- 12.02.2002, 20:47:46
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"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Der Euro muss in die Köpfe
Ausgabe vom 13.02.2002
In unseren Brieftaschen haben sie sich bereits etabliert - die
nigelnagelneuen knitterfreien Euro-Scheine und die
"hochglanzpolierten" Euro- und Cent-Münzen. Nicht aber in unseren
Köpfen. Dort geistert noch immer der Schilling als Maßeinheit umher.
Die Arbeiterkammer hat erhoben, dass sich jeder vierte Österreicher
nach wie vor ausschließlich an der Preisangabe in Schilling
orientiert.
Beim Einkaufen wandert der Blick noch immer suchend zum
Schilling-Wert. Erst wenn wir ihn gefunden haben, be-greifen wir, wie
viel die Ware tatsächlich kostet. Nun gibt es massive Bestrebungen,
dass uns die Schilling-Angabe am Preisschild länger als bis zur
geplanten Deadline Ende Februar erhalten bleiben soll. Das wäre zwar
bequem, die Frage ist aber, ob es zielführend wäre. Denn der Euro ist
Realität, der Schilling Vergangenheit. Nun gilt es, den Euro zu
be-greifen, zu wissen, wie viel etwas in Euro kosten darf und wann es
zu teuer ist. Das Schielen auf den Schillingpreis schiebt diesen
Prozess des Ein-Gefühl-für-den-Euro-entwickelns nur hinaus.
Vor allem Konsumenten mit eher niedrigem Einkommen wünschen sich, so
die AK-Umfrage, eine Verlängerung der Phase der doppelten
Preisauszeichnung. Was ihnen aber weit mehr weh tun dürfte als das
Ende der doppelten Preisauszeichnung, sind die kleinen, versteckten
Teuerungen, die der Euro mit sich gebracht hat - wenn beispielsweise
ein Dreierpack Paprika, der früher 12,90 kostete, nun für einen Euro
(13,76 ATS) im Angebot ist. Was nutzt es, wenn wir das be-greifen,
aber nichts dagegen unternehmen können.
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