recht. Aber damit wird nur eine Binsenwahrheit bestätigt: Politik ist auch eine Größenfrage. Dennoch können die Österreicher beruhigt sei - sein patziges Reagieren hat Gerhard Schröder europaweit mehr geschadet als eine etwaige Rüge. Er bekam nun ein blaues Auge statt eines blauen Briefs. Doch hier zu Lande schleppt man einen historischen Minderwertigkeitskomplex mit sich herum, Friedrich Heer hat ihn in seinem Klassiker "Der Kampf um die österreichische Identität" genau analysiert. Der Komplex wäre heute zwar überflüssig, aber er ist vorhanden und kann benutzt werden.

Niemand manipuliert damit besser als Kärntens Landeshauptmann. Wenn er sich zwischen Bagdad und Ried ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit spielt, erweckt er den Anschein einer wichtigen "Vermittlungstätigkeit" - die aber weder dem Ernst der Sache noch der Bedeutung seiner Person entspricht. Mit der ihm eigenen Chuzpe ließ Haider den Giftmörder gleich im Namen aller Österreicher schön grüßen. "El Haider" unterwegs - ein Witz des Bauern aus der Kärntner Narrengilde war eine echte Programmankündigung. Viel Spaß auch bei der künftigen Zusammenarbeit zwischen der FPÖ und der sozialistischen Baath-Partei des Diktators.

Aber manchen Österreichern gefällt das. Der traut sich was, der Jörg, der macht uns größer. Seinen Parteifreunden gefällt es schon viel weniger, weil er auch mit ihnen gerne so umgehen würde wie Saddam mit den arabischen Genossen.

Freilich kann man hier zu Lande nur verbal und durch Mobbing massakrieren. Doch das genügt. So lange Treueschwüre im Männerrausch mehr zählen als Argumente - jedem das Seine.

Leider fällt jedoch auch die Medienwelt und selbst das US-State-Department und Bagdad auf die durchsichtigen PR-Schmähs des kalt kalkulierenden Polit-Schauspielers herein. Um "kontraproduktiv" zur US-Außenpolitik zu wirken, müsste man zunächst etwas Bedeutendes produzieren - doch das ist nicht erkennbar. Falls Saddam wirklich auf die Hilfe des Kärntners angewiesen ist, pfeift er aus dem letzten Loch. Und wenn Österreich damit "in die Nähe eines Schurkenstaates gerückt" worden sein soll, so ist das eine groteske Überschätzung des Haiderschen Einflusses auf die Außenpolitik.

In Wahrheit hat der Egomane nur die USA-Reise der FPÖ-Chefin beschädigt. Dennoch genügt dieser Unsinn, um Österreichs Image zu lädieren. Anderswo versteht man leider nicht diese Art von Humor. Schon gar nicht "Lei-Lei". Obwohl dort der Think tank der Partei angesiedelt sein dürfte. Danke Jörg!

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