Baugewerbe: Pfusch ist kein Kavaliersdelikt, sondern massiver Betrug

Bundesinnungsmeister Lahofer: "Aufruf zur Steuerhinterziehung ist verspäteter Faschingsscherz"

Wien (PWK114) - Als "verspäteten Faschingsscherz" bezeichnete Johannes Lahofer, Innungsmeister der Bundesinnung Bau, den unmissverständlichen Aufruf des Wifo-Experten Kurt Kratena, Pfusch und Schwarzarbeit zu fördern anstatt zu bestrafen. "Pfusch ist kein Kavaliersdelikt sondern eine vorsätzliche Steuerhinterziehung, die einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Auch wenn Gesetze übertreten werden, heißt das noch lange nicht, dass es dafür keine Strafen geben darf. Es geht ja auch darum, mit den Strafen ein Unrechtsbewusstsein in der Öffentlichkeit zu wecken", so Lahofer.

Die Schadenssumme durch Pfuscher und Schwarzarbeit übersteigt mit über 7 Mrd Euro bereits deutlich den offiziellen Produktionswert des gesamten Baugewerbes. Täglich gehen vier Unternehmen in Konkurs, letztlich auch deshalb, weil ihnen diese Aufträge fehlen. "Das Argument, der Pfusch würde die Konjunktur der Baumärkte ankurbeln, geht völlig ins Lehre, denn auch die Gewerbebetriebe können sich die Baumaterialien ja nicht aus den Rippen schneiden", so Lahofer.

Völlig vergessen werde bei der "Glorifizierung des Pfusches" der Sicherheitsaspekt. "Unsere Betriebe investieren jährlich Millionen in die Sicherheit ihrer Mitarbeiter, ihrer Kunden und gegenüber Dritten. Die Arbeitsunfälle von Pfuschern muss der Steuerzahler berappen, weil ja nie Beträge gezahlt wurden", ärgert sich Lahofer.

Auch das Argument, Maßnahmen gegen Pfusch und Schwarzarbeit würden mehr kosten als sie bringen, zieht nicht. "Tatsache ist, dass das sogenannte "Luxemburger Modell", also die Reduktion der Mehrwertsteuer von 20 auf zehn Prozent in Verbindung mit Rechnungen von Professionisten, in Luxemburg den Pfusch um 40% eingedämmt hat". Einige Bundesländer hätten zwar bereits die Wohnbauförderungen an Rechnungen gekoppelt, "aber leider nur an Rechnungen für Baumaterialien, nicht an Dienstleistungen von Professionisten. Und selbst diese Rechnungen werden nur sehr lax überprüft".

Andere Länder haben bereits mehr Weitblick entwickelt als Österreich. Frankreich hat seinen Mehrwertsteuersatz bereits im April 1999 von 20,6 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt und damit einen regelrechten Bauboom ausgelöst. "Auch Belgien, Italien, Holland, Portugal und Spanien haben nicht aus Jux und Tollerei ihre Mehrwertsteuersätze für arbeitsintensive Bauleistungen um bis zu 15 Prozentpunkte gesenkt, sondern weil sie sich handfeste Vorteile erwarten".

Die Vorteile hat übrigens das WIFO selbst in einer Studie herausgearbeitet. So könnten allein im Baugewerbe knapp 20.000 Jobs gesichert werden und der Pfusch um ein Drittel reduziert werden, wenn die Mehrwertsteuer von 20 Prozent auf zehn
Prozent gesenkt wird. Eine befristete Halbierung des Mehrwertsteuersatzes würde zunächst zwischen vier und fünf Mrd. S (291 bis 363 Mill. Euro) kosten. Diese Rückgänge würden aber durch höhere offizielle Umsätze zum Teil wettgemacht werden. "Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup in Niederösterreich sind 80 Prozent der Häuslbauer bereit, einen Baumeister bzw. Gewerbebetrieb zu beschäftigten, wenn die Mehrwertsteuer gesenkt wird", stellt Lahofer fest. (MH)

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