DER STANDARD-Bericht: "FPÖ-Klubchef: "Habe keine Klappe in Bagdad, keine Durchwahl ins olympische Dorf" - Westenthaler vor der Ablöse" - Erscheinungstag 13.2.2002

Wien (OTS) - Peter Westenthaler ist allein zu Hause. Eine
"skurrile Situation", wie er findet. Jörg Haider ist in Bagdad, Susanne Riess-Passer in Salt Lake City. Sie bereiten seine Ablöse vor, er wartet in Wien auf ihre Rückkehr. Nächste Woche soll die Entscheidung fallen. Der Klubchef ist schwer enttäuscht.

Michael Völker

"Ich habe keine Klappe in Bagdad und keine Durchwahl ins olympische Dorf." Peter Westenthaler fühlt sich allein gelassen. In Bagdad lässt sich Jörg Haider von Repräsentanten des irakischen Regimes empfangen, in Salt Lake City sonnt sich Susanne Riess-Passer im Licht der österreichischen Athleten. Sie sind die "handelnden Personen", wie Westenthaler im Gespräch mit dem Standard sagt, und es geht um seine Ablöse als Klubchef. Nächste Woche wird die Entscheidung fallen. "Das ist doch skurril: Ich sitz' als Einziger in Wien und gelte als abgängig."

Westenthaler ist verletzt und verbittert, in diesen für ihn schweren Stunden macht er auch kein Hehl daraus. Dass er von Parteikollegen noch mit Spott verfolgt wird, kränkt ihn zusätzlich. Karl Schweitzer, der eine Generalsekretär, hatte gemeint, Westenthaler müsse sich vom Opernball erholen. Der andere Generalsekretär, Peter Sichrovsky, hatte gemeint, der Klubchef lege eine Ruhepause ein. Westenthaler: "Das ist schon sehr witzig, dass sie einem, wenn es einem nicht gut geht, noch ein Hackl ins Kreuz hauen."

Dass es ein schweres Zerwürfnis mit Jörg Haider, seinem ehemaligen Mentor, und mit Riess-Passer, deren Aufstieg er loyal begleitet hat, gibt, stellt Westenthaler gar nicht mehr in Abrede. Auch wenn er "die ganze Geschichte gar nicht mehr beurteilen will". "Es ist passiert." Hintergrund der nun von der Parteispitze betriebenen Ablöse Westenthalers ist die Wahl des neuen ORF-Direktoriums.

Diese habe der FP-Klubchef "vergeigt", heißt es in der Partei. Seine allzu heftigen und letztendlich aber erfolglosen Interventionen hatten vor allem beim ehemaligen Obmann Jörg Haider für Verärgerung gesorgt. Auch Riess-Passer wandte sich von ihrem einstigen Vertrauten ab. "Die Situation ist nicht einfach für mich", sagt er.

Der 34-Jährige kann in dieser Situation nicht anders, als mit seinem Schicksal zu hadern. 15 Jahre habe er an vorderster Front für die Partei gekämpft, war immer für die Freiheitlichen da. Ob er verbittert sei? "Den Großteil meines Lebens habe ich hinein-investiert", antwortet Westenthaler. In der jetzigen Situation sei "Wehmut und Herzblut". Die Entscheidung über seine weitere politische Karriere - oder ihr abruptes Ende - wird nächste Woche auf höchster Ebene in der Partei fallen. Und voraussichtlich ohne Klubsitzung. Zu groß die Gefahr, dass sich die Abgeordneten, auch wenn etliche in letzter Zeit schon gemault haben, wieder hinter ihrem Klubobmann versammeln.

Begleitet wird die anstehende Ablöse Westenthalers von einer ganzen Reihe verschiedener Gerüchte, manche offenbar gezielt ausgestreut, einige davon ziemlich hässlich. So steht auch der Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten im Raum. Westenthaler dazu:
"Ich habe mich immer dagegen verwahrt, etwas mit den Finanzen der Partei zu tun haben. Ich war nie in einer Position, die mit dem Transfer von Geldmitteln zu tun hatte. Das haben immer andere gemacht." Der Partei will Westenthaler nichts Schlechtes, "die FPÖ war immer meine Heimat", sagt er. Dennoch meint er zu den Gerüchten:
"Wenn man mir da was anhängen will, wird es interessant." Er besteht aber darauf, wenigstens mit einem Gerücht aufzuräumen: "Ich werde nie aus der FPÖ austreten - außer, ich reiß" an Stern".

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