ARBÖ: Sturmböen fegten Motorräder um

Aufgewirbelte Hindernisse gefährden Verkehrsteilnehmer

Wien (ARBÖ) - Die Sturmböen, die seit Beginn der Woche mit Spitzen bis zu 90 km/h über Ostösterreich hinwegfegen, haben bereits zahlreiche Schäden verursacht. Die Verkehrsteilnehmer müssen mit unvorhergesehenen "aufgewirbelten" Hindernissen rechnen, warnt der ARBÖ. Durch die Luft fliegende Papier- oder Kartonteile, Plastikplanen oder abgebrochene Äste gefährden Fußgänger, Rad-, Motorrad- und Autofahrer.

Herabfallende Äste, aber auch umgestürzte Motorräder hatten Sachschaden verursacht und veranlassen viele Fahrzeugbesitzer sich beim ARBÖ zu erkundigen, wer für Sturmschäden haftet. Sturmschäden an Autos und einspurigen Fahrzeugen werden in den meisten Fällen nur von der Kaskoversicherung gedeckt.

Kein Schadenersatz bei umgestürztem Motorrad

Immer wieder stürzen schlecht abgestellte Zweiräder um und beschädigen dabei oft auch parkende Autos. Wer ersetzt den Schaden? Um Anspruch auf Schadenersatz aus der Kfz-Haftpflicht zu haben, muss das gegnerische Fahrzeug in Betrieb gewesen sein. Um Schadenersatz nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch gewährt zu bekommen, muss dem Unfallgegner ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden.

Das heißt, wird ein ordnungsgemäß abgestelltes Motorrad etwa durch Wind oder Sturm umgestoßen, so trifft keine der beiden Bestimmungen zu. Der Motorradbesitzer und dessen Versicherung haften nicht. Dazu ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert: "Für den Besitzer des beschädigten Pkw mag diese Regelung ungerecht erscheinen. Andererseits kann auch der Besitzer des Motorrades wohl nicht für einen Schaden haftbar gemacht werden, an dessen Verursachung ihn keinerlei Schuld trifft." In allen anderen Fällen muss der geschädigte Autobesitzer dem Motorradlenker ein schuldhaftes Verhalten beim Abstellen seines Motorrades nachweisen können. Eine andere Möglichkeit wäre eine bestehende Kaskoversicherung für den PKW, die dann diesen Schaden deckt.

Wer haftet?

Laut ARBÖ-Verkehrsjuristen sind dabei aber auch die Rahmenbedingungen wichtig: Von einem Sturm spricht man erst ab Windgeschwindigkeiten von 60 km/h. Die Haftungsfrage, etwa bei umgestürzten Bäumen ist durch das Gesetz klar geregelt: Ein umgestürzter Baum blockiert die Straße. Aufgrund dieses Verkehrshindernisses kommt es zu einem Unfall. ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert: "In diesem Fall kann die Wegehalterhaftung eintreten - allerdings nur dann, wenn ein gravierendes Verschulden des Straßenerhalters nachgewiesen werden kann." In der Praxis bedeutet das: "Je wichtiger die Verkehrsverbindung ist, desto rascher muss der Wegehalter das Hindernis wegräumen."

Wird ein Fahrzeug von einem Ast getroffen und beschädigt so haftet niemand, weil das Ereignis auf höherer Gewalt beruht. Das gilt für parkende, vor der Ampel haltende oder fahrende Autos. "Nur wenn der Baum offensichtlich schon vorher morsch war, könnte der Liegenschaftsbesitzer zur Haftung herangezogen werden", lassen die ARBÖ-Verkehrsjuristen ein Versicherungs-Schlupfloch offen. Diese Morschheit des Baumes muss allerdings vom Geschädigten erst bewiesen werden.

Wird ein Fahrzeug durch herabstürzende Dachteile (beispielsweise Ziegelsteine, Blumentöpfe) beschädigt, so gilt ähnliches wie bei den umgestürzten Bäumen: Ist dem Hausbesitzer schuldhaftes Verhalten nachzuweisen, so kann dieser auch dafür haftbar gemacht werden, so der ARBÖ.

Sicherheitstipps rund um Sturm und Orkan

Auch für die kommenden Tage haben die Meteorologen weiterhin teils heftigen Wind vorausgesagt, deshalb haben die ARBÖ-Techniker einige Tipps rund um Sturm und Orkan zusammengestellt:

* Durch eine verminderte Geschwindigkeit erhält das Fahrzeug eine bessere Bodenhaftung. Wird ihr Fahrzeug von einer Sturmböe erfasst, sollten heftige Lenkbewegungen eher vermieden werden, da das Fahrzeug dadurch nur noch mehr instabil wird. Lenken Sie ihr Fahrzeug möglichst gefühlvoll zurück in Ihre Fahrspur.

* Besonders achtsam wegen der gefährlichen Sturmböen muss man auf Brücken sein, bei Tunnelausfahrten oder nach engen Häuserschluchten. Der Seitenwind kann das Fahrzeug erfassen und um einige Meter regelrecht "versetzen".

* Öffnen sie ihre Fahrzeugtüre vorsichtig und halten sie den Griff fest in der Hand. Weggerissene Türen können erheblichen Schaden anrichten - sei es an der Türe selbst, an einem daneben stehenden oder vorbei fahrenden Auto, oder kann schlimmsten Falls sogar einen Fußgänger verletzen.

Die Gefahr von einer Sturmböe erfasst zu werden und sich zu verletzen, ist für Fahrrad- und Motorradfahrer besonders groß, weshalb die ARBÖ-Verkehrsexperten bei stürmischer Wetterlage davon abraten mit dem Fahrrad oder Motorrad unterwegs zu sein.

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